Für Anwohner und die Busecker Kommunalpolitik bleibt die Situation am Rinnerborn in Alten-Buseck ein Dauerbrenner. FOTO: JWR
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Für Anwohner und die Busecker Kommunalpolitik bleibt die Situation am Rinnerborn in Alten-Buseck ein Dauerbrenner. FOTO: JWR

Anwohner-Initiative

Lärmschutz am Rinnerborn in Alten-Buseck: 251 Unterschriften für Tempo 30

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Verkehrssituation am Rinnerborn in Alten-Buseck sorgt weiter für Unmut. Zwei Anwohner haben Unterschriften gesammelt, wollen weiter Druck machen - und zeigen sich von der Gemeinde enttäuscht.

Für viele Anwohner ist es ein dauerhaftes Ärgernis: Schon seit langem gibt es Klagen über hohes Verkehrsaufkommen und Lärmbelastung am Rinnerborn (Landesstraße 3128), der Ortsdurchfahrt in Alten-Buseck. Gerade auch Schwerlastverkehr macht Anwohnern zu schaffen, nicht wenige fordern eine Beruhigung des Verkehrs - auch aus Sicherheitsgründen, denn vor allem für querende Fußgänger und Fahrradfahrer sei die derzeitige Situation gefährlich.

Doch die jüngste Fortschreibung der Lärmaktionsplanung des Regierungspräsidiums (RP) Gießen, veröffentlicht im Mai, weist die lange Gerade durch Alten-Buseck nicht als "Lärmkonfliktpunkt besonderer Belastung" aus. Verwiesen wird in der Fortschreibung auf eine getroffene Maßnahme: Seit 2018 gilt auf einer Strecke von 150 Metern nahe dem Kreisel am Ortseingang nachts Tempo 30. Dadurch seien Richtwertüberschreitungen an sieben Gebäuden "eliminiert" worden, wobei die Lärmaktionsplanungen auf Hochrechnungen basiert. Weiteren Forderungen erteilt das RP im jüngsten Lärmaktionsplan eine Absage: Ein Lkw-Fahrverbot sei dort nicht umsetzbar, "da an-dere Straßen mit geringerer Klassifizierung nicht geeignet sind, Verkehr aufzunehmen". Und die Ausweitung von Tempo 30 hält das RP am Rinnerborn für "aus Sicht der Lärmminderung rechtlich nicht möglich".

Petition für Tempo 30 am Rinnerborn in Alten-Buseck: Zahlreiche Unterstützer

Zu den Anwohnern, die bei dem Thema nicht locker lassen, gehört Daniel Allgeier. "Es wird oft weiter nach oben oder unten verwiesen", bemängelt er. Die mitunter komplizierte Zuständigkeit, etwa zwischen dem Landesbetrieb Hessen Mobil und dem RP, macht die Lage nicht einfacher. Gemeinsam mit Ulla Moch, ebenfalls Anwohnerin, hat Allgeier nach eigenen Angaben rund 200 Wurfsendungen an Haushalte am Rinnerborn und in wenigen Seitenstraßen verteilt.

Der Rücklauf kann sich sehen lassen: 251 Personen, teils mehrere aus einem Haushalt, haben laut Allgeier die Forderung nach Tempo 30 unterstützt. Weitere fünf hätten sich zwar nicht für Tempo 30, aber für ein Lkw-Durchfahrverbot ausgesprochen. Dieses Pfund an Unterstützung wollen die Initiatoren nutzen - und haben zumindest schon Gehör beim RP gefunden: Bei einem Termin mit dem Regierungspräsidenten und Mitarbeitern des RP haben Moch und Allgeier ihren Forderungen Nachdruck verliehen - auch hinsichtlich einer Verkehrsberuhigung auf der Straße zwischen Alten-Buseck und Trohe - und die Probleme geschildert. "Das wurde definitiv ernst genommen", sagt Allgeier und lobt das RP dafür, dass man sich grundsätzlich aufgeschlossen gezeigt habe.

Petition für Tempo 30 am Rinnerborn in Alten-Buseck: Bürgermeister sieht Möglichkeiten erschöpft

Allerdings habe das RP wiederum an die Gemeinde verwiesen, die zu der Petition der Anwohner Stellung nehmen solle. Ende November hat Bürgermeister Dirk Haas die Initiatoren angeschrieben, das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Unterm Strich sieht der Bürgermeister auf kommunaler Ebene kaum Handhabe, um die Situation zu ändern. Die gewünschte Geschwindigkeitsbegrenzung komme "nur da in Betracht, wo der Durchgangsverkehr von geringer Bedeutung ist", schreibt Haas. Auch gelte der Rinnerborn nicht als Unfallschwerpunkt.

"Solange sich die Rechtslage nicht ändert, wird es schwierig", äußert sich Haas gegenüber der GAZ. "Der Schwerlastverkehr müsste außerhalb abgefangen werden", das könne die Kommune schwer regeln. Ein Großteil der Lkw komme aus Großen-Buseck, sagt Haas - und nimmt im Gegensatz zu den Initiatoren der Petition nicht an, dass das Lkw-Aufkommen unter anderem im Zuge neuer Logistik-Ansiedlungen in Gießen weiter steigen wird.

Schon jetzt gebe es Querungshilfen entlang des Rinnerborn - und die hätten bereits einen spürbaren Effekt, findet Haas: "Seither wurde die Durchschnittsgeschwindigkeit gesenkt, man kann dort schlecht rasen", so Haas. Inwieweit kann er die Forderungen der Anwohner nachvollziehen? "Natürlich ist es für die Leute, die an der Straße wohnen, schwierig", räumt Haas ein, "das ist natürlich ärgerlich". Und weiter: "Ich wäre auch froh, wenn da etwas passieren würde." Er habe schon etliche Gespräche mit dem RP geführt und werde dies auch weiter tun. Aber der Gemeinde seien eben weitgehend die Hände gebunden. Als das Thema kürzlich im Parlament aufkam (siehe Kasten), ging es auch um die Möglichkeit, ein Schallgutachten zu beauftragen. Kurzfristig werde die Anpflanzung von Bäumen mit mehr Kronenbildung am Rinnerborn geprüft, so Haas.

Anwohner Allgeier bleibt unterm Strich enttäuscht von der Busecker Verwaltung, sieht dort mangelnden Einsatz für das Thema. Das Schreiben des Bürgermeisters enthalte "ganz platte Argumente, warum etwas nicht geht", kritisiert Allgeier, und weiter: "251 Unterschriften kann der Bürgermeister eigentlich nicht ignorieren - gerade in Wahlkampfzeiten."

Info: Auftrag des Parlaments

Auch in der Busecker Kommunalpolitik bleibt die Verkehrssituation vor allem am Rinnerborn ein Thema: Auf Antrag der Freien Wähler hat das Parlament vergangene Woche die Verwaltung beauftragt, bis zum Sommer Maßnahmen mit Hessen Mobil abzustimmen und den Gremien vorzulegen. Verwiesen wird auch auf einen Beschluss aus 2018 mit gleicher Stoßrichtung und die Bereitstellung von Mitteln im Haushalt 2019. Bisher seien "keine Ergebnisse bekannt bzw. keine Maßnahmen durchgeführt worden", heißt es im neuen Antrag. jwr

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