Die Bürgermeister dreier Nordkreis-Kommunen wollen bei der Beförsterung neue Wege gehen. ARCHIVFOTO: GECK
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Die Bürgermeister dreier Nordkreis-Kommunen wollen bei der Beförsterung neue Wege gehen. ARCHIVFOTO: GECK

Künftig ohne Hessen Forst?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Buseck(jwr). Es war im "Eilausschuss" per Videokonferenz am Dienstagabend nur eine Diskussion am Rande unter "Verschiedenes", doch dieser Punkt ließ aufhorchen: Gemeinsam mit Staufenberg und Lollar will sich Buseck bei der Bewirtschaftung der Kommunalwälder neu aufstellen und sich vorzeitig aus der Beförsterung durch den Landesbetrieb Hessen Forst lösen. "Wir müssen gucken, ob es so funktioniert, wie wir es uns vorstellen", sagte Bürgermeister Dirk Haas in der Videokonferenz.

Brief an Hessen Forst

In einem Schreiben an Hessen Forst in Kassel haben die Bürgermeister der drei Kommunen kürzlich beantragt, zum 31. Dezember aus der Kooperation mit Hessen Forst entlassen zu werden. Die Bürgermeister von Lollar und Staufenberg, Dr. Bernd Wieczorek und Peter Gefeller, bestätigten dies auf Anfrage. Die Antwort stehe noch aus. Grundlage der Zusammenarbeit mit dem Landesbetrieb sei ein Gesetz, nicht etwa ein geschlossener Vertrag. Eigentlich, so Wieczorek, betrage die Frist für den Ausstieg zwei Jahre, daher komme es nun auf die Zustimmung von Hessen Forst an.

Hintergrund der Initiative ist unter anderem eine Personalie: Bislang ist Förster Stefan Schreiber als Mitarbeiter von Hessen Forst für das Revier Alten-Buseck zuständig, das auch den Staufenberger Stadtwald umfasst. Da die Revierleitung Salzböden zurzeit vakant ist, betreut er auch den Lollarer Wald. Nun, heißt es aus den Rathäusern, habe er gekündigt. Die Frage sei, ob Hessen Forst überhaupt über genügend Personal verfüge, um die Stelle zeitnah wieder zu besetzen, äußerte sich Haas.

Der weitere Plan: Sollte Hessen Forst der vorzeitigen Beendigung der Zusammenarbeit zustimmen, könnten im nächsten Schritt Beschlussvorlagen zu einer Neustrukturierung der Beförsterung in die kommunalen Gremien eingebracht werden. Dann müsste eine geeignete Rechtsform für die interkommunale Zusammenarbeit geschaffen werden, etwa eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, sagte Haas. Schreiber hätte offenbar Interesse, in seinen aktuellen Revieren (laut Gefeller rund 2000 Hektar) unter anderen Bedingungen weiter tätig zu sein.

Denkbar ist laut Haas, dass Buseck zunächst den Förster anstellen und die beiden anderen Kommunen ihn mit finanzieren könnten. So würden der Gemeinde seiner Einschätzung nach Kosten von rund 95 000 Euro jährlich entstehen, zurzeit zahle man an Hessen Forst pro Jahr über 130 000 Euro. Auch könnten für ein interkommunales Modell womöglich Fördergelder genutzt werden. Gefeller schätzt, dass die Kommunen jährlich zusammen bis zu 70 000 Euro sparen könnten. Für Vertretungen stünde ihm zufolge in Staufenberg und Lollar je ein Waldwirtschaftsmeister zur Verfügung.

"Wir wollen mit Hessen Forst im Guten auseinandergehen, die Licher haben das auch hinbekommen", äußerte sich Haas. Von einer kommunalen Anstellung des bisherigen Försters versprechen sich die Bürgermeister, dass dann keine mehrjährige Einarbeitungsphase nötig wäre. Von den Freien Wählern kam in Buseck die Anregung, den Vorstoß nicht nur von der Personalie abhängig zu machen.

"Das ist noch lange nicht in trockenen Tüchern", sagte Gefeller. Nun heißt es erst einmal: Warten auf Antwort aus Kassel.

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