Pflanzenverkauf gehört an der IGS Busecker Tal zum Tag des offenen Schulgartens. ARCHIVFOTO: RÜG
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Pflanzenverkauf gehört an der IGS Busecker Tal zum Tag des offenen Schulgartens. ARCHIVFOTO: RÜG

Klassenzimmer im Grünen

  • vonSiglinde Wagner
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Buseck(siw). Ein Klassenzimmer im Grünen, aber auch ein Lernort für Mittelhessens Lehrer, das war einmal der Schulgarten an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Busecker Tal. So intensiv wie in der Anfangszeit ist die Betreuung heute aber nicht mehr möglich.

Mit der Anlage des Schulgartens wurde 1979/1980 begonnen. An der Entwicklung zu einem Naturlehrgebiet im Jahr 1984 waren die Gemeinde, der damalige Revierförster Paul Esch und das Amt für Landwirtschaft und Landentwicklung beteiligt. Die Projekte Amphibienteich, Vogelbeobachtungshütte und Ruderalflächen (Kulturbrachen für die Ansiedlung von Tieren und Pflanzen) wurden durch die Stiftung Hessischer Naturschutz unterstützt. Auch eine Streuobstwiese wurde angelegt, Tiere wurden gehalten.

Diese Projekte wären nicht ohne das Engagement von drei ehemaligen Lehrern möglich gewesen. Klaus Steup, Manfred Gaul und Rainer Röming (die beiden Letztgenannten sind bereits verstorben) haben sich mit viel Herzblut und zumeist in ihrer Freizeit dafür eingebracht.

Unterstützung erhielten sie durch einige Kollegen und den damaligen Schulleiter Gerhard Becker. Dies insbesondere Ende der 80er Jahre, als zur gewünschten Ausdehnung des Naturlehrgebietes ein Interessenkonflikt mit dem örtlichen Turnverein ausgetragen wurde. Der TV favorisierte auf dem Gelände die Erweiterung der Sportanlage und den Bau eines Vereinsheims und eines Tennisplatzes. In diese Zeit fiel auch der Plan, die Landkreis-Gärtnerei des "Zentrums für Arbeit und Umwelt Gießen" (ZAUG) mit dem Neubau eines großen Gewächshauses zu verlegen. Schulleiter Becker befürwortete eine Zusammenarbeit mit ZAUG, während die Gemeinde diesem Ansinnen ablehnend gegenüberstand. Letztlich erfolgte die Realisierung. Inzwischen hat die Lebenshilfe das Areal und die Gebäude erworben und jüngst eine Bauerhof-Kita angesiedelt. Das einst gegebene und später durch die Lebenshilfe in Frage gestellte Versprechen von ZAUG zum Erhalt des kleinen IGS-Gewächshauses wurde nach Intervention durch Bürgermeister Dirk Haas, Schulleiter Matthias Brodkorb und Klaus Steup durch einen Nutzungsvertrag des Landkreises "offiziell" gemacht.

Vielfältige Reaktionen

Über die Anfangszeit sagte Steup: "Wir schwammen damals auf der neuen Öko-Welle. Der sorglose Umgang mit der Umwelt und die Verschwendung wertvoller Ressourcen wich zunehmend kritischem Umdenken. Das wollten wir den Schülern vermitteln." Das Thema Energiesparen nahm Fahrt auf. Zu den Projekten Bauern- und Nutzgarten, Gewächshaus und Feuchtbiotop, Kräuterbeet und Kompostierung und dem Bau von Nisthilfen für Wildbienen kamen Solar- und Windenergie hinzu.

Dies alles zog weite Kreise: Die Projekte wurden in verschiedenen Medien vorgestellt. "Sogar in den ›Stern‹ haben wir es geschafft. Außerdem waren wir als Referenten von der Gräfin der Insel Mainau und zur Bundesgartenschau nach Berlin eingeladen", erzählt Steup. Intensiv war die Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum in Wetzlar. Im Hessischen Institut für Lehrerfortbildung waren Steup und Gaul als Kursleiter tätig. An vielen hessischen Schulen haben sie mit Lehrerteams die Schulgartenarbeit angeleiert.

Die IGS Busecker Tal erhielt für ihren ökologischen Schulgarten den Umweltschutzpreis 1986 des Landkreises Gießen, den Förderpreis "Praktisches Lernen in der Schule" der Robert-Bosch-Stiftung, den "Georg-Tappert-Preis" (GEW) und weitere Auszeichnungen.

"Was die Kollegen damals geleistet haben, ist heute nicht möglich", sagt Brodkorb. "Das kann man einfach nicht mehr erwarten." Der Weg wird deshalb in reduzierter Form weitergegangen.

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