Klärendes Gespräch nach Streit um Kandidatur

  • Jonas Wissner
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Buseck (jwr). Wer gehofft hatte, dass in der Busecker Gemeindevertretung nach der Kommunalwahl wieder mehr Ruhe und Sachlichkeit einkehrt, sah sich in der Parlamentssitzung Ende Mai eines Besseren belehrt. Dort hatte unter anderem die geplante Wahl zweier »Sachverständiger Bürger« für die Betriebskommission der Gemeindewerke für anhaltenden Streit gesorgt.

Doch am Freitagmorgen hat nun ein klärendes Gespräch dazu geführt, dass sich eine Lösung abzeichnet.

Hintergrund: Als die Wahl der »wirtschaftlich und technisch erfahrenen Personen« in der Sitzung anstand, hatte CDU-Fraktionschef Frank Müller überraschend neben dem von den FW nominierten Christoph Dormehl und dem SPD-Kandidaten Alexander Oest als dritten Kandidaten Adrian Döll vorgeschlagen. Damit wäre es - für Aufsichtsgremien wie die Betriebskommission eher unüblich - zu einer Kampfabstimmung gekommen. Das sorgte für Kritik der SPD, zumal Müller schließlich einräumte, dass eine E-Mail von ihm mit dem Personalvorschlag vor der Sitzung offenbar im Äther hängengeblieben war.

Am Samstag veröffentlichte Oest, der der Betriebskommission seit 2015 angehört und als Groß- und Konzernbetriebsprüfer des Gießener Finanzamts unbestritten über wirtschaftlichen Sachverstand verfügt, eine Ehrenerklärung und verzichtete auf seine Kandidatur. »Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, aber ich bin nicht bereit, als Plattform für parteipolitische Spielchen einer gewissen Person instrumentalisiert zu werden«, schrieb er darin. Dass damit Müller gemeint war, stand außer Frage.

Wechselseitige Vorwürfe

Für den Verzicht habe er aus verschiedenen Fraktionen Zuspruch bekommen, sagte Oest im Nachgang. Die CDU reagierte mit einer Pressemitteilung: Unter der Überschrift »Persönliche Befindlichkeiten dürfen das Ehrenamt nicht überlagern« rechtfertigte die Fraktion die Nominierung Dölls als »Praktiker«. Es sei keineswegs um »parteipolitische Ränkespiele« gegangen, dieser Vorwurf sei »wohl eher der Enttäuschung von Herrn Oest zuzuordnen, dass es im Falle der Wahl von Adrian Döll zu einem Generationenwechsel kommt«. Es folgten Vorwürfe an die Adresse der SPD und vor allem gegen deren Ex-Fraktionschef Willy Jost.

Am Freitagmorgen haben Müller und Oest telefoniert und nach übereinstimmenden Angaben in einem konstruktiven Gespräch den Streit beigelegt. Müller schlägt jetzt einen Kompromiss vor: Nach einem Gespräch mit den FW wolle man nun im Ältestenrat vorschlagen, künftig bis zu vier »Sachverständige Bürger« in die Kommission zu wählen, sodass auch die SPD und ihr Kandidat Oest zum Zug kämen. Oest schickt gar ein »großes Lob« an Müllers Adresse. Der wiederum sagt auf Anfrage: »Da bleibt nichts zurück, die Erregung hat sich gelegt.« Alle drei Kandidaten brächten »gute Eigenschaften« mit, und darum gehe es. Müller weiter: »Es ist besser, miteinander als übereinander zu reden.«

Es bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis in Buseck keine Eintagsfliege ist.

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