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Corona

Kitas vor besonderen Herausforderungen

  • vonLena Karber
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Obwohl die Kitas geschlossen haben, bemühen sich die Erzieher mit kreativen Aktionen, die Verbindung zu den Kindern zu halten. So auch in der Kita Georg Diehl in Großen-Buseck.

Während der Sandkasten trotz strahlendem Sonnenschein ungewöhnlich leer bleibt, wird drinnen weiterhin fleißig gebastelt: Die Erzieher und Erzieherinnen der Kita Georg Diehl sind trotz Coronavirus weiterhin im Einsatz, wenn auch im Schichtsystem und unter grundsätzlich veränderten Bedingungen. "Uns wurde die Arbeitsbasis genommen, denn die Kinder sind nicht da", fasst Sabine Schultheis, Leiterin der Großen-Busecker Kita, die Lage zusammen.

Zwar bietet die Einrichtung wie vorgeschrieben einen Notdienst für Kinder von Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen an, doch täglich sind trotzdem nur maximal sechs Kinder gleichzeitig zu betreuen. "Die Eltern nutzen unseren Notdienst verantwortungsvoll wenig", lobt Schultheis. "Die meisten greifen nur in der absolut notwendigen Zeit, zum Teil stundenweise, darauf zurück." Angesichts von 100 Kita-Kindern, von denen normalerweise die meisten das Ganztagesangebot nutzen, weil die Eltern berufstätig oder doppelt berufstätig sind, sei das etwas Besonderes. Die Familien müssten ihr Leben mit Homeoffice oder Kurzarbeit ja gerade selbst neu organisieren, meint Schultheis.

"Anfangs haben wir viel aufgeräumt und erledigt, was liegen geblieben ist", berichtet die Kita-Leiterin über den veränderten Arbeitsalltag der 16 Mitarbeiter. Das sei viel Schriftliches gewesen, etwa das Verfassen von Lerngeschichten oder das Überarbeiten von Konzepten. "Zudem haben wir uns überlegt, wie wir mit den Familien Kontakt aufnehmen und wie wir diesen am besten halten."

Per E-Mail berichte sie den Eltern über Neuigkeiten und sende Fotos aus der Einrichtung, doch darüber hinaus habe es schnell Ideen für Projekte und Aktionen gegeben, die sich direkt an die Kinder wenden. So habe man Briefe an die Mädchen und Jungen geschrieben und Malvorlagen sowie Bastelsets zusammengestellt. "Die Kinder dürfen sich bei uns auch Themen und Projekte wünschen", sagt Schultheis. "Zum Beispiel wollten ein paar von ihnen gerne mit uns Pizza essen gehen, also haben wir Rezepte rausgesucht." Zudem sei eine "Lieblingsspielzeug-Ausleihe" eingerichtet worden. "Wir bringen den Kindern dann die Dinge persönlich vorbei, die sie hier besonders gerne haben."

Gerade von "den Großen" sei dieses Angebot sehr gut angenommen worden, erzählt Lara Fehl, die gemeinsam mit zwei weiteren Erzieherinnen normalerweise eine Gruppe von acht U3-Kindern betreut und bei ihrer Arbeit nun vor ganz neuen Herausforderungen steht. "Wenn die Kleinen uns jetzt fünf, sechs oder sieben Wochen gar nicht sehen würden, hätten sie uns wohl vergessen", sagt sie. "Wenn wir wieder aufmachen, müssen wir bei einigen Kindern wahrscheinlich wieder neu anfangen mit der Eingewöhnung."

Um so gut es geht im Gedächtnis der Kleinen zu bleiben, haben die Erzieherinnen ihre Briefe mit Fotos von sich versehen und versuchen auch sonst, den Kontakt zu halten, indem sie Bastelsets und ähnliches persönlich vorbeibringen.

Passend zu Ostern bekommen die Kinder aller Gruppen von ihren "Bezugserziehern" kleine Geschenke und ein kleines Kressehaus-Bastelset vorbeigebracht - klingeln und Zaungespräche ausdrücklich erwünscht. "Wir hoffen, dass wir die Kinder antreffen und ein bisschen mit ihnen reden können. Auch, wenn näherer Kontakt nicht möglich ist, haben wir sie dann wenigstens mal gesehen und sie uns", sagt Fehl. Auch viele Mütter seien froh über den Besuch. "Sie freuen sich über das Angebot und sind sehr dankbar", erzählt sie. "Und so können sie auch endlich mal jemandem erzählen, wie anstrengend das gerade für sie ist mit einem kleinen Kind im Homeoffice. Denn wir können uns das vorstellen."

Durch die Aktionen und Besuche wolle man niemanden kontrollieren, betont Schultheis. Es gehe lediglich um den Austausch. "Wir haben den Eindruck, dass unsere Familien gut aufgestellt sind und die Zeit mit ihren Kindern gerade sehr genießen." Sorgen macht sie sich eher um die Zeit nach der Pandemie. "Wir sind der Meinung, dass die Zeit danach die schwierigere wird."

Interaktion vonseiten der Kinder ist bei den Aktionen explizit gewünscht. So dürften in den kommenden Tagen zahlreiche Fotos von kleinen Kressehäusern bei der Kita-Leitung eintrudeln. Selbst gemalte Bilder und Briefe, mit denen die Kinder ihre Freunde, ihre Gruppe oder ihre Erzieher grüßen, werden seit Mitte dieser Woche an den Zaun der Kita gehängt. "Ganz viele Kinder vermissen die Kita sehr und gehen hier vorbei, um sich die Bilder und Grüße ihrer Freunde anzuschauen", berichtet Schultheis. "Und wenn wir Kinder draußen vor dem Zaun sehen, gehen wir raus und kommen so auch mit ihnen in Kontakt."

Gleichzeitig soll auch älteren Menschen eine Freude bereitet werden. Normalerweise besucht ein Teil der Kinder im Rahmen eines Intergenerationenprojekts einmal pro Woche das Johanniter-Stift in Buseck, um gemeinsam mit den Senioren zu basteln und zu spielen. Da das aktuell nicht möglich ist, haben sie mithilfe ihrer Eltern nun Briefe an die Senioren geschrieben. Diese wurden von der Kita-Leitung gesammelt und verteilt - pünktlich zu Ostern.

Kita-Arbeit im Kreis Gießen

Selbstverständlich ist die Kita Georg Diehl in Buseck nicht die einzige Kita, die derzeit kreativ wird: So hängen etwa in der Kita Mäuseburg in Staufenberg ebenfalls laminierte Kunstwerke am Zaun und es werden Geburstagsgeschenke verteilt sowie Ideen zur Freizeitgestaltung oder Materialien wie Liedtexte aus dem Alltag der Kindertagesstätte bereitgestellt. Die Aktionen im Kreis sind vielfältig. Und zu Ostern dürften sich wohl viele Kinder über eine Überraschung vom Kita-Osterhasen freuen.

Selbstverständlich ist die Kita Georg Diehl in Buseck nicht die einzige Kita, die derzeit kreativ wird: So hängen etwa in der Kita Mäuseburg in Staufenberg ebenfalls laminierte Kunstwerke am Zaun und es werden Geburstagsgeschenke verteilt sowie Ideen zur Freizeitgestaltung oder Materialien wie Liedtexte aus dem Alltag der Kindertagesstätte bereitgestellt. Die Aktionen im Kreis sind vielfältig. Und zu Ostern dürften sich wohl viele Kinder über eine Überraschung vom Kita-Osterhasen freuen.

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