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Kindern eine Hoffnung geben

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Von: Norbert Schmidt

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Seit nahezu einem Jahrzehnt kennen die Menschen im Gießener Land die vom früheren Stadttheater-Konzertmeister und Geiger Georgi Kalaidjiev und dessen Frau Maria Hauschild ins Leben gerufene Initiative »Musik statt Straße« – als Ziel ihrer Spenden und/oder aufgrund bewegender Konzerte. Das Projekt widmet sich Kindern vom äußeren Rand der Gesellschaft in Kalaidjievs Heimatstadt Sliven/Bulgarien: Etwa 30 Kinder eines von Einheimischen sowie von Türken, Griechen und Roma bewohnten Ghettos bekommen durch das Projekt »Musik statt Straße« zweimal pro Woche Musikunterricht und nahrhaftes Essen. 2015 war der regional verankerte Fotograf Rolf K. Wegst aus Buseck in diesem Viertel, das den durchaus verhöhnenden Namen Nadeshda trägt. Das heißt übersetzt Hoffnung – aber die haben die wenigsten der etwa 20 000 Bewohner dieses hermetisch abgeriegelten, nur durch einen Tunnel betretbaren Viertels südlich des Hauptbahnhofs. Nachgerade nicht hinsichtlich einer menschenwürdigen Zukunft.

Seit nahezu einem Jahrzehnt kennen die Menschen im Gießener Land die vom früheren Stadttheater-Konzertmeister und Geiger Georgi Kalaidjiev und dessen Frau Maria Hauschild ins Leben gerufene Initiative »Musik statt Straße« – als Ziel ihrer Spenden und/oder aufgrund bewegender Konzerte. Das Projekt widmet sich Kindern vom äußeren Rand der Gesellschaft in Kalaidjievs Heimatstadt Sliven/Bulgarien: Etwa 30 Kinder eines von Einheimischen sowie von Türken, Griechen und Roma bewohnten Ghettos bekommen durch das Projekt »Musik statt Straße« zweimal pro Woche Musikunterricht und nahrhaftes Essen. 2015 war der regional verankerte Fotograf Rolf K. Wegst aus Buseck in diesem Viertel, das den durchaus verhöhnenden Namen Nadeshda trägt. Das heißt übersetzt Hoffnung – aber die haben die wenigsten der etwa 20 000 Bewohner dieses hermetisch abgeriegelten, nur durch einen Tunnel betretbaren Viertels südlich des Hauptbahnhofs. Nachgerade nicht hinsichtlich einer menschenwürdigen Zukunft.

Nie ohne Kamera hinaus in die Welt Das Ergebnis dieser Reise: Eine Fotoreportage mit großartigen Bildern, die ganz bewusst nicht farbig sind – und die Ende 2016 Eingang fanden in einen Bildband. Dessen Präsentation am übernächsten Sonntag im Licher Kino Traumstern ist verbunden mit einer Ausstellung (siehe Extra-Kasten). Dass die Spendengelder »ankommen«, dass sie erfolgreich eingesetzt werden, hatte man hierzulande schon mehrfach sehen und hören können – nämlich beim Besuch von »Kalaidjievs Kindern« aus Bulgarien, die dann hier auch musizierten. Wegst gebundene Fotoreportage ist einerseits dazu eine hochwertige Ergänzung, andererseits aber auch ein eigenständiges Buch für die Freunde hochwertiger und stilsicherer Fotografie. Keine Aufnahme zu viel, keine zu wenig, und jede unbedingt ausdrucksstark. Einzig ein wenig mehr Text wünschte man sich; zum leichteren Verständnis der 80 Motive und zum Einschätzen der Gesamtsituation in Sliven. Wegst und Kalaidjiev kennen einander seit Jahren, und ebenso lang hatte der Musiker zum Fotografen gesagt, er möge doch einmal mitkommen. Nur mal so. »Aber ich tu mich schwer, ohne fotografische Aufgabe das Weite zu suchen«, sagte der 56-jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor fast zwei Jahren habe es dann geklappt; hinsichtlich des Wegst’schen Tuns nur mit der Absicht, daraus eine Ausstellung zu machen. Die habe es dann zügig gegeben; bereits 2015 in der Marburger Volkshochschule, an der Wegst seit 25 Jahren in Fotografie unterrichtet. Der Katalog zu dieser Schau war dann die Basis für ein Buch: So ein Hardcover sei allein von der Haptik her eine andere Sache. Immerhin habe er gesehen, so schreibt der Autor, dass die musizierenden Kinder für sich neue Hoffnung schöpfen können. Selbst wenn es nicht jedem gelänge, den langen Weg zu einem Leben auf eigenen Beinen durchzuhalten. »Dann stimmt das mit Nadeshda.« So wie bei der bald 15-jährigen Zvetelina. Sie sei das erste Mädchen aus dem Slum, das an einem Musikkonservatorium studieren könne. Einige Jahre hatte sie in Kalaidjievs Projekt Geigenunterricht erhalten und im Sommer 2016 die Aufnahmeprüfung fürs Konservatorium in Burgas geschafft.

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