Das Gemälde mit "Maja", signiert von Heinrich Will, zog im Jahr 2003 als Dauerleihgabe in das Busecker Schloss ein. Das andere Bild zeigt ihren Großvater Ferdinand Karl Josef Leopold von Nordeck zur Rabenau. FOTO: SIW
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Das Gemälde mit "Maja", signiert von Heinrich Will, zog im Jahr 2003 als Dauerleihgabe in das Busecker Schloss ein. Das andere Bild zeigt ihren Großvater Ferdinand Karl Josef Leopold von Nordeck zur Rabenau. FOTO: SIW

Wer kennt noch Maja?

  • vonSiglinde Wagner
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Buseck(siw). Malereien, Zeichnungen, Fotografien oder auch Skulpturen, das alles gab es im Treppenhaus des Busecker Schlosses schon zu sehen. Seit nahezu 20 Jahren finden dort regelmäßig Ausstellungen statt. Über 50 dürften es inzwischen gewesen sein. "Die Anregung kam damals von Eva-Marie Grenzebach aus Alten-Buseck, und ich habe sie sehr gerne umgesetzt", erzählt Ehrenbürgermeister Erhard Reinl.

Die Vernissagen gehören zu den angenehmsten Aufgaben eines Rathauschefs, hat Reinl einmal gesagt. Dieser Aussage schließt sich sein Nachfolger gerne an. Bürgermeister Dirk Haas hat die Tradition nicht nur fortgesetzt, sondern mit Fotos selbst schon Ausstellungen bestückt. Ab Mitte Februar bis zur pandemiebedingten Schließung am 16. März waren beachtenswerte Aufnahmen der Eheleute Dirk und Heike Haas von ihren Reisen nach Island und Borneo zu sehen.

Nordeck - Buseck - Berlin

Zwischen den wechselnden Exponaten, die jeweils für drei bis vier Monate präsentiert werden, hängen dauerhaft zwei Gemälde. Eines davon zeigt die letzte adlige Besitzerin des Schlosses: Evamaria Augusta Charlotta Anita von Nordeck zur Rabenau, kurz Maja genannt. Gleich daneben befindet sich ein Bild ihres Großvaters, Ferdinand Karl Josef Leopold von Nordeck zur Rabenau (1837-1876), der um 1860 das Schloss im neugotischen Stil renovieren ließ. Die Darstellung von Maja im Spanierinnen-Kostüm entspricht ihrem Beruf: Sie war Balletttänzerin. Maja, geboren 1913 in Sagan, arbeitete und lebte in Berlin, wo sie 1985 starb. Sie unterhielt nur wenige Kontakte nach Buseck. Nachdem ihr Bruder 1944 in Frankreich gefallen war, fiel ihr das Schloss zu. 1971 verkaufte Evamaria, verheiratete Müller-Molner, das ziemlich heruntergekommene Schloss an die Hessische Landgesellschaft. Da der vorgesehene Abbruch nicht genehmigt wurde, erwarb die Gemeinde 1976 das historische Gebäude. Nach einer umfangreichen Sanierung ist es seit 1981 Sitz der Gemeindeverwaltung, die zuvor im Thal’schen Rathaus beheimatet war. Dort reichten die räumlichen Kapazitäten nach Gründung der Großgemeinde bei weitem nicht mehr aus.

Das Bild von Maja entstand 1935 und ist seit 2003 als Dauerleihgabe im Schloss. Geschaffen wurde es vom bekannten Maler Heinrich Will (1895-1943) aus Staufenberg. Über Jahrzehnte befand es sich im Besitz einer Alten-Busecker Familie, die mit dem Künstler verwandt war. Ilse Reinholz-Hein, die ehemalige Archivarin der Gemeinde, vermutet, dass die Auftragsarbeit nach dem Tod von Majas Vater, Ludwig von Nordeck zu Rabenau, nicht mehr abgenommen wurde. Der einstige Landrat im Kreis Sagan in Schlesien wurde der "rote Baron" genannt. Kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hat man ihn seines Amtes enthoben und auf einen unbedeutenden Posten nach Kassel versetzt. Er starb 1935. Alles deutet darauf hin, dass er kein Befürworter der nationalsozialistischen Regierung war und möglicherweise den Auftrag an Will zu einem Zeitpunkt erteilte, als dieser noch nicht aus der Reichskammer der "Bildenden Künste" ausgeschlossen war. Heinrich Will gehörte dem Widerstand an und wurde im Februar 1943 im Gestapo-Gefängnis Frankfurt-Preungesheim durch den Volksgerichtshof wegen "Vorbereitung zum Landesverrat" und Abhörens von "Feindsendern" zum Tode verurteilt. Er wurde hingerichtet. Seine jüdische Gemahlin kam in Auschwitz ums Leben.

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