Dicht an dicht gedrängt geht das Publikum fröhlich mit. So wie bei dieser Prunksitzung des Karnevalvereines Großen-Buseck im März 2019 darf vorerst nicht gefeiert werden. ARCHIVFOTO: SIW
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Dicht an dicht gedrängt geht das Publikum fröhlich mit. So wie bei dieser Prunksitzung des Karnevalvereines Großen-Buseck im März 2019 darf vorerst nicht gefeiert werden. ARCHIVFOTO: SIW

Karnevalisten fürchten um kommende Kampagne

  • vonSiglinde Wagner
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Karnevalvereine sehen für die kommende Kampagne "schwarz". Auch in Buseck wissen die Aktiven nicht, was - "dank" Corona - an Aktivitäten überhaupt realisiert werden kann.

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei" heißt es in einem beliebten Faschingsschlager. Im Jahr 2021 ist der Aschermittwoch am 17. Februar. Die bevorstehende Karnevalskampagne, die am 11. November offiziell beginnt, wird also sehr kurz sein. Das ist aber auch das Einzige, was derzeit feststeht. Ansonsten wissen die Karnevalisten landauf, landab noch nicht, was in den nächsten Monaten an Veranstaltungen und sonstigen Aktivitäten (Umzüge) tatsächlich realisiert werden kann.

Große Prunksetzung kaum möglich

Klar dürfte sein, eng an eng sitzen, schunkeln, singen, mal hier eine Umarmung und dort ein Küsschen - das alles darf es vorerst nicht geben. Wer dennoch voller Optimismus Musikgruppen und Büttenredner verpflichten möchte, sollte vorsorglich über die Konsequenzen bei Absagen (also Ausfallhonorare) reden. Die Gießener Allgemeine Zeitung hat sich bei den Busecker Vereinen umgehört, wie dort der Stand der Dinge ist.

"Eine Prunksitzung mit nur 200 Besuchern, das ist nicht unsere Sitzung, wie wir sie kennen und lieben", sagt Sarah Lemmer. Ebenso wie ihre Vorstandskollegen vom Carnevalverein Alten-Buseck (CVA) geht sie nicht davon aus, dass eine große Prunksitzung stattfinden kann. Und eine kleine Sitzung rechnet sich nicht.

Tanzgruppen in Wartestellung

Trotz dieser Enttäuschung schaut der Vorstand freudig in die Zukunft und hofft, im Jahr 2022 das 44-jährige Vereinsjubiläum gebührend feiern zu können. Die Beiträge für die Mitglieder bis 16 Jahren wurden für dieses Jahr ausgesetzt, um die Familien ein wenig zu unterstützen, die in Sachen Kinderbetreuung und auch finanziell vor großen Herausforderungen gestellt sind.

Eigentlich würden sich zu dieser Jahreszeit beim CVA schon einige Tanzgruppen mitten im Training befinden und die restlichen Formationen spätestens nach den Sommerferien damit starten. "Aktuell müssen hier jedoch massive Hygienemaßnahmen eingehalten werden, die für uns - allein schon aufgrund der Gruppengrößen - nicht umsetzbar sind", berichtet Lemmer.

"Tanzen ist ein Kontaktsport, wie sollte das funktionieren?", gibt Heiko Hintze zu bedenken. Der Vorsitzende vom Karnevalverein Großen-Buseck (KV) geht nicht vom baldigen Einstudieren neuer Tänze aus. "Wer will im Falle eines Falles noch ein Jahr länger an den gleichen Choreografien arbeiten? Das wird doch langweilig."

Schlosssturm ist bereits abgesagt

In der jüngsten Vorstandssitzung hat der KV die Entscheidung über das weitere Vorgehen auf Ende September vertagt. Das Kulturzentrum bleibt für den Fastnachtsamstag (13. Februar 2021) gebucht. "Vielleicht ist eine Sitzung in stark abgespeckter Form oder eine interne Feier nur für Mitglieder möglich. Wir müssen abwarten", so Hintze.

Abgesagt wurde bereits der für Anfang Januar geplante gemeinsame Schlosssturm der drei Vereine. Sabrina Trommer, Vorsitzende vom Katholischen Fastnachtsclub (KFC) sagt: "Bei uns liegt alles auf Eis, zumal auch der Pfarrsaal vom Bistum Mainz für Treffen jeglicher Art derzeit gesperrt und außerdem die unmittelbare Nähe zur Kita "St. Elisabeth" zu berücksichtigen ist."

Drei Sitzungen wie sonst mit großem Programm wird es keinesfalls geben. Mit kurzer Vorlaufzeit für Planungen hält Trommer lediglich einen Partyabend mit Fastnachtsmusik für machbar.

Schwierige Planung

Markus Braun, der Bezirksvorsitzende der Interessengemeinschaft (IG) Mittelrheinischer Karneval, bringt das Dilemma in einem Anschreiben an die Mitgliedsvereine auf den Punkt: "Man kann im Moment überhaupt nicht abschätzen, wie die kommende Session verlaufen wird. Doch muss uns klar sein: Alles, was vielleicht im Spätherbst aktuell ist, kann einen Monat später durch eine zweite Corona-Welle schon wieder Makulatur sein. Hier ist sicherlich Kreativität vonseiten der Karnevalsvereine und aller Karnevalisten gefragt, um alternative Formate zu entwickeln."

Braun weiter: "Wir brauchen in Krisenzeiten den Karneval, um daraus Kraft und Mut zu ziehen (…) und für einen Augenblick die Sorgen zu vergessen."

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