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Kabarretist Gärtner plaudert über Kirche, Gott und die Welt

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Martin Gärtner persiflierte in Buseck Kirche, Gott und die Welt. Meisterhaft.
Martin Gärtner persiflierte in Buseck Kirche, Gott und die Welt. Meisterhaft. © Gerhard Gerbig

Buseck (gge). »Kirche, Gott und die Welt« – unter diesem Dach der Allgegenwärtigkeit versammelte der Kabarettist Martin Gärtner Figuren und Befindlichkeiten seiner satirischen Weltanschauung. Er plauderte und musizierte im Rahmen der ökumenischen Woche auf der Bühne des Busecker Kulturzentrums.

Beim Sezieren der Ökumene agierte er zunächst noch zurückhaltend, sondierte die Lage und mochte nur ein bisschen draufhauen. Da kam ihm die Prunksucht eines Bischofs gerade recht. Diese habe bei den Protestanten zu mehr Kirchenaustritten geführt als bei den Katholiken. Wenn das keine gelebte Ökumene ist.

Bei der Erörterung über das Merkmal eines guten Christen räumte er den Katholiken einen gewissen Vorsprung ein. Sie hätten die Beichte und damit täglich die Möglichkeit zur Seelenreinigung. Die Protestanten hingegen müssten damit bis zum jüngsten Tag warten.

Und es wurde immer besser. Gärtner setzte zum Parforceritt durch die abgewetzte Spießerwelt an, persiflierte die Riten des kleinstädtischen Bürgertums, besang mit dem »Tag des Herrn« die familiären Abläufe am Sonntag, geißelte die eingefahrenen Hierarchien mit Pascha Papa an der Spitze und brach so ganz nebenbei eine Lanze für die Hausfrau. »Der Sonntag ist die Zeit, da frier’ ich vor Gemütlichkeit.« Gerade auf diesem Sektor ließ Gärtner beinahe nichts aus und kannte auch vor der geheuchelten Pseudofassade des Weihnachtsfestes keinen Respekt. Friede auf Erden und den Menschen ein Unbehagen, so seine tiefsinnige Zustandsbeschreibung des Festes.

Gärtner, neben Beruf und Berufung auch Kapellmeister, Organist und Chorleiter, kennt sich bestens aus im Gestrüpp des Alltäglichen, stößt scheinbar ohne Kompass auf die Unebenheiten der Gesellschaft, würzt sie ganz nach Belieben mit kleinen Bosheiten und erhellenden Weisheiten, reibt sich an Geschlechtern und bürstet den Zeitgeist gegen den Strich. Dabei bedient er sich musikalisch etwa mit Anleihen bei Georg Kreisler, dem österreichischen Grandseigneur des schwarzen Humors.

»Nach der Pause«, so versprach er, »geht es unchristlich weiter, weil es um die Liebe geht.« Wumm! Dieser gestochene Haken traf buchstäblich ins Schwarze, wobei man den damit ausgelösten Lacherfolg als befreiend deuten darf. Es ging dann tatsächlich mit der Liebe weiter, mit Treue und Untreue, und die gut 300 Besucher durften näheres über die Geburtsstunde des »Filet Stroganoff« erfahren.

Auch dem Weib ging es an die Patina. Herrliches Weib, prächtiges Weib, gleichsam Inspiration wie Revolution für den hingerissenen Anbeter. Dann die Bauchlandung: Dieses göttliche Wesen kann nicht kochen, nicht lesen, nicht schreiben. Was wiederum die drei guten Eigenschaften der Frau kaschierte: 90 – 60 – 90! Über das Loblied fürs Mütterlein und die Tochter des Schönheitschirurgen kam er mit seinem mehrsprachigen Liebesliedchen zum Finale. Das war ein sprachlich-ethnischer Meltingpot von »I love you« über »Je t’aime«, »te quiero« bis hin zum badischen »I mog di«.

Das Publikum jauchzte und quittierte den ebenso geistvollen wie unterhaltsamen Abend mit lang anhaltendem Beifall.

Gerhard Gerbig

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