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Diese Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 2000 und zeigt (v. l.) Rainer Trus, Reinhard Gareis, Werner Glässl, Erich Hof, Jürgen Burk (hintere Reihe), Dieter Hahn, Manfred Wagner (Mitte), Ernst-Wilhelm Schmidt und Walter Höres (vorne). FOTO: PM

Im Jubiläumsjahr zur Sail 2020

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Echtes Strandgut, das durch Meeresströmungen an Küsten gespült wird, gibt es in Hessen nicht. Hier tritt die maritime Szene höchstens als blau-weißer Modetrend in Erscheinung. Wie kommt es also, dass sich eine hiesige Sängergruppe "Busecker Strandgut" nennt? Das 25-jährige Jubiläum des Shantychors hat diese Zeitung zum Anlass genommen, den Frontmann der Gruppe zu befragen.

Buseck(siw). Reinhard Gareis erzählt von einem Grillfest am 10. Juni 1995. Es war ein Klassentreffen. Wie so oft bei solchen Gelegenheiten schmetterte man Lieder aus voller Kehle. "Jeder sang, so schlecht oder gut er konnte. Doch spätestens bei der zweiten Strophe haperte es bei den Texten. Und die Melodien, naja", meint Gareis und zieht vielsagend die Schultern nach oben. Aber das Wichtigste war offensichtlich vorhanden: Die helle Freude am Gesang.

Man beschloss, sich fortan zu mehr oder weniger regelmäßigen "Singstunden" zu treffen - rückblickend war dies die Geburtsstunde der Sängergruppe "Busecker Strandgut", die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert.

Bei den Singstunden wurde die Latte anfangs nicht gar so hoch gehängt, denn es ging den Sängern nicht darum, ein Profi-Chor zu werden. Trotzdem erarbeiteten sie sich mit Disziplin schon bald ein umfangreiches und auftrittsfähiges Repertoire und wurden so zu gern gesehenen Gästen bei den verschiedensten Veranstaltungen. Anfangs waren es vor allem Ständchen zu Geburtstagen, was den Männern den Namen "Schwiegermutter-Sänger" einbrachte.

Es dauerte nicht lange, bis die ohnehin vorhandene Liebe zu Shantys, also Arbeitsliedern der Matrosen, sowie Texten über den Wind und die Meere weiter ausgebaut wurde. Für eine Sängergruppe, die in Hessen lebt, mag dies zunächst ungewöhnlich klingen, doch die Affinität zu maritimen Texten kam nicht von ungefähr: Reinhard Gareis, Manfred Wagner und Jürgen Burk fuhren einst selbst zur See. Außerdem gab es ja in der Großgemeinde Buseck schon einige andere Formationen, die sich Stimmungs- und Volksliedern widmeten.

Bald schlug der Bekanntheitsgrad des Shantychors Wellen über das Busecker Tal hinaus und die Anzahl der Auftritte stieg von Jahr zu Jahr. Ein aussagekräftiger Name musste her. Der früh verstorbene Dieter Hahn schlug "Busecker Strandgut" vor.

Allein in den letzten drei Jahren wurde der Chor 60-mal gebucht. Gage? Gareis lacht: "Na ja, eher Aufwandsentschädigung."

Zur Gründung 1995 waren sechs Schulkameraden aktiv, aktuell sind es 16 Sänger im Alter von 50 bis 89 Jahren. Instrumental begleitet werden die Sänger von Manfred Wagner, Rainer Trus und Rudi Raab (alle Gitarre), Jürgen Burk (Mundharmonika) und Thorsten Will (Akkordeon). "Wie in jedem anderen Chor auch, gab es im Laufe der Jahre ein Kommen und Gehen. Wer Lust hat, bei uns mitzusingen, ist herzlich willkommen", sagt Gareis.

Kein Ende in Sicht

In Hessen gibt es etwa zwei Dutzend Shantychöre. Tendenziell werden es immer weniger. Der Ende 2019 aufgelöste Shantychor der "Harmonie" in Linden war ebenfalls 1995 gegründet worden. Wie lange wird "Busecker Strandgut" noch auf den Bühnen zwischen Laubach und Wetzlar von Matrosen und Meeren singen? "Kein Aufhören in Sicht. Solange man uns hören will und es uns Spaß macht, machen wir weiter", sagt Gareis.

Zum Jubiläum begibt sich der Shantychor vom 18. bis zum 23. August auf große Fahrt. Im Mittelpunkt der Reise wird das internationale Festival der Windjammer, die Sail 2020, in Bremerhaven stehen. Schiffe gucken, an Bord gehen, Plankengespräche führen und natürlich singen, darauf freuen sich die Sänger und ihre Freunde schon jetzt. Bremen, das "Alte Land" und Cuxhaven stehen ebenfalls auf dem Reiseplan. Im Bus sind noch wenige Plätze frei. Infos gibt es unter Tel. 0 64 08/44 51 bei Reinhard Gareis.

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