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Jonas Adam Pfarrer

Im Herzen Seelsorger

  • VonSiglinde Wagner
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Buseck (siw). Fliegender Wechsel zum 1. Oktober: Pfarrer Jonas Adam geht nach Lauterbach und Schlitz, Lukasz Szafera, derzeit noch Pfarrer der katholischen Pfarrgruppe Steinheim/Klein-Auheim in Hanau, kommt nach Buseck. Dass keine monatelange »Pendelei« entsteht, so wie es vor neun Jahren bei seiner Versetzung von Grünberg nach Buseck der Fall war, erleichtert Adam den Abschied.

Der Pastorale Weg, den das Bistum Mainz 2019 zur Verschlankung der kirchlichen Strukturen beschlossen hat, wird im Laufe der nächsten Jahre mit zahlreichen personellen Veränderungen einhergehen. Von beinahe 200 Priestern im aktiven Dienst wird es 2030 nur noch rund 35 Pfarrer geben, dafür aber eine größere Anzahl an Pfarrvikaren. Das Dekanat Gießen wird sich in Zukunft aller Voraussicht nach in drei pastorale Räume aufteilen, gruppiert um Gießen, Lich und Buseck. Der Pfarrer von »Sankt Marien« soll dann künftig der leitende Pfarrer eines dieser drei neuen Gebilde sein und damit der Chef und Manager von rund zehn Tausend Katholiken auf einem Gebiet, das sich von Lollar bis Laubach erstreckt. »Die Karten werden neu ausgegeben. Man muss sich dann überlegen, ob einem die Karte, die man auf die Hand bekommt, behagt,« sagte Pfarrer Adam im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Feld, was es zukünftig verwaltungstechnisch zu bestellen gilt, wäre Pfarrer Adam schlichtweg zu groß. »Dieses Tätigkeitsprofil passt nicht zu mir«, sagt der 47-Jährige gebürtiger Mainzer. Seine Priorität liegt auf der Seelsorge, den Gottesdiensten, Taufen, Trauerfeiern und dem Religionsunterricht und nicht auf der Administration.

Deshalb hat er bereits Ende letzten Jahres gegenüber dem Bischöflichen Ordinariat in Mainz signalisiert, dass er einen Stellenwechsel wünscht. Im April starb dann Lauterbachs Pfarrer Heinrich Schäfer. Infolge dessen wurde Adam eine Stelle in der Pfarrgemeinde »Sankt Peter und Paul« in Lauterbach-Schlitz angeboten.

Gerade weil diese Stelle zu einer Pfarrvikarsstelle umgewandelt beziehungsweise herabgestuft worden ist, sagte Adam zu.

Während Adams Zeit in Buseck wurde das Pfarrsaal- Gebäude umfassend renoviert, das Franziskus-Haus bekam einen neuen Dachstuhl aufgesetzt.

In der Kirche war die größte und vor allem hörbare Veränderung sicherlich der Austausch der alten Pfeifenorgel durch ein digitales Instrument mit einem ungeahnten Spektrum an Tönen und Klängen. »Die Kirche besteht nicht nur aus den ›lebendigen Steinen‹, sie braucht auch steinerne Gebäude, in denen sie betend, gesellig oder sich bildend zusammenkommt«, sagte der Pfarrer. Ob Pfarrsaalrenovierung oder Orgelanschaffung: All das wäre nicht möglich gewesen ohne das Mittun der Gemeindemitglieder, sei es mit tatkräftiger Hilfe oder durch Spenden. »Beidem ist gemeinsam, dass es in seinem Umfang nicht nur großherzig und beeindruckend war, sondern vor allem die Stetigkeit und die Treue stechen ins Auge. Darin spiegelt sich die Haltung des Evangeliums wider, dass man um sein Almosen kein großes Aufheben machen soll. Die Stillen im Lande sind oft zugleich die Spendablen«, so der scheidende Pfarrer.

Die Riege der Sankt-Marien-Messdiener, eine gute halbe Hundertschaft bei seinem Kommen im Jahre 2012, ist schon vor der Corona-Pandemie zu einem schmalen Häuflein zusammengeschmolzen. Standen vor neun Jahren Sonntag für Sonntag noch zwölf Ministranten um den Altar, so waren es zuletzt eher vier bis sechs - und dann brach Corona herein und halbierte diese Zahl noch einmal. Allgemein werde es immer schwieriger, Kinder und Jugendliche für die kirchliche Gemeindearbeit zu gewinnen, so die Einschätzung des Geistlichen.

Im Rückblick hob Adam die gut funktionierende ökumenische Arbeit hervor mit der »Woche der Ökumene«, gemeinsamen Veranstaltungen anlässlich von Einschulung und Christi Himmelfahrt sowie dem bis vor wenigen Jahren durchgeführten ökumenischem Adventskonzert. »Doch was mich gewiss am nachhaltigsten prägen wird, ist das Geschenk, beinahe jeden Sonnabend in einer der vielen alten und wunderschönen evangelischen Dorfkirchen der Ortsteile von Reiskirchen, Buseck und in Gießen-Rödgen die Vorabendmesse gefeiert zu haben. Hier atmen die Steine die christlichen Gebete und Gesänge, die unsere Vorfahren seit Jahrhunderten vor Gott getragen haben, oftmals schon vor der Reformation«, erklärt Adam.

Die Verabschiedung von Pfarrer Jonas Adam ist für Sonntag, 12. September, als Gottesdienst im Schlosspark (bei schönem Wetter) mit einem anschließenden Empfang im Kulturzentrum Großen-Buseck geplant. FOTO: SIW

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