Eckhard Neumann
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Eckhard Neumann

"Ich vermisse die Arbeit, ich bin so erzogen"

  • vonLena Karber
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Buseck(lkl). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle werden in den kommenden Tagen Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag gewähren. Heute: Eckhard Neumann, Fahrlehrer und CDU-Gemeindevertreter in Buseck.

Herr Neumann, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Ich bin selbstständig und habe eine Fahrschule mit drei Angestellten. Mein Tag beginnt in der Regel morgens um acht mit der ersten Fahrstunde und dann bin ich eigentlich den ganzen Tag im Fahrschulauto unterwegs. Wenn ich Lücken zwischendrin habe, bin ich als Selbstständiger ja auch noch meine eigene Bürofrau. Das heißt: Ich fahre montags bis samstags und sonntags werden morgens Bürosachen gemacht. Wenn etwas anfällt, sitze ich abends zwischen acht und zehn auch noch im Büro. Als Selbstständiger umfasst mein Berufsleben 24 Stunden am Tag. Da ich verheiratet bin und ein eigenes Haus habe, fallen zu Hause auch oft Dinge an, die repariert und geregelt werden müssen. Sonst habe ich nur noch ein einziges Hobby: Ich betreibe Modellbau. Wenn die Nerven angespannt sind, gehe ich in meinen Hobbykeller und baue an meinem Modellboot.

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Das Sozialministerium hat ein Arbeitsverbot bis zum 19. April verfügt. Das heißt, ich darf gar nichts mehr machen. Ich werde im August 60 Jahre alt, aber so etwas ist mir noch nie passiert: Ich bin jetzt schon gut 14 Tage zu Hause. Es ist total ungewohnt. Alle Tätigkeiten sind gemacht und jetzt baue ich an meinem Modellboot rum und telefoniere sehr viel mit dem Hessischen Fahrlehrerverband, damit ich auf dem Laufenden bin. Zudem habe ich an das Regierungspräsidium Kassel geschrieben, um Soforthilfe zu bekommen. Denn ich habe ja jetzt nicht weniger Einnahmen - ich habe zur Zeit gar keine. Und in der Politik läuft alles auf Sparflamme. Wir stehen in Kontakt über E-Mail und die Fraktionsvorsitzenden und der Ältestenrat führen die Geschäfte.

Was vermissen Sie am meisten?

Arbeit. Ich bin so erzogen, ich habe das so gelernt und so ist mein Leben. Fahrlehrer sein ist für mich nicht nur Beruf, sondern auch Berufung. Es macht mir Spaß und ich werde nicht alt, weil ich nur mit jungen Leuten unterwegs bin. Ich kriege meine Zeit zwar auch jetzt rum und bekomme auch keinen Lagerkoller - denn ich war zwölf Jahre beim Militär und kenne solche Situationen - aber ich vermisse die Arbeit.

Was ist positiv?

Es kann einen positiven Effekt geben, wenn aus dieser Situation die richtigen Schlüsse gezogen werden. Es kann nicht sein, dass unsere Atemschutzmasken in China hergestellt und mit dem Schiff hierher geschafft werden. Gewisse Dinge sind systemrelevant und müssen wieder in Europa oder in Deutschland produziert werden, auch wenn das drei Cent teurer ist. Und wieso müssen Krankenhäuser privatisiert werden? Ein Privatier versucht den größtmöglichen Gewinn daraus zu ziehen und wohin das führt, sehen wir jetzt. Was mich auf jeden Fall freut, ist, dass die Volksparteien wieder im Aufwind sind, egal, ob das jetzt die SPD ist oder die CDU. Das Ziel muss sein, dass die Rechtsextremen aus den Parlamenten rauskommen. Denn was eine - verzeihen Sie mir den vulgären Ausdruck - Scheißarbeit ist, das sehen wir jetzt in den USA. Die Große Koalition hingegen macht eine hervorragende Arbeit und unsere Demokratie funktioniert. Es soll ja vielleicht auch eine Grundgesetzänderung geben, nach der im Pandemiefall auch ohne die Bundesländer Entscheidungen getroffen werden können. So könnte man Zeit sparen. Aber es funktioniert auch so und wenn man will, kann man auch schnell handeln. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Früher hat man gesagt: Arschbacken zusammenpetzen und durch. Je schneller es jeder versteht, umso schneller ist es vorbei und dann werden wir auch alle wieder positiv in die Zukunft gucken. FOTO: ARCHIV

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