Bürgermeister Dirk Haas wirbt für einen Bahnhaltepunkt am Übergang im Großen-Busecker Gewerbegebiet Ost. Foto: jwr
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Bürgermeister Dirk Haas wirbt für einen Bahnhaltepunkt am Übergang im Großen-Busecker Gewerbegebiet Ost. Foto: jwr

Hoffnung auf neue Haltestelle

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Buseck(jwr). Der schwere Unfall sorgte weit über die Landkreisgrenze hinaus für Aufsehen: Am 22. Mai 2018 prallte eine Regionalbahn im Großen-Busecker Gewerbegebiet Ost auf einen Lastwagen, der auf dem Bahnübergang stand. Der Lkw-Fahrer konnte sich noch in Sicherheit bringen, doch insgesamt 17 Menschen wurden verletzt.

Nun hat die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung ihren Untersuchungsbericht veröffentlicht. Darin wird bestätigt, dass der Lkw-Fahrer die Schuld an dem Unfall trägt, er sei trotz eines Staus auf die Gleise gefahren. Die Kreuzung zwischen Edekastraße und der Bahnstrecke wird als kritisch erachtet.

Auch im Busecker Schloss schaut man sich den Bericht nun genau an. Bürgermeister Dirk Haas zeigt sich jedoch überrascht, dass er nicht von der Bundesstelle, sondern aus den Medien vom Ergebnis erfahren hat. Wie beurteilt er die Situation an dem Bahnübergang?

Mehr Verkehrskontrollen

"Momentan gibt es dort überhaupt kein Problem", sagt Haas. Die Situation an diesem Punkt habe sich aus mehreren Gründen entspannt. Der vielleicht wichtigste: Der Lkw-Verkehr im Gewerbegebiet habe inzwischen abgenommen. Das Edeka-Lager sei mittlerweile über eine andere Zufahrt erreichbar, außerdem würden dort nun größere Ladungen von weniger Fahrzeugen angeliefert als noch im Vorjahr. "Nach dem Unfall haben wir auch die Verkehrskontrollen dort deutlich erhöht" - mit dem Effekt, dass parkende Fahrzeuge kein großes Problem mehr seien.

Außerdem habe die Gemeinde im Zuge der grundhaften Sanierung der Edekastraße die Fahrbahn verbreitert. Die Prüfstelle hat die unklare Situation für Linksabbieger am Bahnübergang als ein Problem ausgemacht. Laut Haas soll eine Abbiegespur nach links eingerichtet werden, voraussichtlich im Frühjahr.

Schwer umzusetzen sei dagegen die Idee, eine zweite Zufahrt in das Gewerbegebiet zu schaffen. "Das Thema haben wir nicht weggeschoben, es könnte eine sinnvolle Lösung sein", sagt Haas. Doch es mangele der Gemeinde an eigenen Grundstücken, über die eine solche Route führen könnte. Auch die Deutsche Bahn, verantwortlich für das Schienennetz, hat Konsequenzen aus dem schweren Unfall vor anderthalb Jahren gezogen. Hecken, die die Sicht im Kreuzungsbereich verdeckten, sind inzwischen zurückgeschnitten. Auch passieren Züge den Übergang inzwischen mit geringem Tempo.

Haas sagt, er habe bei der Bahn wegen einer technischen Lösung angefragt. Denkbar wäre ein Sensor, der registriert, wenn ein Fahrzeug auf dem Bahnübergang steht und dann ein Signal an den Lokführer übermittelt. Dann, so Haas, hätte dieser noch die Möglichkeit, früh genug zu bremsen. Für Züge wird der Übergang nämlich freigegeben, wenn die Ampel auf der Straße auf Rot springt - und nicht mit dem Schließen der Schranke. Vor einigen Monaten habe es einen Termin mit Vertretern der Bahn und der Telekom gegeben. Doch die Variante mit einem Sensor sei laut Bahn so in Deutschland nicht zugelassen, diese Rückmeldung habe er bekommen. Er habe angeboten, dass die Kommune sich einbringen könne, "aber so lange wir nichts von der Bahn hören, können wir nichts machen". Man habe seitens der Kommune getan, was möglich sei. Haas bringt eine Idee ins Spiel, die quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen würde: Ein neuer Bahnhaltepunkt am Bahnübergang im Gewerbegebiet. Es gebe Hunderte Beschäftigte in diesem Bereich, und für viele Pendler könne die Bahn eine attraktive Alternative zum Auto sein. Außerdem würden zumindest Personenzüge dann ohnehin dort stoppen, das könnte schwere Unfälle wie im Mai 2018 verhindern.

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