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Das Weindorf Dernau in Rheinland-Pfalz ist stark von der Unwetterkatastrophe betroffen. Bauunternehmer Rau hat deshalb einen Appell an seine Handwerkerkollegen gerichtet.

Handwerker-Netzwerk für Flutopfer

  • Gabriele Krämer
    VonGabriele Krämer
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Buseck/Dernau (ik). Der Wiederaufbau nach der Hochwasserkatastrophe ist eine Mammutaufgabe. Für deren Bewältigung werden Spezialisten gesucht: Nun kommt es auf Experten wie Rohbauer, Elektriker, Fliesen- und Estrichleger, Sanitärfachleute und Verputzer an, damit die Menschen wenigstens noch vor Einbruch der kalten Jahreszeit ein festes Dach über dem Kopf haben.

Nur knapp 170 Kilometer von Gießen entfernt bleibt die Not unbeschreiblich - im Katastrophengebiet an der Ahr werden deshalb weiterhin unzählige Helfer im Einsatz sein, um in den vom Unwetter hart getroffenen Orten aufzuräumen.

So wie seit Donnerstag auch wieder Herbert Rau aus Alten-Buseck. Bereits unmittelbar nach den verheerenden Niederschlägen war der Bauunternehmer mit einem Team seiner Rora-Universalbau GmbH im völlig zerstörten Weindorf Dernau im Einsatz, inklusive Bagger, Baumaschinen und Laster (die GAZ berichtete). Die Bilder aus Rheinland-Pfalz lassen den Geschäftsführer nicht mehr los: »Wir waren erschüttert, als wir das ganze Ausmaß dieser Katastrophe gesehen haben«, berichtet Rau noch merklich betroffen. »Tod, Zerstörung, Not - man kann sich das nicht vorstellen«. Er betrachte es als »christliche Bürgerpflicht«, in der Hilfe für die Flutopfer nicht nachzulassen.

Noch bevor Rau am Donnerstag abermals mit einem 7,5-Tonner nach Dernau aufgebrochen ist, um den Kipper für eine Woche zu Aufräumarbeiten zur Verfügung zu stellen, war eine von ihm angestoßene Initiative schon mächtig ins Rollen gekommen. Das lässt sich allein anhand der bis Mittwochnachmittag rund 5000 registrierten Aufrufe eines von Rau speziell an seine Handwerkerkollegen adressierten Appells via Facebook rekapitulieren. Der Alten-Busecker möchte ein Netzwerk aus Handwerkern und Handwerksfirmen im Landkreis Gießen und darüber hinaus knüpfen.

Das könnte idealerweise mit Initiativen ähnlicher Zielsetzung verbunden werden. »Bis Mitte September müssen die Häuser auslüften und die Gebäudehüllen geschlossen werden«, mahnt der Baufachmann mit Blick auf den Kalender. In Absprache mit den Koordinatoren vor Ort in Rheinland-Pfalz könnten so die dringendsten Aufträge schnell und effizient abgewickelt werden, um die geschädigten Häuser überhaupt trocken zu bekommen, so seine Einschätzung.

Zunächst aber müsse festgestellt werden, ob die einzelnen Gebäude tatsächlich sanierungsfähig seien. Hinzu komme, dass die Schadensregulierung unklar sei, wenn Hausbesitzer keine Elementarversicherung abgeschlossen haben. Auch hier schwebt Rau bereits eine Lösungsmöglichkeit vor: Ein noch zu gründender Förderverein könnte einspringen, um Handwerkerleistungen zu bezahlen. Das A und O bleibt die Kernsanierung.

»Das ist eine Mammutaufgabe - stellt euch die Innenstadt von Gießen vor, die nur noch aus Rohbauten besteht. Alles komplett nass. Wo Estriche, Putz und alles an Dämmmaterialien raus muss, damit die Gebäude wieder trocknen und dann diese Rohbauten komplett neu aufgebaut werden können«, verdeutlicht Rau in seiner Videobotschaft die prekäre Situation. Sein Fazit: »Kein anderer kann das jetzt bewerkstelligen, kein anderer kann das leisten als das Handwerk«.

Vor allem kleinere Firmen hätten sich mittlerweile bei ihm gemeldet, darunter Installateure, Dachdecker, Fliesen- und Parkettleger - die Botschaft habe sich inzwischen bis ins nordrhein-westfälische Rheinbach verbreitet.

»Ich weiß nicht, was daraus entsteht. Eventuell schließen sich andere an, das wäre ein Traum«, sagt Rau und hofft auf weitere Mitstreiter. Als Mann des Handelns hat er selbst erst am Dienstag Werkzeuge für 3500 Euro angeschafft - die gingen gestern mit drei Mitarbeitern der Rora-Universalbau auf den Weg nach Dernau. Die Helfer wollen dort bis Samstagabend anpacken. Rau: »Ich bin stolz auf meine Jungs«.

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