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Ein gewohnter Anblick: Erich Hof mit dem Rad und Corinna Helm mit Hündin Polly.

Der "Grüne unter den Roten"

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Buseck (siw). "Zwischen meinem Vater und dem Kater besteht eine große Liebe", sagt Corinna Helm, als das Haustier hartnäckig Einlass in das Zimmer begehrt, in dem gerade das Gespräch stattfindet. Ihr Vater ist Erich Hof. Am vergangenen Sonntag wurde er 75 Jahre alt. Er gilt im Ort als das Gesicht der Großen-Busecker SPD.

In verschiedenen Funktionen (aktuell Ortsbezirksvorsitzender, Ortsvorsteher und Gemeindevertreter) engagiert sich der Genosse seit 1957 summiert auf bald 140 Jahre für seine Partei. Damit stellt er sich in die Familientradition, die mit seinem Großvater Kasper Hof, ein Mitbegründer der SPD Alten-Buseck, im Jahr 1894 begann. Sein Vater Wilhelm war Kassierer im Ortsverein Alten-Buseck und gehörte einer Widerstandsgruppe gegen das NS-Regime an. Hof erinnert seit Jahrzehnten immer am 9. November an die Pogromnacht 1938 und die Gräueltaten der Nazi-Diktatur mit einem Gedenken vor der ehemaligen Synagoge.

Für sein außerordentliches Engagement wurde ihm 2011 mit der Willy-Brandt-Medaille die höchste Auszeichnung der Partei zuteil. Überraschungsgast auf der Geburtstagsfeier war Thorsten Schäfer-Gümbel.

Politik am Küchentisch

Hof kam 1965 durch seine Ehefrau Marianne nach Großen-Buseck. Den politischen Gesprächen am Küchentisch konnten sich die drei längst erwachsenen Kinder nicht entziehen. Da wundert es nicht, dass sich Tochter Corinna Helm ebenfalls seit einem Vierteljahrhundert kommunalpolitisch engagiert. Mit 18 Jahren trat die jetzt 51-Jährige in die SPD ein.

Als sie Mitte 20 war, wurde im Ortsbeirat händeringend ein stellvertretender Schriftführer gesucht. Vater Erich brachte die Tochter "ins Spiel", die zu dieser Zeit noch kein gewähltes Ortsbeiratsmitglied war. Doch schon zur nächsten Wahlperiode wurde sie offiziell in den Ortsbeirat gewählt, seit 20 Jahren ist sie Mitglied der Gemeindevertretung. Zwischenzeitlich saß sie auch im Bauausschuss. "Wegen meinen Töchtern, heute 14 und 17 Jahre alt, habe ich mich dort zurückgezogen, ich hatte einfach zu viele Termine." Eine Herzensangelegenheit der beiden ist derzeit die Sanierung und Wiedereröffnung des Freibades.

Nach dem Abitur begann Helm eine Ausbildung beim Landkreis Gießen und ist nach zwei Jahren Dienst in der Naturschutzbehörde und einem Verwaltungsfachhochschulstudium nunmehr seit 24 Jahren als Beamtin in der Bauaufsichtsbehörde tätig. Ihren Vater bezeichnet sie als den "Grünen unter den Roten" und als das lebende Archiv der Ortsgeschichte. Während Helm wetterabhängig mit dem Fahrrad nach Gießen zum Dienst fährt, sieht man den Vater fast ausschließlich mit dem Rad oder per pedes. Um mit einem Gerücht aufzuräumen: Er hat einen Führerschein. Um innerhalb der Gemeinde umweltfreundlicher unterwegs zu sein, fordern die beiden einen guten Ausbau der Radwege zwischen den Ortsteilen. (Foto: siw)

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