1. Gießener Allgemeine
  2. Kreis Gießen
  3. Buseck

Großen-Busecker Synagoge: Nur Substanzerhalt möglich?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Anger 10 in Großen-Buseck, die ehemalige Synagoge: Vor dem Fenster an der Rückseite sorgt wuchernder Efeu für Verdunkelung (unten links). Foto rechts: Martha Kuhl-Greif (l.) und Barbara Steuernagel besichtigen durch Wasser entstandene Deckenschäden.	(Fotos: rüg)
Anger 10 in Großen-Buseck, die ehemalige Synagoge: Vor dem Fenster an der Rückseite sorgt wuchernder Efeu für Verdunkelung (unten links). Foto rechts: Martha Kuhl-Greif (l.) und Barbara Steuernagel besichtigen durch Wasser entstandene Deckenschäden. (Fotos: rüg) © Rüdiger Geis

Buseck (rüg). Finanzielle Hoffnungen konnte Barbara Steuernagel (Untere Denkmalbehörde) nicht machen. Doch zumindest hatte sie zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Katharina Benak (Landesamt für Denkmalpflege) einige Ratschläge parat, was in Bezug auf die ehemalige Synagoge in Großen-Buseck vordringlich zu tun ist.

Steuernagel und Benak hatten sich gestern Vormittag vor Ort mit Bürgermeister Erhard Reinl sowie Vertretern des »Arbeitskreises Anger 10« und des Heimatkundlichen Arbeitskreises getroffen, um sich ein Bild vom Bauzustand des Gebäudes zu machen. Die Besichtigung umfasste die drei Etagen und den Keller. Resümee: Es gibt viel zu tun.

Steuernagel nannte vier Maßnahmen, die zum Erhalt des Gebäudes dringend notwendig sind. Zum einen müsse das Dach dicht sein. Hier hatte es in der Vergangenheit durch undichte Stellen schon diverse Schäden durch eintretendes Wasser gegeben. Wie Bürgermeister Reinl erklärte, sei die Gemeinde schon aktiv geworden und habe für Abhilfe gesorgt.

Zum anderen müsse der Efeu an der Gebäuderückseite unbedingt entfernt werden, da sich dieser in Putzrissen festsetze und Fenster und Fassaden schädige. Auf der Vorderseite des Hauses gibt es zwei Fenster ohne Scheiben. Die sollten mit einem Gitter verschlossen werden. Dies sorge dafür, dass sich dort keine Tiere einnisten könnten und ermögliche dennoch eine Belüftung zum Vermeiden von Schimmel. Aus diesem Grunde sollten auch das im Keller gelagerte Holz und die Zellulose entfernt werden.

»Für Weitergehendes fehlt Geld«

Benak sprach in diesem Zusammenhang von »überschaubaren Maßnahmen«. Für weitergehende Pläne sei dann zunächst eine bauhistorische Voruntersuchung notwendig, um zum Beispiel festzustellen, wo sich der Saal und die Empore der Synagoge befunden hatten. Die Kosten für diese Untersuchung könne das Landesamt fördern.

Die beiden Fachfrauen wollten auch wissen, welche Nutzung denn für den Anger 10 angedacht sei. Hierzu teilte Reinl mit, dass dies alles noch in der Schwebe sei. Das Gebäude sei vor Jahren eigentlich als Sanierungsobjekt im Rahmen der Einfachen Stadterneuerung vorgesehen gewesen, doch den Eigenanteil von rund 750 000 Euro habe die Gemeinde damals nicht stemmen können – und könne dies angesichts der aktuellen Haushaltslage auch in naher Zukunft nicht: »Substanzsicherung ja, doch für weitergehende Maßnahmen fehlt das Geld.«

Eine finanzielle gemeindliche Beteiligung ist allerdings für die Arbeitsgruppe eine Grundbedingung für die Gründung eines Fördervereins für die ehemalige Synagoge, unterstrich Eckhardt Bayer. Diese Beteiligung könne aber beispielsweise auch mit Unterstützung durch EU-Gelder aus dem IREK-Programm (über den Verein Gießener Land) geschehen, so Steuernagel. Die Kreisdenkmalbehörde selbst könne nur private Projekte in sehr eingeschränktem Rahmen fördern. Bei einem derartigen kommunalen Projekt sei eben die Gemeinde in der Pflicht. Höchstens im energetischen Bereich sei durch den Kreis eine Förderung möglich.

Bayer bezifferte die Sanierungskosten »nach einer Grobschätzung« auf 300 000 Euro. Auch Martha Kuhl-Greif von der Arbeitsgruppe unterstrich, dass die Gemeinde finanziell mit im Boot sein müsse, nicht nur bei der Grundsicherung. Allerdings könne ein Verein dies mit Kooperationspartnern (Unternehmen, Geldinstitute, Handwerker, Schule) unterstützen. Eine Vereinsgründung sei vorbereitet, es fehle aber eine verbindliche Zusage der Gemeinde, das Gebäude in ihrem Besitz halten zu wollen.

Auch interessant

Kommentare