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Vor allem das Freibad auf der Wieseckinsel in Großen-Buseck ist Thema beim Info-Abend im Kulturzentrum. Viele wünschen sich eine Wiedereröffnung des Schwimmbads. (Archivfoto: con)

Freibad

Großen-Busecker Freibad bleibt emotionales Thema

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Am Montag sind über 300 Bürger zum Infoabend "Stadtumbau Hessen" gegangen. Zwar wurde die Gestaltung der gesamten Wieseckinsel thematisiert, jedoch sorgte das Freibad für Emotionen.

Immer mehr Menschen strömen in den Saal des Kulturzentrums Großen-Buseck. Einige stellen noch mehr Stühle für die Nachzügler auf. Manch ein Besucher setzt sich aber auch einfach auf den Boden, andere stellen sich nach ganz hinten, um die Präsentation zu sehen. "Ich bin mehr als begeistert, dass so viele hier sind", sagt Bürgermeister Dirk Haas zu den mehr als 300 Anwesenden beim Infoabend "Stadtumbau Hessen" am Montag.

Beim Blick in die Runde fällt auf, dass alle Altersgruppen vertreten sind: Kinder, Jugendliche, Eltern und Großeltern. Einige Besucher stechen mit ihren Taucherbrillen und kleinen Luftmatratzen heraus. Sie gehören zur Initiative "Pro Freibad", haben bereits 1200 Unterschriften dafür gesammelt. Das zeigt auch, warum die Meisten hier sind: Sie wollen wissen, wie es mit dem Busecker Freibad weitergeht. "Es geht um mehr als nur das Freibad", sagt Haas. Es gehe um Impressionen, was alles aus dem Busecker Ortskern und speziell der Wieseckinsel gemacht werden kann. Es habe einen Wettbewerb gegeben und Ideen seien gesammelt worden.

Reaktivierung der Wieseckinsel

Einige dieser Ideen stellt Udo Buland vom Landschaftsarchitekten-Team Sommerlad, Haase und Kuhli vor. So stehe eine Neuordnung und Reaktivierung der Wieseckinsel im Fordergrund. "Wir wollen in der Stadt ein Plätzchen schaffen, das vielfältig nutzbar ist", sagt Buland. So sei von der Oberpforte her beispielsweise eine Flussterrasse mit einem Spielplatz und einer integrierten Wassermühle denkbar. In Höhe des Freibads wiederum "wollen wir den Fluss zum Schwimmbad holen", sagt Buland. Die Liegewiese könne man vergrößern und Sonderflächen wie ein Beach-Volleyball-Feld schaffen. Zudem solle es Renaturierungsmaßnahmen geben - für naturnahes Spielen. Unterhalb des Freibads könne ein Wieseckinsel-Park entstehen: mit einem Rundweg und einem Auenwäldchen mit Aussichtsplattform.

"Das ist eine Ideensammlung, und nicht alles wird umsetzbar sein", betont Haas. Die gesamten Ideen umzusetzen liege bei etwa vier Millionen Euro. Aber: "Manche ›Förz‹ braucht man nicht", sagt Haas salopp und erntet Lacher. "Wir wollen das Freibad nicht komplett umbauen, sondern so erhalten wie es war, in einer zeitgemäßen Form", betont Haas. Das stößt auf Jubel und Beifall aus dem Publikum.

Jubel und Beifall für Bürgermeister

So müsse laut Haas beispielsweise der Beckenrand angehoben werden, um genügend Wassertiefe für den Drei-Meter-Turm zu gewährleisten. Zudem wolle man das Freibad länger nutzbar machen. Die Umkleidekabinen eigneten sich zum Beispiel, um das Wasser aufzuheizen. "Die Liegewiese könnte hier und da noch einen Baum gebrauchen", fährt Haas fort. Bei all seinen Ausführungen, hört das Publikum aufmerksam zu - keine Zwischenrufe oder Gemurmel stören.

Eines wird deutlich: Haas positioniert sich für das Freibad. "Ich werde der Leidtragende sein". Er wohne direkt nebenan, habe von seiner Dachterrasse aus einen Blick auf das Freibad und die Liegewiese. "Mich wird es aber nicht stören, wenn da wieder Lärm ist", macht der Bürgermeister deutlich. Damit erntet er erneut Jubel und Beifall. "Es ist wichtig für Familien, dass Kinder auch mal schwimmen gehen", sagt Haas. Nicht für jeden sei es finanziell machbar, zwei, drei Mal im Jahr in den Urlaub zu fahren. Gehe es nur um Einsparungen, dann müsse die Gemeinde auch die Kindergärten schließen: "Die kosten uns am Meisten", sagt Haas.

Die Entscheidung liegt nun beim Parlament am 27. Juni. Haas hofft auf einen Auftrag, um weiterzumachen, sagt er auf Nachfrage. Er könne sich eine Arbeitsgruppe vorstellen und hofft, dass sich auch Menschen einbringen, die dem kritisch gegenüber stehen. "Jetzt ist der Punkt, an dem man Entscheidungen treffen muss."

"Stadtumbau Hessen"

Der "Stadtumbau Hessen" ist ein 2017 entwickeltes städtebauliches Entwicklungskonzept. In Großen-Buseck betrifft das Fördergebiet im Ortskern eine Fläche von etwa 30 Hektar und 930 Einwohner. Bei der Wieseckinsel sollen Wasser- und Grünflächen vernetzt werden, sagt Christoph Boeffel von der Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklung (DSK). Es soll ein Freizeitangebot für alle Altersgruppen geben. Vom Förderprogramm Stadtumbau wurde zwischen 2016 und 2018 bereits 1,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ein Drittel wurde von Buseck übernommen worden. Die Laufzeit geht noch bis 2027. (mmf)

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