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»Gewaltherrschaft auf der ganzen Welt ablehnen«

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Von: Volker Heller

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Bürgermeister Michael Ranft mahnt in seiner Rede, gemeinsames Gedenken sei notwendig. © Volker Heller

Buseck (vh). Über 40 Personen nahmen am Freitagnachmittag auf dem jüdischen Friedhof von Großen-Buseck an der Zeremonie zum Gedenken an die Holocaustopfer teil.

Bürgermeister Michael Ranft sagte, man erinnere in Deutschland seit 1996 an die Opfer von Gewaltherrschaft und Fanatismus. Die Vereinten Nationen hätten den 27. Januar im Jahr 2005 zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt. Mehr als sechs Millionen Juden seien ermordet worden, darüber hinaus Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und anders Denkende. Ranft: »Ja, wir brauchen ein gemeinsames Gedenken, alles andere wäre ein Ausstieg aus der Geschichte.«

Trauer müsse auch eine Aufforderung zum Handeln sein, »Gewaltherrschaft auf der ganzen Welt abzulehnen«. Europa wachse zusammen, doch seien politischer und militärischer Größenwahn einschließlich Rassenwahn nicht aus der Welt. Konsequenzen zu finden, »ist eine große Herausforderung, der wir uns auch in Buseck stellen müssen«, so der Bürgermeister. Erziehung und Integration gehörten dazu.

Dirk Haas vom Freundeskreis Anger 10 - ehemalige Synagoge Großen-Buseck - erinnerte, »das grausame Töten geschah im Lichte der Öffentlichkeit«. Der Anger 10 werde zu einem »wichtigen außerschulischen Lernort« ausgebaut. Haas verurteilte die Verwendung von Begriffen wie Holocaust oder Nazis für Geschehnisse oder Personen in der heutigen Zeit.

Dr. Hans-Ulrich Eskens vom Verwaltungsrat der katholischen Pfarrei Sankt Marien Großen-Buseck bekannte, es habe schon eine gewisse Brisanz wenn man als Vertreter einer Konfession bei der Kranzniederlegung anwesend sei. Die Schuld der Kirche im Dritten Reich sei noch nicht vollständig aufgearbeitet. »Unsere Väter und Großväter waren involviert. Wir sind da nicht völlig anders«, mahnte Eskens. FOTO: VH

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