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Kreis Gießen: Kart-Verein in Existenznöten – Teures Fahrerlager vor Rückbau

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Von: Christina Jung

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Sein Fahrerlager hat der Kart-Verein Oppenrod 2018 für rund eine viertel Million Euro verdichten und befestigen lassen, allerdings ohne vorher eine Baugenehmigung einzuholen. Jetzt müssen die Rennsportler den Eingriff in das Natura-2000-Gebiet rückgängig machen.
Sein Fahrerlager hat der Kart-Verein Oppenrod 2018 für rund eine viertel Million Euro verdichten und befestigen lassen, allerdings ohne vorher eine Baugenehmigung einzuholen. Jetzt müssen die Rennsportler den Eingriff in das Natura-2000-Gebiet rückgängig machen. © Alexander Geck

Eine viertel Million Euro hat der Oppenröder Kart-Verein in die Befestigung seines Fahrerlagers investiert. Allerdings ohne dafür eine Baugenehmigung zu haben. Die wird er auch nicht bekommen, stattdessen den baulichen Eingriff für ebenso viel Geld wieder zurücknehmen müssen. Denn das Areal befindet sich in einem Schutzgebiet.

Buseck – Michael Schumacher räumte als junger Kerl auf der Strecke einen Pokal nach dem anderen ab. Aus ganz Europa kamen erfolgreiche Fahrer nach Oppenrod (Kreis Gießen), das schnell zur Hochburg des Kart-Sports wurde. 2017 feierte die »Motorsportarena Stefan Bellof« ihr 50-jähriges Bestehen, fünf Jahre später steht der Verein, der sie betreibt, möglicherweise vor dem Aus. Das zumindest befürchten einige Mitglieder.

Grund dafür ist das Fahrerlager, eine rund 7000 Quadratmeter große Fläche, bestehend aus Schotterstellplätzen und asphaltierten Wegen. Bis 2018 handelte es sich bei diesem um eine Wiese, dann ließ der Kart-Verein das Areal nach einem Vorstandsbeschluss verdichten und befestigen. Allerdings ohne zuvor eine Baugenehmigung einzuholen. »Das wollten wir im Nachhinein tun«, sagt der stellvertretende Vorsitzende Harald Gans auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. Doch genau diese Baugenehmigung stellt knapp vier Jahre später ein Problem dar. Bis heute wurde sie nicht erteilt, denn das Fahrerlager befindet sich in einem Natura-2000-Gebiet, in dem ein solcher Eingriff nicht erlaubt ist. Die Folge: Er muss zurückgenommen werden.

Kreis Gießen: Kart-Verein Oppenrod hat massive Geldsorgen wegen Fahrerlager

Ein Bescheid über den Rückbau des Fahrerlagers ist seitens des Gießener Regierungspräsidiums (RP) bisher zwar nicht erteilt worden, wie der stellvertretende Pressesprecher Thorsten Haas mitteilt. Denn der Verein habe sich bereit erklärt, diesen freiwillig vorzunehmen und befinde sich in dieser Angelegenheit mit dem Regierungspräsidium in Gesprächen zu Umfang und Zeitraum des Rückbaus, so Haas. Ob der Eingriff eine strafrechtliche Relevanz habe, werde derzeit geprüft.

Rund eine viertel Million Euro hat der Oppenröder Kart-Verein für die Befestigung des Fahrerlagers ausgegeben, überwiegend finanziert durch ein Privatdarlehen eines Vereinsmitgliedes. Ein Rückbau würde einen weiteren sechsstelligen Betrag verschlingen. Zwei Angebote liegen dazu vor, eines über 280 000 Euro, ein weiteres über 350 000 Euro.

Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vergangene Woche kamen diese und weitere Informationen auf den Tisch. »Da sind Dinge bekannt geworden, die mich sehr nachdenklich gestimmt haben«, sagt der 81-jährige Werner Döring, Gründungsmitglied des Kart-Vereins, auf GAZ-Anfrage. »Ich kann doch nicht einfach so etwas machen, ohne mir vorher die Genehmigung dafür zu holen«, so der Rödgener. Eine Meinung, mit der er im Verein nicht allein steht. Die Erschütterung über das Vorgehen des Vorstandes ist Döring noch Tage später anzumerken.

Kart-Verein Oppenrod hofft auf Kompromiss mit Kreis Gießen

Das Vereinsurgestein hofft nun darauf, dass der Vorstand einen Kompromiss mit den Behörden findet, appelliert an Letztere, eine »Lösung zu finden, die gesetzlich vertretbar ist«. Denn eines steht für den Senior fest: Aus finanzieller Sicht »wäre ein Rückbau das Aus des Vereins«. Und das befürchten auch andere Mitglieder. Tatsächlich blieb in der Versammlung offen, wie ein Rückbau finanziert werden soll. Ebenso die Antwort auf die Frage, wer im Fall einer Pleite haftbar zu machen wäre. Einige Vorstandsmitglieder wollen sich in dieser Frage nun rechtlich beraten lassen.

Dass das Gelände wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt werden muss, daran führt wohl kein Weg vorbei. Ob das auch für weitere bauliche Eingriffe im Bereich der Kart-Anlage gilt, ist noch offen. Denn: »Es wurden kleinere Nebengebäude wie diverse Container, ein Metallschuppen, ein Carport, zwei Garagen und ein Pavillon auf dem Gelände errichtet, die nicht von der bestehenden Genehmigung erfasst sind«, sagt Pressesprecher Haas. Ob sie genehmigungsfähig seien, prüfe das Regierungspräsidium ebenfalls.

Kreis Gießen: Kart-Verein Oppenrod könnte Vertrauensfrage stellen

Harald Gans räumt mit Blick auf die Vorgehensweise des Vorstandes rückblickend Fehler ein. Mit dem Wissen von heute hätte man frühere Entscheidungen wohl nicht getroffen. Finanziell sieht er dennoch keine Schwierigkeiten. Über Leihkart-, Rennkart- und Rennbetrieb generiere man so hohe Einnahmen, dass sowohl die aktuellen Verbindlichkeiten als auch weitere Kosten kein Problem darstellten. Gans: »Das können wir locker zurückbauen.« Auch in früheren Zeiten habe man sechsstellige Summen finanziert, beispielsweise für die Bahnrenovierung vor 15 Jahren. »Alles, was wir verdienen, wird wieder in die Anlage gesteckt«, so Gans.

Ob er und der derzeitige Vorsitzende Andreas Gränz bei künftigen Entscheidungen noch etwas mitzureden haben, wird die Jahreshauptversammlung im März zeigen. Bei der Zusammenkunft vergangene Woche zumindest stand die Vertrauensfrage bereits im Raum. (Christina Jung)

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