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Die Ganseburg liegt an der Bundesstraße 49. Im Hintergrund der Solarpark.

Von oben

Früher Rast für Pferde, heute für Ausflügler: Die Ganseburg an der B 49

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Früher war sie fester Halt für Lastwagenfahrer, heute ist sie Anlaufpunkt für Ausflugsgruppen: die Ganseburg.

Draußen rauscht ein Laster auf der Bundesstraße 49 vorbei, ihm folgen mehrere Autos. Patrick und Karl Fiedler nehmen dieses Geräusch nicht nur wegen der gut gedämmten Fenster kaum wahr. Sie sind damit einfach groß geworden. In fünfter Generation lebt die Familie auf der Ganseburg, betreibt hier das Gasthaus.

Vor 1822 stand hier nichts. Damals wurde auf der Anhöhe zwischen Oppenrod und Gießen eine Pferdeumspannstation für die Postkutschen eingerichtet. Eine Burg hat es hier übrigens nie gegeben. "Alle Gaststätten rund herum haben sich den Namen Burg an den Familiennamen angehängt, etwa die Horsteburg", erklärt Patrick Fiedler. "Bei uns wurde es die Ganseburg." Mit Gänsen hat der Name also nichts zu tun. "Früher hatten wir noch ein Märchenbild mit Gans und Burg an der Fassade. Das hat ja eigentlich nie gestimmt", erklärt Patrick Fiedler.

Seit 1957 Tankstelle

Statt um Kutschen wird sich heute auf der Ganseburg darum gekümmert, dass die Pferdestärken der Motoren mit genügend Kraftstoff gefüttert werden und die Fahrer nicht hungrig bleiben. Bereits 1957 wurden hier die ersten Zapfsäulen aufgestellt. "Die Oma hatte da einen guten Riecher", sagt Patrick Fiedler. Diese hatte damals bemerkt, dass viele Fahrzeuge auf der noch nicht wie heute ausgebauten Bundesstraße nach dem steilen Anstieg keinen Sprit mehr hatten.

Die Fahrer konnten damals vielleicht auch aufgrund des Straßenbelags eine Pause brauchen. "Kopfsteinpflaster", erinnert sich der Seniorchef. "Was da für Unfälle passiert sind." Bald wurde die Gaststube im Hof der ehemalige Pferdewechselstation zu klein und das Gasthaus errichtet. Zahlreiche Lastwagenfahrer kehrten damals hier ein, um zu essen und Nachrichten von ihren Chefs zu bekommen: "Da haben die Fahrer hier auf den Anruf gewartet, wo sie als nächstes hinfahren sollen", berichtet Karl Fiedler aus einer Zeit, als es noch keine Handys gab.

Gänseessen auf der Ganseburg

Mit dem zunehmenden Verkehr wurde allerdings das Abbiegen zur Tankstelle und zum Gasthaus immer gefährlicher. Die Familie musste eine Abbiegespur bauen, ebenso auf eigene Kosten einen Kanalanschluss nach Oppenrod verlegen lassen. Vor rund 25 Jahren wurde die Tankstelle an Esso verpachtet, seitdem konzentriert sich Familie Fiedler auf das Gasthaus.

Der Lkw-Verkehr hat zwar zugenommen, die Trucker kommen aber seltener in die Gasthäuser. "Viele werden auch nicht mehr so gut bezahlt", sagt Karl Fiedler. Allein von Fahrern und Außendienstlern, die auf "Bellschou" Hunger haben, könnte das Gasthaus heute nicht mehr leben. Diesen Trend hat Familie Fiedler frühzeitig erkannt. Mit Deutscher Küche und Veranstaltungen wie Schlachtessen oder Gänseessen hat sie sich darum auch abseits der Reisenden eine treue Stammkundschaft aufgebaut. "Die Leute wollen heute Events", sagt der Gastwirt.

Dabei müsse man sich allerdings immer wieder selbst auf den Prüfstand stellen, ob das Konzept noch funktioniere. "Als etwa die Oktoberfeste rundherum immer mehr wurden, haben wir auf bayerische Wochen umgestellt", sagt Karl Fiedler. Zudem sei man mittlerweile ein beliebter Anlaufpunkt für Ausflugs- und Wandergruppen geworden.

Bauchschmerzen bereitet dabei dem Gastronom, dass der Radweg entlang der B49 noch immer nicht gebaut worden ist. Denn so fehlen rund 50 Meter zwischen dem nächsten Feldweg und der Ganseburg - eine Gefahrenstelle.

Hier am äußersten Eck der Busecker Gemarkung - "die Wiese gegenüber ist schon Fernwald" - wartet man zudem noch auf den Einzug des schnellen Internets. "Der Bürgermeister hat mal gesagt: Da gibt es noch Rauchzeichen", schmunzelt Karl Fiedler. Über schnelles Internet würden sich nicht nur die Tankstelle und das Gasthaus, sondern auch die ortsansässige Baumschule freuen.

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