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Die Hebebühnen von Udo Heinrichs Wiesecker Werkzeugvermietung sind weltweit im Einsatz. 

Alten-Busecker Firma

Französische Gruppe übernimmt Wiesecker Werkzeugvermietung

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Die französische Firma Kiloutou übernimmt die Wiesecker Werkzeugvermietung in Alten-Buseck. Inhaber Udo Heinrich spricht von einem "Wunschpartner". Dem Betrieb prophezeiht er rosige Zeiten.

Spätestens nach jenen Worten seiner Tochter wusste Udo Heinrich, was die Stunde geschlagen hat. "Unter einer großen Eiche wächst keine zweite kleine", hatte sie gesagt. Und auch seine zweite Tochter hatte dankend abgelehnt, als es um die Frage ging, wer wohl in Zukunft die Geschicke der Wiesecker Werkzeugvermietung in Alten-Buseck leiten wird.

Seit fast zwölf Monaten hat Inhaber Heinrich also nach einer anderen Lösung gesucht. "Ich wollte die Firma in große, gute Hände weitergeben", sagt er, immerhin sei er im vergangenen Jahr 60 Jahre alt geworden. Nun ist klar, wem diese "großen Hände" gehören. Heinrich ist sich mit dem französischen Unternehmen Kiloutou einig geworden. Sollte alles kartellrechtlich ohne Beanstandung über die Bühne gehen, übernimmt Kiloutou die Alten-Busecker ab Ende April.

Seinen "Wunschpartner" nennt Heinrich das französische Unternehmen. Er sagt, für ihn und auch für seine Firma sei das heute ein "erfolgreicher und glücklicher Tag". Am Montagabend hatte er seine 90 Mitarbeiter über die anstehenden Veränderungen informiert. Von "Tränen der Trauer" bis "großem Verständnis" reichten die Reaktionen.

Wiesecker Werkzeugvermietung: 1989 gegründet

Es hat etwas Pathetisches, wenn Heinrich von den Szenen nach der Verlautbarung erzählt. Er spricht vom "day after". Um all das zu verstehen, ist ein Blick zurück in die Firmengeschichte nötig.

1989 hatte Heinrich das Unternehmen gegründet, in den ersten knapp 20 Jahren war es in den Gießener Stadtteilen Wieseck und Rödgen ansässig. Doch als dort alles aus den Nähten zu platzen drohte, zog man nach Alten-Buseck. Aus dem einstigen Ein-Mann-Betrieb ist mittlerweile eine florierende Firma geworden. Mehr als 2500 Maschinen bieten die Alten-Busecker in ihrem Mietpool an, die Bagger und Arbeitsbühnen sind weltweit gefragt.

Das Wirtschaftliche aber ist nur das eine. Dass an den Wänden im Flur die Fotos der Mitarbeiter hängen, sagt viel über die Firmenphilosophie aus. "Ich kenne auch die Geschichten hinter den Gesichtern", hat Heinrich vor einem Jahr mal gesagt.

Kiloutou seit gut drei Jahren in Deutschland aktiv

Und nun, so kurz nach dem 30. Firmengeburtstag, also die Übernahme durch Kiloutou. Für die Franzosen ist die Ansiedlung im Gießener Land durchaus sinnvoll, ist sie doch eine Art Türöffner zum Rhein-Main-Gebiet. Seit gut drei Jahren ist Kiloutou auf dem deutschen Markt aktiv. Das strategische Ziel in Deutschland sei es, die Marktpräsenz in chancenreichen neuen Gebieten auszuweiten, erklärt CEO Olivier Colleau.

Heinrich sagt, er glaubt fest an eine rosige Zukunft des Unternehmens. Immer wieder fällt das Wort Wachstum, wenn er über die kommenden Jahre spricht. Der Betrieb werde sich räumlich vergrößern und auch personell werde man weiter aufstocken, sagt Heinrich.

In naher Zukunft wird sich für die 90 Mitarbeiter in Alten-Buseck erst einmal nichts groß ändern. Sie bekommen einen neuen Chef, das schon. "Aber die Firma sind sie", sagt Heinrich. Und wie ist es um seine eigene Zukunft bestellt? Immerhin ist 60 nun wahrlich kein Alter. Heinrich sagt: "Ich werde in Zukunft beratend tätig sein, aber mein Einfluss wird immer weniger werden. Bis ich eben nicht mehr gebraucht werde."

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