Rund 50 Interessierte hatten sich in der Brandsburg eingefunden, um sich neue Nutzungsmöglichkeiten erläutern zu lassen.
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Rund 50 Interessierte hatten sich in der Brandsburg eingefunden, um sich neue Nutzungsmöglichkeiten erläutern zu lassen.

Förderverein soll Brandsburg-Nutzung in die Hand nehmen

Buseck (rüg). "Das Feuer muss von unten brennen", war eine der charakterisierenden Aussagen am Dienstagabend im Saal der Alten-Busecker Brandsburg, als es darum ging, deutlich zu machen, was notwendig ist, um für das Areal samt Scheune neue Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen.

Rund 50 Interessierte waren gekommen, um sich die Machbarkeitsstudie im Rahmen einer Ortsbeiratssitzung vorstellen zu lassen, die vom Fachbüro "DenkStrukturen" erarbeitet worden war.

Ortsvorsteher Gunter Großmann begrüßte die Zuhörer und dankte den Mitarbeitern des Fachbüros für das Erarbeiten der Studie. Am Ende, nach den Erläuterungen von Dennis Pucher und Florian Kern, stand die Erkenntnis, dass die Gemeinde zwar in irgendeiner Form im Boot sein wird, aber die im Rahmen von Workshops im vergangenen Jahr geäußerten Wünsche und Vorschläge zur Nutzung des Ensembles nicht ohne bürgerschaftliches Engagement umsetzbar sind.

Die Berater stellten in ihrem Resümee klippklar fest: "Aufgrund der hohen Investitionskosten in der Brandsburgscheune halten wir ein kommunales Investitionsmodell für nicht wirtschaftlich und raten zu einem privaten Investitionsmodell."

Es gebe in Alten-Buseck viele engagierte Bürger, viele gute Ideen und großen Elan, so Pucher. Dies alles sei aber ohne feste Struktur. Sein Vorschlag: Die Alten-Busecker sollten einen Förderverein gründen, da dieser die einfachste Möglichkeit sei, einerseits die organisatorischen Anforderungen zu leisten, andererseits aber auch Zuschüsse, Fördergelder und Spenden erhalten zu können.

Doch der Vorschlag traf trotz großer Zustimmung auch auf Zweifel. Ein Bürger wies darauf hin, dass sich Wohngruppen und Café in der Scheune gegenseitig ausschlössen. Wie hoch seien die Folgekosten, was koste der Kümmerer, woher sollen die Mittel kommen?, wollte er wissen. Für schwierig halte er auch die Notwendigkeit großen ehrenamtlichen Engagements. Darunter könnten die Verein leiden. Pucher meinte, dass sich das Café tatsächlich nicht selbst tragen könne und mit jährlichen Folgekosten von 50 000 Euro zu rechnen sei. Daher habe man auch als Alternative den Vorschlag der Wohngruppen gemacht. Der Kümmerer komme nicht in den Stellenplan der Gemeinde, sondern müsste über den Förderverein getragen werden. Dieser wiederum könne dafür bezuschusst werden. Allerdings sei es wie bei allen Fördermöglichkeiten: Der Antragsteller selbst müsse ebenfalls ein hohes Maß an Eigenleistungen und Engagement einbringen.

"Versäumnis der Gemeinde"

Die Vereinsnutzung werde im Übrigen nicht beeinträchtigt, da diese überwiegend abends stattfinde, während die Machbarkeitsstudie gerade die Zeiten nenne, in denen das Brandsburggelände ungenutzt sei, nämlich tagsüber (mit Ausnahme des dort eingemieteten Unternehmens).

Uli Nass dagegen sieht im ehrenamtlichen Einsatz das geringere Problem. Doch was könne möglichst schnell umgesetzt werden, fragte er. Pucher erklärte, die Studie zeige, was eben machbar ist. Nun müsse ein konkretes Konzept folgen. Schnell umsetzbar sei eine Momentgruppe (Demenzprävention).

Eine weitere Bürgerin meinte, die 210 000 Euro für die Standsicherung der Scheune könne der Verein doch gar nicht aufbringen. Sie sieht – auch mit Blick auf Investitionen im Nachbarort Großen-Buseck – ein Versäumnis der Gemeinde, die dafür das Geld bereitstellen müsste. Was für Applaus bei den Zuhörern sorgte.

Bürgermeister Erhard Reinl erinnerte daran, dass Alten-Buseck neun Jahre im Dorferneuerungsprogramm mit der Brandsburg als Kern gewesen sei. Großen-Buseck sei dann in der "Einfachen Stadterneuerung" gefolgt, "und da deutet man jetzt drauf". Die Gemeinde habe sich seinerzeit schon Gedanken über die Scheune gemacht, aber es habe damals keine Nutzung gegeben. Daher sei auch nichts passiert. Die Gemeinde werde sich mit der Substanzsicherung natürlich befassen, sie müsse dies schon allein aufgrund der Verkehrssicherungspflicht.

Reinl warb ebenfalls für die Gründung eines Fördervereins, wie ja kürzlich auch Oppenrod ein positives Beispiel mit dem Bürgerverein gegeben habe. Er könne sich eine Nutzung der Scheune für Wohngruppen und Café vorstellen.

Die stellvertretende Ortsvorsteherin Kornelia Steller-Nass (SPD) unterstützte ebenfalls die Idee des Vereins: "Wir müssen den Menschen im Ort die Möglichkeit geben, sich zu engagieren. Wir wollen unser Dorfzentrum ausbauen und uns nicht von der Geldfrage ins Bockshorn jagen lassen." Dies bejahte auch Dr. Ulf Häbel, der kurz das Projekt "DorfSchmiede" in Freienseen vorstellte.

In seinen Ort gebe es gut 25 Freiwillige, die sich engagierten. In Alten-Buseck müssten es schon ein paar mehr sein, beantwortete er eine Frage von Ortsbeiratsmitglied Eric Richter-Belloff (CDU).

"Scheune außen vor lassen"

In die gleiche Kerbe schlug Parlamentsvorsitzender Norbert Weigelt (SPD). Die lang erwartete Studie liege nun vor. Jetzt müsse der Förderverein gegründet werden. Diese Aufgabe könne nicht die Kommune richten. In der kommenden Woche würden sich die gemeindlichen Gremien mit dem Thema beschäftigen, und da werde die Frage sein, ob das Interessenbekundungsverfahren für die Scheune ausgesetzt bleibe oder wieder aufgenommen werde. Er, Weigelt, halte es für sinnvoll, die angesprochenen Module in der Brandsburg umzusetzen und die Scheune außen vor zu lassen.

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