Cursor Software wird 30

Firma mit 100 Mitarbeitern begann am Küchentisch

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Thomas Rühl hat ein erfolgreiches Software-Unternehmen gegründet, die Troher Licht mit ins Leben gerufen. Doch auch ihm gelang nicht alles im ersten Versuch.

Herr Rühl, Sie sind heute CURSOR-Vorstandsvorsitzender. Angefangen hat alles am Esszimmertisch in ihrem Elternhaus am Troher Mühlrain. Wie kam es zur Firmengründung?

Thomas Rühl: Angefangen hat es mit einer Fehleinschätzung: "PCs sind Spielzeuge, und Software für Spielzeuge braucht man nicht." Mit diesen Worten hat mein damaliger Chef meine Idee zur Entwicklung von PC-Software zur professionellen Kundenbetreuung abgetan. Er setzte weiterhin auf Großrechner. Daraufhin entschied ich mich, es selbst zu versuchen.

Dann gründeten Sie Cursor. Wieso dieser Name?

Rühl: Der Cursor ist der Mauszeiger, der die Verbindung zwischen dem Anwender und dem PC herstellt. Genauso wollte ich die Verbindung zwischen dem Anwender und der Software herstellen. Der Name war kurz, prägnant – und international. Das passt, damals wie heute.

Auch privat sind Sie auch ideenreich. Wie kam es zur 100 000-Lichter-Aktion in Trohe?

Rühl: Am Anfang stand eine verrückte Idee. Unser Ziel war, den Ort und das Unternehmen Cursor Software AG – damals mit Sitz in Trohe – bekannt zu machen. Gleichzeitig wollten wir Geld für gemeinnützige Zwecke und für die Ortsvereine erwirtschaften. Die noch recht amateurhafte Auftaktveranstaltung 1999 war bereits ein voller Erfolg. Die nächsten Veranstaltungen 2000 und 2001 wurden deutlich professioneller. Ab 2003 ging es dann richtig rund, nach diversen Fernsehberichten strömten die Gäste aus der ganzen Bundesrepublik und mit Bussen in unseren kleinen Ort. Sehr dankbar bin ich Volker Bouffier für seine Unterstützung als Schirmherr.

Was hat sie besonders gefreut?

Rühl: Als das Magazin "Focus" auf einer Deutschlandkarte die schönsten Weihnachtsmärkte benannte: Christkindlmarkt in Nürnberg, Marienmarkt in München, Dresdener Strietzelmarkt und dann Trohe, unser 770 Einwohner zählendes Dörfchen. Da wusste ich, jetzt haben wir es geschafft. Ich sage ausdrücklich "wir", denn ohne die Unterstützung und den Rückhalt aus dem ganzen Dorf und vor allem der Ortsvereine wäre es nicht gegangen.

Warum dann 2007 das Finale?

Rühl: Nach sechs Veranstaltungen wurden wir quasi vom eigenen Erfolg überholt. Bis dahin hatten wir alles mit ehrenamtlichen Helfern geschultert. Bei der immer größer werdenden Veranstaltung stellte sich die Frage, entweder kommerziell weitermachen oder beenden. Wir haben uns für ein großes Finale entschieden und wurden mit schönem Wetter und einem Rekordbesuch belohnt.

Mit dem Spendenerlös von weit über Hunderttausend Euro aus sechs Events wurde unter anderem das Haus "Trohe" in dem SOS-Kinderdorf Inhambane in Mozambique finanziert. Waren Sie jemals dort?

Rühl: Nein, aber ein Foto vom Haus "Trohe" in meinem Büro erinnert mich täglich daran. Mit der Realisierung dieses Projektes war für uns ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen.

Sie engagieren sich für die Sportgemeinschaft Trohe als deren Sprecher. Viele Jahre führten Sie den Verein als Vorsitzender.

Rühl: Sport ist wichtig für die Fitness und für soziale Kontakte. Durch die Umstellung auf die dezentrale Verantwortung in den Abteilungen (jeder Abteilungsleiter kann eigenverantwortlich entscheiden und managt sein Budget selbst) ist die Zeit, die ich nun in dieses Ehrenamt investiere, überschaubar geworden. Durch ein starkes Vorstandsteam funktioniert die SG Trohe sehr gut.

Wie halten Sie sich persönlich fit?

Rühl: Inzwischen durch Radfahren. Zuvor habe ich 25 Jahre Tischtennis gespielt. Meine neueste Errungenschaft ist ein Holzfahrrad. Außerdem unterstütze ich als Basketballfan die Gießen 46ers.

Sie engagieren sich auch innerhalb der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg. Wo liegt da ihr Schwerpunkt?

Rühl: Seit 2004 bin ich Mitglied der Vollversammlung, und 2014 wurde ich als einer von fünf Vize-Präsidenten gewählt. Mein persönlicher Schwerpunkt sind Startups, also Unternehmensgründungen. Anfang 1987, also vor Start in die Selbständigkeit, habe ich selbst ein Existenzgründerseminar bei der IHK besucht. Dies hat mir in der Praxis sehr geholfen, und so möchte ich mit diesem Ehrenamt der IHK und der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Herr Rühl, es ist zwar lange her, aber man kennt Sie auch als DJ...

Rühl (lacht): Oje, das waren acht wilde Jahre. In der Discothek Atlantis in Trohe wollte ich nur mal einspringen. Offensichtlich hatte ich eine Nase dafür, was gut ankommt. Danach habe ich im Musikladen in Beuern, später im Big Apple in Gießen, in der Fledermaus in Niedergirmes, im Flash in Herborn und im Skyline in Nonnenroth aufgelegt. Sogar die Plattenindustrie hatte von meinem Gespür für Hits gehört und mich für die Bemusterung von Platten ausgewählt. Später kam das Schreiben für Feuilleton dazu, sogar Interviews mit Chris de Burgh und Rod Stewart durfte ich führen und DJ-Meetings gemeinsam mit Isabell Varell moderieren.

Warum haben sie diese "Karriere" an den Nagel gehängt?

Rühl: Nightlife ist mit viel Spaß verbunden, aber man muss sich dauerhaft entweder für die Tag- oder die Nachtarbeit entscheiden. Und letztlich war es ja nur ein Nebenerwerb während der Schulzeit, des Zivildienstes und des Studiums.

Welche Ziele möchten Sie noch verwirklichen?

Rühl: Das Liebig-Laboratorium zum Unesco-Welterbe zu führen, ist ein ganz großer Traum von mir. Ob es gelingen wird, das werden wir in den nächsten acht bis zehn Jahren sehen. Die Chance ist vorhanden. Die Unesco-Strategie heißt "Filling the gaps" – die Lücken füllen. Eine einzige große Lücke ist die naturwissenschaftliche Entwicklung der Menschheit. Es gibt praktisch keine Originalstätten mehr, aber wir haben in Gießen das Original-Laboratorium von Justus Liebig, einem der größten Naturwissenschaftler der Menschheit.

Wie wollen Sie das erreichen?

Rühl: Gemeinsam mit unserem Projektteam in der Liebig-Gesellschaft mit Prof. Dr. Eduard Alter als Vorsitzenden. Uns ist durchaus bewusst, dass wir da ein ganz dickes "Brett" bohren. Aus den Erfindungen von Justus Liebig resultieren Unternehmensgründungen von etlichen seiner Studenten. Heute können wir beispielsweise 4 DAX-Konzerne mit 250 000 Arbeitsplätzen (BASF, 2 mal Fresenius, Merck) mit Liebig verbinden. Eine derartige Würdigung wäre deshalb hochverdient und hätte außerdem eine nachhaltige positive Auswirkung auf die Stadt und die Region Mittelhessen.

Was liegt Ihnen sonst noch am Herzen?

Rühl: Meine Familie, ganz klar, die kommt an erster Stelle. Ich bin jetzt seit 27 Jahren glücklich verheiratet und sehr stolz auf meine drei Töchter. Mein familiärer Traum wurde erst im zweiten Versuch wahr.

Gab es denn sonst noch etwas Wichtiges in ihrem Leben, was nicht auf Anhieb geklappt hat?

Rühl: Beim ersten Versuch hat einiges nicht geklappt. Mein Traumhaus konnte ich erst im vierten Anlauf realisieren. Das Studium in der Fächerkombination BWL, Englisch und Spanisch habe ich abgebrochen, stattdessen eine Ausbildung zum Datenverarbeitungs-Kaufmann bei einem Softwarehaus absolviert. Sie sehen, auch meine Träume sind nicht alle auf Anhieb in Erfüllung gegangen. Darum meine Botschaft: Ständig an Verbesserungen arbeiten und niemals aufgeben!

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