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Fast alle Busecker Juden wurden ermordet

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Die Nacht, als die Nazis kamen: Es ist der 9. November 1938 als sich nationalsozialistische Schlägertrupps vor der Synagoge am Anger 10 in Buseck zusammenrotten. Sie drangen in das Gebäude ein und verwüsten den Tempel. Doch als sie dann das Gebäude in Brand stecken wollen, griffen andere Bürger ein: Der Brand hätte auf Nachbargebäude übergreifen können, schließlich schritt auch die Feuerwehr ein.

Die Nacht, als die Nazis kamen: Es ist der 9. November 1938 als sich nationalsozialistische Schlägertrupps vor der Synagoge am Anger 10 in Buseck zusammenrotten. Sie drangen in das Gebäude ein und verwüsten den Tempel. Doch als sie dann das Gebäude in Brand stecken wollen, griffen andere Bürger ein: Der Brand hätte auf Nachbargebäude übergreifen können, schließlich schritt auch die Feuerwehr ein.

Vor der ehemaligen Synagoge am Anger 10 in Großen-Buseck trafen sich am Donnerstag zahlreiche Menschen, um den Opfern der Reichspogromnacht 1938 zu gedenken. Initiiert wurde die Gedenkstunde vom Freundeskreis Ehemalige Synagoge Anger 10. Erich Hof, Hannelore Buchtaleck, Markus Ihle, Bernd Appel und Abderrahim En-Nosse erinnerten mit Texten und Berichten an die Geschehnisse 1938 und ihre Bedeutung für heute.

Damals wurde die Synagoge zwar nicht wie vielerorts niedergebrannt, sie wurde jedoch geplündert und Bücher und Mobiliar verbrannt. Zentraler Ort der Gräueltaten war der Anger vor der Synagoge. Hier wurden die jüdischen Familien zusammengetrieben, die Frauen in die ehemalige Schule eingesperrt, die Männer an die Wand gestellt, bespuckt, geschlagen und mit Steinen beworfen. Die jüdische Gemeinde sah sich gezwungen, das Anwesen 1939 an die Gemeinde Großen-Buseck zu verkaufen. Damals lebten insgesamt 34 Mitglieder von zehn jüdischen Familien in Buseck – nahezu alle wurden deportiert und später ermordet. Darunter auch die Familie Berlin, die die Synagoge hier besuchte.

Die Familie mit einem Geschäft in der Kaiserstraße erlebte nur einen Tag nach der Verwüstung gleich den nächsten Schreckenstag: Busecker NSDAP-Mitglieder verwüsteten ihre Wohnung und das darunterliegende Schneidergeschäft. Nur die beiden Geschwister Julius und Fanny Berlin konnten aus Deutschland fliehen und überlebten die Verfolgung – Julius Berlin war der einzige jüdische Busecker, den es nach dem Krieg wieder nach Großen-Buseck zurückzog.

Damit sich so etwas niemals wiederholen soll – genau daran soll die Gedenkstunde mahnen. »Wehret den Anfängen«, sagte Bürgermeister Dirk Haas. Musikalisch umrahmte der Chor »Tonikum« die Gedenkstunde.

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