Das Tor zur früheren Sammler- und Hobbywelt in Alten-Buseck ist weiter verschlossen. Einmal mehr scheint unklar, wie die künftige Nutzung aussieht.
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Das Tor zur früheren Sammler- und Hobbywelt in Alten-Buseck ist weiter verschlossen. Einmal mehr scheint unklar, wie die künftige Nutzung aussieht.

Einst beliebtes Ausflugsziel

Gerüchte um Zukunft von Ex-Sammler- und Hobbywelt – Investor: „Keine Zeit“ für ein Gespräch

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Wie geht es weiter mit der Ex-Sammler- und Hobbywelt in Alten-Buseck? Während die Gemeinde bislang von Kleingewerbe ausgegangen war, ist in einer Online-Anzeige nun von einer »Logistikfläche« die Rede.

Buseck - Wer bei Ebay Kleinanzeigen aktuell nach Immobilien in Buseck sucht, stößt zwischen Wohnungen und Häusern auch auf ein ungewöhnlich großes Objekt. Unter der Überschrift »Lager und Logistikfläche in Autobahnnähe« findet sich ein Inserat zur Vermietung der früheren Sammler- und Hobbywelt im Alten-Busecker Gewerbegebiet Flößerweg. Preis: vier Euro pro Quadratmeter. Objekzustand: »renovierungsbedürftig«.

Knapp 900 Mal wurde die Anzeige von Anfang September für das zweigeschossige Gebäude mit rund 7200 Quadratmetern Nutzfläche bislang aufgerufen. Geschaltet wurde sie von der Immobiliengesellschaft Imaxx. »Momentan sind wir in der Projektierung, wir haben dort mehrere Interessenten«, äußert sich Kai Fetzer, der die Immobilie für Imaxx betreut, auf Anfrage. Für Vermieter sei stets attraktiv, »im Ganzen zu vermarkten« - werde es kleinteilig, sei das oft mit zusätzlichen Kosten verbunden. Nun werde bei der Ex-Sammler- und Hobbywelt geschaut, »ob es jemand komplett braucht«. Was den Interessenten jeweils vorschwebt, dazu hält sich Fetzer bedeckt.

Pläne für Ex-Sammler- und Hobbywelt im Kreis Gießen: Investor gibt keine Auskunft

Fest steht: Der Pohlheimer Investor Efrem Celik hat das Areal mit wechselvoller Geschichte (siehe unten) erworben und ein Planungsbüro beauftragt, um eine neue Nutzung vorzubereiten. Einst war der Bebauungsplan auf die Nutzung als Sammlung zugeschnitten worden, musste daher geändert werden. Den Beschluss dafür fasste die Busecker Gemeindevertretung im Februar. Auf Anfrage will Celik - wie auch schon im Juni - nichts zum Stand und vor allem der geplanten künftigen Nutzung sagen. Er habe derzeit zu viele Termine, »keine Zeit« für ein Gespräch.

Aktuell stehe die Busecker Verwaltung »gar nicht« in Kontakt mit Investor Celik, äußert sich Bürgermeister Dirk Haas. Wie ist sein Kenntnisstand über die geplante Nutzung? »Bisher war die Rede von einem ›Handwerkerhof‹, also der stückweisen Vermietung des Gebäudes für Handwerksbetriebe«, so Haas. »Allerdings gab es in den vergangenen Wochen Annoncen im Internet, die auf eine andere Nutzung abzielten.«. Imaxx-Vertreter Fetzer sieht die Variante des »Handwerkerhofs« eher als »langfristiges Fernziel« - zumal der Markt, auch wegen Corona, zurzeit »unsicher« sei.

Zu welchen gewerblichen Zwecken das bekannte, noch immer rot-blau gestreifte Gebäude künftig konkret dienen soll, bleibt also weiter fraglich. Zwar ist in besagter Anzeige von einer »Logistikfläche« die Rede, aber zumindest die Nutzung durch Speditionen ist laut dem im Februar geänderten Bebauungsplan nicht zulässig. Bislang war die Busecker Verwaltung von Kleingewerbe, etwa im Rahmen eines »Handwerkerhofs«, ausgegangen, darauf war auch die Bebauungsplan-Novelle ausgerichtet. Von einer Änderung dieser Planung »wissen wir offiziell nichts«, sagt Haas.

Pläne für Ex-Sammler- und Hobbywelt in Buseck: Biotop für Zauneidechsen

Unterdessen geht die Bauleitplanung offenbar in geordneten Bahnen weiter, wenn auch mit einer leichten Verzögerung. Im Vorfeld des Radweg-Baus an der direkt nebenan verlaufenden Landesstraße seien Zauneidechsen »vergrämt« worden und hätten sich unter anderem auf dem Areal der Ex-Sammler- und Hobbywelt niedergelassen, so Immo Zillinger, der von Celik beauftragte Planer. Im Rahmen der Offenlage habe die Untere Naturschutzbehörde daher angemahnt, dort geeignete Strukturen für ein Biotop zu schaffen. Dieses sei nun entlang des Zauns auf dem Gelände vorgesehen, etwa mit Steinhaufen und Totholz.

»Es geht um Artenschutz, da gehe ich lieber auf Nummer sicher«, sagt der Planer. Er setze nun auf eine erneute Offenlage mit verkürzter Frist von zwei Wochen. Da ihm allerdings das Biotop-Gutachten noch nicht vorliege, werde das Thema wohl erst im Dezember ins Parlament gehen können. Er sei optimistisch, dass Anfang 2022 der Satzungsbeschluss gefällt werden könne.

Haas bestätigt, dass das weitere Vorgehen so mit dem Bauamt abgestimmt sei, man warte nun auf die Planunterlagen von Zillinger. Gibt es in den Augen des Bürgermeisters noch Hindernisse vor der Umsetzung? Haas: »Von unserer Seite sehen wir keine unüberwindbaren Hürden - wenn es bei der uns bisher vorgestellten Planung bleibt.«

Rückblick: Gebäude im Kreis Gießen mit wechselvoller Geschichte

2005 eröffneten die Brüder Harald und Bernd Busse die Sammler- und Hobbywelt in einem ehemaligen Möbelhaus am Kiesacker in Alten-Buseck. Später übernahm Harald Busses Tochter Marion Bauer das Areal auf zwei Etagen. Über die Jahre entwickelte sich die Sammlung zu einem bekannten Ausflugsziel. Gezeigt wurden Uniformen, Blechspielzeuge, ein »Starfighter« und vieles mehr. Ende September 2018 schloss die Sammler- und Hobbywelt, die Sammlung wurde aufgelöst.

Im März 2019 stellte ein Investorentrio Pläne für eine Nachnutzung vor: Für rund sechs Millionen Euro sollte ein »Familienerlebnispark« samt Hindernis-Parcours, Laser-Tag, Autoscooter und Gastronomie entstehen. Von bis zu 30 000 Besuchern pro Monat war die Rede.

Zwar fasste die Gemeindevertretung einen Aufstellungsbeschluss für die Bebauungsplan- Änderung. Im Juli 2020 wurde allerdings bekannt, dass die Investoren sich zurückgezogen haben und das ehrgeizige Projekt nicht weiter verfolgen. jwr

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