Stefan Sames, der nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt, mit Ehefrau Elke und Sohn Kai. FOTO: KS

Nach Schlaganfall

Ex-Busecker Stefan Sames kämpft sich nach Schlaganfall zurück ins Leben

Nach einem schweren Schlaganfall kämpft sich der ehemalige Busecker Stefan Sames mit der Unterstützung seiner Familie zurück in einen halbwegs normalen Alltag. Doch es gibt viele Hürden.

Stefan Sames hatte bis zu seinem 54. Lebensjahr ein normales Leben, lebte früher in Buseck, nun in Flensungen. Er ging gern seinem Beruf bei einer Maschinenbaufirma nach. Er liebte es, Musik zu machen und Akkordeon zu spielen. Doch nicht nur für ihn, sondern auch für seine Frau Elke und seine beiden Söhne veränderte der 21. September 2015 alles: Stefan Sames erlitt einen Schlaganfall.

Seitdem ist er halbseitig gelähmt, kann nicht mehr sprechen, sitzt im Rollstuhl. Acht Monate verbrachte Stefan Sames auf der Intensivstation der Uni-Klinik Gießen, vier weitere Monate in einer Rehabilitationsklinik.

Nur langsam besserte sich sein Zustand. Nachdem er zunächst in einem Pflegeheim aufgenommen worden war, holte seine Familie ihn nach Hause. "Ich kann schlecht ohne ihn sein", sagt seine Ehefrau Elke. "Wir sind seit 32 Jahren verheiratet."

Sohn Kai, der Sonderpädagogik studiert, freut sich über die Fortschritte, die sein Vater täglich macht. "Er kann ja auch Englisch. Ich rede zudem immer mal Französisch oder Spanisch mit ihm." Über viele Stunden könne sich Stefan Sames zudem damit beschäftigen, Übungen auf dem iPad zu machen, um sich zu verbessern.

In Flensungen zu Hause

Damit die Pflege daheim in Flensungen möglich wurde, musste das Zuhause behindertengerecht umgebaut werden. Rund um das Haus wurden ein Weg und eine Rampe errichtet, um die Ebenen mit dem Rollstuhl wechseln zu können. Das Bad wurde behindertengerecht umgestaltet, ein Pflegezimmer eingerichtet.

Der Aufwand hat sich gelohnt: Jeden Tag macht Stefan Sames Fortschritte auf dem Weg der Genesung, was ihn und sein Umfeld motiviert.

Seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen ist viel daran gelegen, dass ihr Vater sein Leben nicht als Pflegefall verbringt, sondern dass er wieder eigenständig ("einen Tee kochen") an Aktivitäten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann.

So schaut der frühere Fußballtrainer immer noch gern bei Spielen zu, aber: "Wenn alle aufstehen, muss er sitzen." Damit das anders werden kann, braucht er einen sogenannten Aktivrollstuhl mit Aufstehfunktion, den die Krankenkasse abgelehnt hat, auch weil der um die 30 000 Euro kostet. Mit dem bisherigen Rollstuhl sei es nicht möglich, auf Augenhöhe mit seiner Umwelt zu kommunizieren. Der Körper sinke immer weiter zusammen und Skelett und Muskulatur entwickeln sich zurück. Weil die Krankenkasse mehrfach abgelehnt hat, will nun der Sozialverband VdK klagen: Ausgang ungewiss. Und weitere Monate verstreichen aus Sicht der Familie ungenutzt.

Eine weitere große Hilfe wäre zudem ein sogenanntes Intensivtraining mit verschiedenen Therapien für den Körper und das Wiedererlernen der Sprache. Dort war er bereits im Frühjahr zwei Wochen, die Therapie musste dann aber wegen der Corona-Krise abgebrochen werden. Der Antrag für einen neuerlichen Aufenthalt sei abgelehnt worden, weil die Meinung vorherrscht, dass keine bahnbrechenden Fortschritte mehr zu erwarten sind. Die Sprache werde nicht wiederkommen, wenn sie zwei Jahre weg war. Diese Therapie würde 5000 Euro kosten. Zumindest eine Reha sei jetzt genehmigt, ist Elke Sames erleichtert. Ihr fällt es nicht leicht, um Hilfe zu bitten: "Es ist kein schönes Gefühl, bei den Ärzten hausieren zu gehen. Wir kommen immer mit Forderungen, wer will das schon?"

Gemeinsamer Urlaub

Man nimmt ihr ab, dass es ihr und dem Rest der Familie darum geht, Stefan Sames eine bestmögliche Lebensqualität zu erhalten. Sames, der schwere Fall, von dem viele meinten, er kommt nicht durch, sitzt mit am Tisch, lauscht aufmerksam und gibt ab und zu mit den Händen oder mit Wörtern einen kleinen Kommentar ab oder freut sich sichtlich, wenn Ehefrau und Sohn den gemeinsamen Familienurlaub vor Kurzem in St.-Peter-Ording erwähnen.

"Das sind kleine Leuchttürme auf unserem Weg", sagt Elke Sames. An ihr ist der Kampf um Hilfsmittel und Zuschüsse nicht spurlos vorbeigegangen. Sie will darum kein Aufhebens machen, aber: "Wir kämpfen jeden Tag." Das Geld, das eigentlich für die Altersversorgung gedacht war, sei aufgebraucht.

Ihr wurde schon geraten, das Haus zu verkaufen, welches das Paar gemeinsam baute und in dem sie Platz hat, um ihren Mann zu betreuen. "Das Haus ist unsere Burg. Das kann ich nicht aufgeben."

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