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Trohe - hier im Luftbild - gehört seit 50 Jahren zur Gemeinde Buseck.

Erster Schritt zur Großgemeinde

  • VonSiglinde Wagner
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Buseck (siw). Auf den Tag genau vor 50 Jahren, am 1. Oktober 1971, schlossen sich die ehemals selbstständigen Gemeinden Oppenrod und Trohe auf freiwilliger Basis der Gemeinde Großen-Buseck an. Den Anstoß dazu gaben die Reformplanungen der Landesregierung. Für die beiden kleinen Dörfer mit damals etwa 555 Einwohnern war dies keine leichte Entscheidung.

Entscheidung mit »Bauchschmerzen«

Gemäß der Modellplanung sollte Oppenrod der Gemeindegruppe Reiskirchen zugeschlagen werden. Das entsprach jedoch nicht dem Wunsch der Bürger. Renate Renger erinnert sich: »Durch die Evangelische und Katholische Kirche und die Verkehrsanbindung hatten wir einen viel stärkeren Bezug zu Großen-Buseck. Vor 50 Jahren hatten ja nicht alle ein Auto, über den ›Stückerweg‹ gelangte man an den Bahnhof von Großen-Buseck.« An die Zustimmung zum Zusammenschluss geknüpft waren die Herrichtung sanitärer Anlagen am Sportplatz, der Neubau eines Kindergartens und Spielplatzes und der Schulhausumbau in ein Bürgerhaus mit der 1973 eröffneten Dorfkneipe.

Finanziert werden sollte dies über die erhöhten Schlüsselzuweisungen. Da das hessische Innenministerium durch den Wegfall des kleinen Dorfes die Bildung einer leistungsstarken Gemeinde im Raum Reiskirchen nicht als gefährdet ansah, hielt man es für vertretbar, den Wunsch der Oppenröder Bürger zu respektieren.

In Trohe wurde die Entscheidung mit »Bauchschmerzen« getroffen. Auszug aus dem Protokollbuch der Gemeindevertretersitzung vom 9. Juli 1971: »Nach einer eingehenden Diskussion stellt Gemeindevertreter Marscheck den Antrag, dem Grenzänderungsvertrag aus Gründen des öffentlichen Wohls der Eingliederung mit der Gemeinde Großen-Buseck zuzustimmen.« Das Ergebnis: Sechs Jastimmen aus der SPD-Fraktion, zwei Nein-stimmen von Rühl und Deibel (FWG). »Mein Bruder Philipp hat nicht zugestimmt, weil er die Entscheidung von Rödgen und Alten-Buseck abwarten wollte«, erklärte Dieter Rühl auf Anfrage. Nach dem Vorschlag des Ministeriums zur gemeindlichen Neugliederung im Raum Wetzlar-Gießen sollten Rödgen und Alten-Buseck der Gemeinde Großen-Buseck angeschlossen werden. Beide wollten jedoch, in der Hoffnung auf eine Stadtbusanbindung, zur Lahnstadt gehören. Trohe liegt genau dazwischen.

Im Herbst 1971 war Trohe in allen Bereichen kommunaler Ausstattung tadellos in Ordnung, wenngleich eine geringfügige Verschuldung vorlag. So steht es im Gießener Kreiskalender von 1976. Die Umwandlung des ehemaligen Feuerwehrgeräteraumes im Dorfgemeinschaftshaus in eine Gaststätte, der Einbau von neuen Fenstern und die Ausweisung eines Neubaugebietes am Sportplatz werden als Forderungen von Troher Seite zum Zusammenschluss aufgeführt.

Dem »Schwebezustand« war es geschuldet, dass der Gemeindevorstand Beuern im Januar 1971 kundtat, zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein Interesse an einem Zusammenschluss mit Großen-Buseck zu haben. Falls Alten-Buseck, Rödgen und Trohe nach Gießen und Oppenrod nach Reiskirchen abwanderten und damit nur noch Beuern und Großen-Buseck für eine Gemeindegruppe übrigblieben, sei anzunehmen, dass sich diese kleine Gruppe der neuen Großgemeinde Reiskirchen anschließen wird. Im Zuge der Gebietsreform wurden Alten-Buseck und Beuern schließlich durch Order aus der Staatskanzlei am 1. Januar 1977 der Gemeinde Großen-Buseck zugewiesen. Die Großgemeinde Buseck mit fünf Ortsteilen war gebildet.

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