Veranstaltung mit 350 Teilnehmern

Entsorgung von Bauschutt immer komplexer und teurer

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Eine Veranstaltung des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen mit dem Regierungspräsidium Gießen im Rahmen der Umweltallianz Hessen in Buseck zur Problematik der Entsorgung von Böden stieß auf ein großes Echo: Etwa 350 Teilnehmer aus Verwaltung, Kommunen, Ingenieurbüros, Entsorgungsfachbetrieben und Bauunternehmen waren der Einladung gefolgt.

Eine Veranstaltung des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen mit dem Regierungspräsidium Gießen im Rahmen der Umweltallianz Hessen in Buseck zur Problematik der Entsorgung von Böden stieß auf ein großes Echo: Etwa 350 Teilnehmer aus Verwaltung, Kommunen, Ingenieurbüros, Entsorgungsfachbetrieben und Bauunternehmen waren der Einladung gefolgt.

Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich erklärte, die Entsorgung von Erdaushub und Bauschutt werde immer komplexer. Dazu trage vor allem die Rechtslage bei. "Die ausführenden Unternehmen stehen vor schwer zu kalkulierenden Risiken." Gleichzeitig fehle es an Strategien und Lösungen zur Vermeidung und Verwertung von Erdaushub und Bauschutt sowie dem verstärkten Einsatz von Recyclingbaustoffen.

Weite Transportwege

Frank Dittmar, Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen, verdeutlichte die Dimension des Problems: "Bau- und Abbruchabfälle stellen den mit Abstand größten Anteil der anfallenden Abfälle in Deutschland dar. In Hessen sind das jedes Jahr circa 13 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle." Knapp die Hälfte davon ist Erdaushub. Besorgniserregend sei die Verschiebung von bisher als "nicht gefährlich" deklariertem Abfall hin zu "gefährlichem Abfall", wie es die Statistik Hessen im vergangenen Jahr mit plus 24 Prozent für das Jahr 2015 festgestellt hatte.

Dass das Thema Erdaushub ein Problem für die Umwelt darstellt, wurde im Laufe der Veranstaltung immer deutlicher. Auf den Autobahnen gehören Lastwagen voller Erde und Bauschutt schon längst zum alltäglichen Bild. Diese Abfälle werden über immer weitere Strecken transportiert und belasten einerseits aufgrund der verkehrsbedingten Treibstoffemissionen die Umwelt und andererseits den Verkehrsfluss sowie die Substanz von Brücken und Straßen erheblich. Abgeladen werden die Bau- und Abbruchabfälle mittlerweile oft mehr als 100 Kilometer von der Baustelle entfernt.

Baufremde Leistungen

Bereits die Entsorgung von Erdaushub kleinerer Baumaßnahmen, etwa von Wohnhäusern oder Kanalbaumaßnahmen, bereite zunehmend Probleme und Kosten, die letztendlich der Bürger zu tragen hat. In Ballungszentren betragen die Entsorgungskosten für den Aushub eines Einfamilienhauses bis zu 30 000 Euro. Dies sind Kosten für baufremde Leistungen, die mit der eigentlichen Bauleistung nichts zu tun haben und das Budget der Bauherren schmälern.

Die Teilnehmer sahen in den unterschiedlichen Analyseverfahren von Erdaushub, die je nach Entsorgungsweg erforderlich sind, ein wesentliches Problem und Ärgernis. Zu Beginn einer Maßnahme ist meist unklar, ob und wo der Erdaushub verwertet oder beseitigt wird.

Frank Dittmar sagte, die Veranstaltung habe gezeigt, welch großer Handlungsdruck bei der Entsorgung von Erdaushub vorhanden ist. Es sei wichtig, dass Wirtschaft und Behörden im Gespräch sind, damit Lösungen vor Ort gefunden werden. Die Einrichtung eines runden Tisches im RP Gießen – wie es der Regierungspräsident Dr. Ullrich zugesagt hat – dürfte dazu führen, "dass wir zu pragmatischen Lösungen im Sinne der Umwelt kommen, ohne die Kosten ins Unermessliche zu steigern. Wir wollen bauen und nicht entsorgen". Es komme letztendlich dem Geldbeutel der Auftraggeber zu Gute, "wenn wir Erde nicht als Abfall entsorgen, sondern als Wertstoff begreifen und nutzen". Karin Ohm-Winter, Abteilungsleiterin der Abteilung IV Umwelt im Regierungspräsidium Gießen, meinte zudem, der Einsatz von Recyclingmaterial müsse stärker in den Köpfen sein, um Abfalltransporte zu reduzieren und nachhaltiges Handeln zu ermöglichen.

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