Einhundert Prozent für Thorsten Schäfer-Gümbel

Gießen/Buseck (so/süd). Im Ergebnis bei der Nominierung sind sie einander schon einmal ebenbürtig – alles weitere weist sich im September: Thorsten Schäfer-Gümbel ist am Freitag im Busecker Kulturzentrum mit einhundert Prozent, mit 101 von 101 abgegebenen Stimmen, als Kandidat im Wahlkreis Gießen-Land, nominiert worden.

Gegenspieler von der CDU ist deren Spitzenkandidat und Ministerpräsident Volker Bouffier, der vor fünf Wochen ebenfalls mit hundertprozentiger Zustimmung aufgestellt wurde.

Kein geringerer als der Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel empfahl den heimischen Sozialdemokraten den in Birklar wohnenden Schäfer-Gümbel als ihren Mann für den Wahlkreis Gießen-Land und als Spitzenkandidaten für den Landtagswahlkampf mit den Worten: "Thorsten ist Glücksfall für die hessische SPD!". In einer exakt 45-minütigen Rede unternahm Gabriel nicht nur eine Tour d’Horizont durch die Bundespolitik, sondern würdigte vor allem die integrierende Leistung des hessischen Landeschefs: "In Hessen hat die SPD wieder ein Chance" – und das liegt an Dir, Thorsten".

Vor knapp fünf Jahren habe niemand geglaubt, dass die Sozialdemokraten so schnell wieder in die Nähe von Regierungsverantwortung kommen. Das sei eine Gemeinschaftsleistung, sie sei "TSG" zu verdanken.

Denn er habe es verstanden, die Sozialdemokraten im Land zu sammeln und zu führen: mit klarer Debatte, mit Argumenten, mit dem Aussprechen auch unbequemer Dinge – und mit "Compassion", mit der Gabe, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, wie es Willy Brandt einmal genannt hat.

"Wir setzen auf Sieg!"

"Wir treten nicht an, auf Platz zu spielen, sondern wir setzen auf Sieg!", zeigte sich Thorsten Schäfer-Gümbel kämpferisch. Nur viereinhalb Jahren nach schwieriger Zeit könne die SPD wieder von Regierungsverantwortung reden, werde als Ansprechpartner alle gesellschaftlicher Gruppierungen wieder ernst genommen. Dies sei nur gelungen, "weil ihr Genossen mir das Vertrauen geschenkt habt, dass wir das gemeinsam wuppen", sagte ein überaus selbstbewusster Herausforderer des Ministerpräsidenten. Er erwarte da einen "Vollkontakt-Wahlkampf".

Und scheute sich nicht, sich in große sozialdemokratische Traditionen zu stellen: Wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Erfolg in Hessen sei eng verbunden mit Georg August Zinn, Albert Osswald, Holger Börner, und Hans Eichel, eng verbunden mit sozialdemokratischer Politik.

Neben diesen klaren, kämpferischen Ansagen zeigte sich der Sozialdemokrat phasenweise fast staatsmännisch und stützte sich im "Jahr der Sozialdemokratie" – die Partei wurde vor 150 Jahren gegründet – in seiner mehrfach von Beifall unterbrochenen Rede auf vier große Leitlinien: Arbeit und Gerechtigkeit, Bildung, Soziale Gerechtigkeit und Integration. Die damit verbundenen Aufgaben und die Verantwortung seien – wenngleich auf anderen Ebenen – unverändert aktuell. Politik müsse es endlich wieder leisten, den Menschen Perspektiven und Hoffnungen zu vermitteln. Dazu gehöre es, vor allem Bildung in den Mittelpunkt politischer Arbeit zu rücken. Dies sei Voraussetzung für ein Mehr an Chancengleichheit und das Verbessern beruflicher und sozialer Situationen.

Wobei sich Schäfer-Gümbel, aufgewachsen in Gießen, im Kontext von Tradition und Bildung eine heitere Anspielung auf das Landgraf-Ludwig-Gymnasium nicht verkniff, das nachgerade eine "Kaderschmiede der SPD" sei: Das Abitur hätten dort vor ihm bereits Wilhelm Liebknecht und Hans-Jochen Vogel abgelegt… "Aufsteigende Linie", so der trockene Kommentar von Gabriel.

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