"Ein riesiger Feuerball schoss in den Himmel…"

Buseck (rüg). "Es war gestern gegen 10.26 Uhr: Von Reiskirchen-Oppenrod her jagte eine Phantom im Tiefflug an Großen-Buseck vorbei in Richtung Buseck-Beuern. Plötzlich zog die Aufklärungsmaschine eine ganz enge Kurve, wie Zeugen nach dem Absturz der Phantom RF 4 E berichteten, stieß eine schwarze Abgaswolke aus, flog eine weitere Kurve, drehte sich plötzlich wie bei einem Looping (…) und ging in eine steilere Kurve über." Dann hörte ein Augenzeuge einen dumpfen Knall, und ein 200 Meter hoher Feuerball stieg von einem abgeernteten Acker unterhalb des Schlittberges an der Autobahn auf. - So berichtete Olaf Kommer für die "Allgemeine Zeitung" am 16. September 1983 über ein schreckliches Ereignis, das einen Tag zuvor zwei Menschenleben gefordert hatte und bei dem die Busecker nur knapp einer Katastrophe entgangen waren.

Buseck (rüg). "Es war gestern gegen 10.26 Uhr: Von Reiskirchen-Oppenrod her jagte eine Phantom im Tiefflug an Großen-Buseck vorbei in Richtung Buseck-Beuern. Plötzlich zog die Aufklärungsmaschine eine ganz enge Kurve, wie Zeugen nach dem Absturz der Phantom RF 4 E berichteten, stieß eine schwarze Abgaswolke aus, flog eine weitere Kurve, drehte sich plötzlich wie bei einem Looping (…) und ging in eine steilere Kurve über." Dann hörte ein Augenzeuge einen dumpfen Knall, und ein 200 Meter hoher Feuerball stieg von einem abgeernteten Acker unterhalb des Schlittberges an der Autobahn auf. - So berichtete Olaf Kommer für die "Allgemeine Zeitung" am 16. September 1983 über ein schreckliches Ereignis, das einen Tag zuvor zwei Menschenleben gefordert hatte und bei dem die Busecker nur knapp einer Katastrophe entgangen waren.

Bei dem Unglück kamen der Pilot, ein 31-jähriger Haupmann, und sein 37-jähriger Kampfbeobachter ums Leben. Die Maschine vom Aufklärungsgeschwader 52 in Leck bei Niebüll in Nordfriesland war in Bremgarten bei Freiburg im Breisgau gestartet. Sie war auf einem Aufklärungsflug, hatte aber weder Bordmunition noch Bomben dabei. Es handelte sich um die 22. Bundeswehr-Phantom, die bis zu diesem Zeitpunkt abgestürzt war. Der amerikanische Mehrzweckjäger war Anfang der 70-er Jahre in der Bundeswehr eingeführt worden.

Den Einsatzkräften, die als erste die Unglücksstelle erreichten, bot sich ein schlimmes Bild: Wrackteile waren auf einer Fläche von rund zwei Kilometern Länge verstreut, Fallschirmfetzen und teilweise versengte Leichenteile waren fast 100 Meter weit geschleudert worden.

"Das war kein schöner Anblick", erinnerte Augenzeuge Heinrich Kimmel gestern auf Anfrage der "Allgemeinen Zeitung". Kimmel war damals Busecker Ortsbrandmeister und außerdem für die Bauaufsicht der damals entstehenden Umgehungsstraße zuständig. Er sah, wie sich die Phantom aus Richtung Leppermühle näherte, eine Kurve flog und dann in einem riesigen Feuerball verschwand. Er sei daraufhin sofort ins Feuerwehrgerätehaus gelaufen und habe Katastrophenalarm ausgelöst. In diesem Zusammenhang erinnerte sich Kimmel auch daran, dass erst kurz vor dem Unglück im Großen-Busecker Industriegebiet bei der Firma Drachen-Gas große Propangastanks installiert worden waren. Kaum auszudenken welche Folgen es gehabt hätte, wäre die Maschine dort abgestürzt.

Die Busecker Feuerwehr war noch bis gegen Mittag für das Ablöschen der Trümmer zuständig, danach, so Kimmel, sei man durch Kräfte der Bundeswehr abgelöst worden, die das Gelände dann auch abgeschirmt hätten. Die Absturzstelle wurde zum militärischen Sicherheitsgebiet erklärt. Widersprüchlich waren manche Zeugenaussagen zum Hergang des Unglücks. Während einige kein Feuer vor dem Absturz gesehen hatten, wollte ein Beobachter von Reiskirchen aus eine Explosion an Bord des Jägers wahrgenommen haben. Ein Anderer sprach von einem furchtbaren Schlag, der die Maschine getroffen haben musste.

Als schwierig erwies sich auch die Suche nach der zweiköpfigen Besatzung. Kinder hatten von der Leppermühle aus beobachtet, dass kurz vor dem Absturz ein Schleudersitz aus der Phantom herauskatapultiert wurde. Das hatte eine großangelegte Suche mit Feuerwehrleuten, Polizisten, Kräften von der Bundeswehr, einem Polizei- und einem Luftrettungs-Hubschrauber ausgelöst. Die Suche wurde jedoch ergebnislos abgebrochen.

Schließlich stellte sich heraus, dass die Leichenteile, die man zunächst dem Piloten zugeordnet hatte, zum Kampfbeobachter gehörten. Der Pilot war in der Kanzel des Fliegers wie ein Geschoss in den lockeren Ackerboden hineinkatapultiert worden. Die Überreste des 31-jährigen wurden am Abend gefunden.

Erste Vermutungen zur Absturzursache: ein Vogelschlag oder das Abreißen des Luftstromes, weil die Maschine zu niedrig geflogen war. Auch ein Fehlverhalten des Piloten oder ein Schubabriss der Triebwerke in einer zu engen Kurve wurde nicht ausgeschlossen. Endgültig geklärt wurde die Absturzursache jedoch nie.

Einig waren sich die Busecker und der damalige Bürgermeister Helmut Hofmann jedoch darin, dass Großen-Buseck nur knapp einer Katastrophe entkommen war. Auch ohne Munition hätte der Treibstoff innerhalb des Ortes für ein Flammenmeer gesorgt. Viele sind überzeugt, dass der Pilot dies vermeiden wollte und letztlich sein und das Leben seines Kameraden geopfert hat.

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