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Die Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz am Mönchswiesengraben in Beuern sind fertig, unter anderem wurden drei Rohre eingesetzt.

»Echter Gewinn« für die Gemeinde

Buseck (keh). Ein altes deutsches Sprichwort besagt: Was lange währt, wird endlich gut. Diese Weisheit dürfte auch auf das Thema Hochwasserschutz in Beuern zutreffen - seit Jahrzehnten bemühen sich die Verantwortlichen um eine Lösung. »Nun können wir endlich etwas vorzeigen«, sagte Michael Thelen, Leiter des Fachbereichs Bauen, beim Ortstermin. Denn seit Mitte März gilt die Renaturierung des Mönchswiesengrabens als abgeschlossen.

In der Vergangenheit trat der Krebsbach entlang der Häuser in Fünfhausen nach Starkregen öfters über die Ufer. Als »große Lösung« war ursprünglich ein Rückhaltebecken an der L 3126 geplant.

Doch schon vor Bürgermeister Dirk Haas’ Amtszeit zeichnete sich ab, dass diese nicht zu realisieren ist. Damals hieß es, die Verhandlungen mit dem Grundstückseigentümer seien gescheitert. Schlussendlich einigte man sich auf die jetzt abgeschlossene »kleine Lösung«. So wurde ab Dezember 2020 eine Verbindung zwischen dem Erlenwiesenbach und dem aus Geilshausen kommenden Mönchswiesengraben geschaffen. Die Bachläufe wurden so geändert, dass der Erlenwiesenbach künftig durch sein altes Bett, den Mönchswiesengraben, geleitet wird, statt wie vorher in den Krebsbach zu münden (die Gießener Allgemeine Zeitung berichtete).

Etwa 3,5 Kubikmeter Wasser könnten nun pro Sekunde abfließen, wie Bernd Becker vom zuständigen Ingenieurbüro Zick-Hessler aus Wettenberg erläuterte. Zusätzlich wurden die Läufe verbreitert und hangabwärts entschleunigt. Störelemente wie Wurzelstöcke oder Baumstämme fördern die Eigendynamik des Wassers. Zudem sorgt eine Flutmulde an der L 3126 für Entlastung im Extremfall.

Im Vorfeld war, so der Bürgermeister, vor allem der Erwerb der für die Renaturierung benötigten Grundstücke eine Herausforderung. »Das war das Schwierigste an der ganzen Sache«, sagte er. Durch »gute Verhandlungen« mit rund 15 Eigentümern sei es letztendlich, auch über den Flächentausch, gelungen.

Mehrwert für Bewohner und Tiere

Eine weitere Schwierigkeit ergab sich während der Bauphase. An der Stelle, an der Rohre für einen unterirdisch geführten Teil des Mönchswiesengrabens eingesetzt werden sollten, traf man auf Telefon- und Wasserleitungen. Drei kleine Rohre ersetzten deshalb ein großes, so Becker.

Aufgrund der Wetterverhältnisse während der Bauarbeiten musste das Vorhaben kurzzeitig eingestellt werden. Dennoch sei es wichtig, die Maßnahmen im Winter durchzuführen - dann sei der Einfluss auf die Natur möglichst gering, erläuterte Haas. Trotzdem sei man genau in dem veranschlagten Zeitraum geblieben.

Wurde das Vorhaben von den Bürgern im Dorf zunächst kritisch angesehen, ernteten die Verantwortlichen nun positives Feedback. »Es wertet den Ortsrand einfach auf«, meinte der Bürgermeister. Zudem sei das Projekt annähernd kostenneutral (siehe Infokasten) und dabei noch ein »echter Gewinn für die Gemeinde« gewesen.

Die ökologische Baubegleitung Olivia Vollhardt vom gleichnamigen Marburger Planungsbüro sah das Projekt auch aus naturschutzfachlicher Sicht als »gut gelungen« an. »Man sieht schon erste Tiere, die für das Gewässer typisch sind.« Auch Alexander Arnold von der Firma Zehe, die auf Wasserbau spezialisiert ist, konstatierte: »Das ganze hat einfach einen Mehrwert.«

Während die Trockenzeit des Mönchswiesengrabens nun ein Ende hat, schmieden die Verantwortlichen bereits Pläne für den Krebsbach. »Dort geht es sukzessive weiter«, sagte Haas. Er wurde nämlich zu einem der »100 wilden Bäche für Hessen« gewählt. Die Aufgabe des Landesprogrammes ist es, Fließgewässern ihre natürlichen Strukturen wiederzugeben und die Kommunen dabei zu unterstützen.

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