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Pfarrer i.R. Louis Ferdinand von Zobeltitz predigt in der Oppenröder Kirche. Durch die Liturgie führte Michael Karg (l.).

Die Rückkehr des Pfarrers

Buseck/Fernwald (son). Es war ein besonderer Erntedankgottesdienst, den die evangelische Gemeinde am vergangenen Sonntag in der Oppenröder Kirche feierte.

Für Liturgie und Predigt zeichneten zwei Pfarrer verantwortlich, die schon vor Jahren in der Region wirkten und einen bedeutenden Eindruck bei den Gläubigen hinterlassen hatten: Einmal Louis Ferdinand von Zobeltitz, der von 1974 bis 1981 als junger Pfarrer in Steinbach tätig war und zum anderen Michael Karg, der viele Jahre als Pfarrer für die Gemeinde in Oppenrod zuständig war und später Dekan des Dekanats Gießen und alsdann Propst von Nord-Nassau wurde. Beide wurden vor 49 Jahren in Oppenrod ordiniert und kennen sich seit ihrer Studienzeit in Marburg.

»Ich bin überwältigt, dass heute so viele Steinbacher den Weg in die Oppenröder Kirche gefunden haben.« Der 76-jährige Louis Ferdinand von Zobeltitz stand hinter dem schön geschmückten Altar und blickte in viele ihm bekannte Gesichter. »Ja, man sieht an den anderen, dass man alt geworden ist«, sagte er schmunzelnd.

1991 war er nach Bremen gezogen und dort vier Jahre später zum Schriftführer des Kirchenausschusses der Landeskirche gewählt worden. Damit zählte er zur Kirchenleitung der Bremischen Evangelischen Kirche und wurde auch als Mitglied in die Kirchenkonferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland entsandt.

In seiner Predigt ging er auf den Bibeltext aus dem Paulus-Brief an Timotheus, Kapitel vier, ein. »Die Mitte der Bibel ist Lebensfreude«, sagte er und mahnte, nicht den Weg der lebens- und lustfeindlichen Gnostiker zu gehen. »Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und für alles, was lebensdienlich ist, sollen wir dankbar sein.« Lustfeindlichkeit sei nicht mit der christlichen Lebenshaltung zu vereinbaren. Aber auch Gier und Hemmungslosigkeit solle man sich nicht hingeben. »Die Welt hat genug für alle, aber nicht für die Gier.« Der Bibeltext werbe dagegen für das Genießen, das von Danksagung ummantelt sei. »Wer dankt, der denkt«, sagte der 76-Jährige

Zum dankbaren Genießen gehöre auch der achtsame Umgang mit Natur und Lebensmitteln. Unzählige Lebensmittel würden weggeworfen und die Agrarlandschaften seien mittlerweile »grüne Wüsten« ohne Insekten und Vogelleben. »Die bäuerlich romantische Welt, wie sie in dem wunderschönen Erntedanklied von Matthias Claudius besungen wird, gibt es so nicht mehr«, so der Pfarrer in Ruhestand.

Gründer des Frauentreffs

Nach dem Gottesdienst nahmen viele Menschen die Gelegenheit wahr, persönlich mit von Zobeltitz zu sprechen. »Er hat damals unheimlich viel für die Gemeinde in Steinbach getan, er war ein ganz besonderer Pfarrer«, meint eine Frau. So habe von Zobeltitz den Frauentreff gegründet, der heute noch bestehe und war besonders engagiert in der Jugendarbeit. »Einfach ein toller Pfarrer.«

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