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Bei der Kommunalwahl im März waren in Buseck viele junge Wahlhelfer im Einsatz. ARCHIVFOTO: TI

»Die können das!«

Buseck (keh). Ingrid Macht ergreift das Wort in der Zoom-Konferenz, bei der die vergangene Kommunalwahl nachbereitet wird. »Es wird immer gesagt, die Jugend von heute macht nichts und zeigt auch kein Interesse mehr«, kritisiert die Teamleiterin der Jugendförderung des Landkreises. Das sei schade, denn sie habe die Erfahrung gemacht, dass junge Leute auch kämen, wenn sie zu etwas eingeladen werden.

So passiert sei das zuletzt »beispielhaft« in Buseck. Dort haben im März etwa 30 Jugendliche im Alter von 18 bis 23 Jahre als ehrenamtliche Helfer die Kommunalwahl begleitet.

Im Vorfeld erklärten die Busecker das Ziel, mindestens zwei jugendliche Wahlhelfer für jedes der 15 Wahllokale zu gewinnen. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Gemeinde beschlossen, die Initiative »Jugendpolitik für die guten Orte von morgen: Jugendgerechte Städte und Gemeinden - jugendgerechter Landkreis Gießen« mit dem Kreis einzugehen. In einer Pressemitteilung hieß es, die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen wahr- und ernstzunehmen, sei wichtig für die Entwicklung zu einer jugendgerechten Kommune. Dazu gehöre auch, demokratische Prozesse einzuüben und zu erfahren.

»Was liegt da näher, als Jugendliche an der politischen Arbeit bei jeder Geburtsstunde eines Parlaments teilhaben zu lassen?«, sagte der Parlamentsvorsitzende Norbert Weigelt damals - und das Projekt war geboren. Im Kinder- und Jugendbeirat wollte der kommissarische Jugendbeauftragte die Mitglieder nicht nur für den Urnengang, sondern auch für das dahinterstehende Ehrenamt begeistern. Sofort hätten sich zehn Jugendliche bereit erklärt, darunter auch die Vorsitzende Svenja Koch.

Die Jugendbeiratsmitglieder hätten dann Freunden von dem Projekt erzählt, bald waren die angepeilten zwei Helfer pro Lokal gefunden. Weigelt: »Ich habe gar nicht zu hoffen gewagt, dass sich so viele finden.« Die Bereitschaft der Jugendlichen sei auch vor dem Hintergrund der Pandemie »toll« gewesen. So konnte verhindert werden, dass sich Mitglieder einer Risikogruppe der Gefahr einer Infektion aussetzten.

Neben Macht, Weigelt und Koch waren auch Bürgermeister Dirk Haas, Jugendpfleger Andreas Geck, Gemeinde-Wahlleiterin Ilona Schindler und zwei weitere jugendliche Wahlhelfer, Vanessa Failing und Doreen Haupt, zu der virtuellen Nachbesprechung eingeladen. Abgesehen von Haupt, die bereits bei der Europawahl 2019 Dienst schob, waren die anderen beiden Jugendlichen nicht nur erstmals Wahlhelfer, sondern auch Erstwähler.

Für die 18-jährige Koch war die Tätigkeit dadurch sehr »spannend«, da man einen anderen Blickwinkel auf die Wahl erhalten habe. Failing berichtete zwar von anfänglichen Startschwierigkeiten und Staus beim Auszählen am Montag - alles in allem habe es aber »Spaß gemacht«.

Die drei Freiwilligen erzählten, dass sie schon vor ihrer Aufgabe als Wahlhelferinnen engagiert und interessiert an Politik waren. Svenja Koch findet es besonders wichtig, wählen zu gehen. Daher habe sie auch bei Freunden dafür geworben, das »Kreuzchen setzen zu gehen«. Auch Vanessa Failing ist die Wahl »sehr wichtig«. Die 19-Jährige sieht es als Privileg an, dass sie in Deutschland einfach so wählen gehen könne. In anderen Ländern sei dies oftmals nicht der Fall.

Jugendliche zeigen Einsatz

Bürgermeister Haas stellte ähnlich wie Macht eingangs fest, dass Jugendlichen zu wenig zugetraut werde. »Es gehört ein bisschen Mut und Vertrauen von anderen dazu. Die können das!« Die Beteiligten sind sogar davon überzeugt, so Weigelt, dass die Gemeinde Buseck gerade wegen der jungen Helfer mit führend war was Ablauf und Schnelligkeit der Wahl angehe. Jugendpfleger Andreas Geck war besonders beim Auszählen der Stimmen von der Einsatzbereitschaft und dem Durchhaltevermögen der Jugendlichen beeindruckt. Für Svenja Koch war die Zählerei am Montag »etwas ganz anderes, man musste sich sehr konzentrieren«.

Trotzdem werden sie und die beiden anderen Weigelts Einladung, bei der Bundestagswahl im September erneut zu helfen, gerne annehmen. »Du kannst auf uns zählen«, sagt KJB-Vorsitzende Koch.

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