pax_1228leinen_060821_4c_1
+
pax_1228leinen_060821_4c_1

Die »Bousseldande« und der alte Sack

  • VonSiglinde Wagner
    schließen

Er ist mehrfach geflickt und gestopft und hat sogar noch ein Loch. Ein Geschenk der besonderen Art machte Günther Schmidt dem Mundart-Duo »Bousseldande«. Im Anschluss an deren Überraschungsauftritt bei den Alten-Busecker Landfrauen überreichte er einen Leinensack, in dem anno dazumal Getreide oder auch Mehl transportiert wurde.

Auf der einen Seite steht der Name des ersten Besitzers Wilhelm Henß III. (geboren 1860), dreht man den Sack um, ist noch der Name des Sohns Heinrich Henß I. (geboren 1895) mit einer Schablone aufgedruckt.

Der Großen-Busecker Wilhelm Henß III. war der Urgroßvater von Schmidt (Henße Günther), den es durch die Heirat mit der Landfrauen-Vorsitzenden Margit Schmidt vor mehr als 50 Jahren nach Alten-Buseck verschlagen hat. Das Leinenmaterial ist handgewebt, und es ist anzunehmen, dass es noch wesentlich älter ist, als es die damaligen Besitzer vermuten lassen.

Es war nicht unüblich, aus alter Leinenbettwäsche solche Getreidesäcke zu nähen. Man kann also von einem frühen Upcycling sprechen. Den damaligen Wert eines solchen Stoff-Stückes kann man heute nur erahnen. Wie viele Stunden brauchte wohl ein Handweber, bis er ein Stück Leinen in dieser Größe gewebt hat? Dies abgesehen von dem Herstellen des Grundmaterials den Leinenfäden (Flachsanbau, Verarbeitung und Spinnen). Wenn ein Mäuslein mal ein Loch in den Sack gefressen hat, dann wurde es gestopft.

Die vielen Flicken sind ein Zeugnis dafür, den Wert und Nutzen des Stückes zu erhalten. Übriges hat Schmidt selbst als kleiner Bube noch auf einem Strohsack aus Leinen geschlafen.

Jochen Strunk (Mitte) und Klaus Wolf (links) freuten sich über das Geschenk, das sie sicherlich als Requisite in ihr Theaterprogramm »Bauer und Magd« einbauen können. Für die einen ist er wertlos, andere wissen ihn zu schätzen … und dies sogar mit Loch. Unter den Landfrauen hat sich tatsächlich niemand gefunden, der den alten »Fricht-Sagg« hätte fachmännisch stopfen können oder wollen. siw/FOTO: SIW

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare