Udo Heinrich, Inhaber der Wiesecker Werkzeugvermietung, ist trotz der schwieirigen Lage guter Dinge. ARCHIVFOTO: SCHEPP
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Udo Heinrich, Inhaber der Wiesecker Werkzeugvermietung, ist trotz der schwieirigen Lage guter Dinge. ARCHIVFOTO: SCHEPP

Corona

Corona-Krise im Kreis Gießen: Bei Wiesecker Werkzeugvermietung fragt auch die Bundeswehr an

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Bei der Wiesecker Werkzeugvermietung in Alten-Buseck läuft zurzeit vieles ungewohnt. In der Krise sieht Inhaber Udo Heinrich auch Chancen, nun interessieren sich neue Kunden für den Werkzeugverleih.

Dass er eine solche Situation erleben würde, kurz bevor er sein Unternehmen in neue Hände übergibt, war für Udo Heinrich nicht absehbar. Voraussichtlich zum 30. April wird das französische Unternehmen Kiloutou die Wiesecker Werkzeugvermietung in Alten-Buseck übernehmen. Erst mal aber muss Heinrich die weltweit tätige Firma durch die Coronakrise führen.

Auch bei Wiesecker geht es zurzeit ungewohnt zu: Eigentlich drehe er morgens eine Runde und wünsche allen Mitarbeitern einen guten Morgen. Dieses Ritual muss sich der Chef zurzeit verkneifen. Auch bei der Werkzeugvermietung geht Abstand halten nun vor. "Bei uns sind neuerdings Räume frei geworden", daher sei es möglich, dass alle zueinander auf Distanz gehen können, Räume werden nur einfach besetzt. "Disposition und Lager arbeiten nun ohne direkten Kontakt, Kunden dürfen nicht mehr rein, innerbetrieblich wird vor allem telefoniert", fasst Heinrich die Maßnahmen zusammen. "Das ist ein bisschen unkommod, aber es geht." Wenn Mitarbeiter nun zu Hause Kinder betreuen müssten, gehe das natürlich vor, da finde man flexible Lösungen.

Doch Heinrich will vermeiden, möglichst viele ins Homeoffice zu schicken. "Das Gefühl, dass man an den Arbeitsplatz als einen angestammten Punkt geht, ist für viele wichtig. Und so lange wir hier so strikt trennen, dass wir keinen direkten Kontakt haben, kann ich das tolerieren." Auch über diese Frage befinde er sich mit dem Neueugentümer in ständigem Austausch.

Er merke schon, dass es zurzeit etwas weniger Aufträge gebe als sonst, aber vorerst sei das kein großes Problem, sagt Heinrich. "Die Werkstatt hat Arbeit für zwei bis drei Monate, die man vor sich herschiebt. Jetzt schaffen wir es vielleicht mal, alles abzuarbeiten." Der Druck sei zurzeit deutlich geringer als üblich. Gerade der internationale Verleih sei jetzt natürlich schwierig. Kunden in Frankreich und Italien "wissen teils nicht, wie es weitergeht". Doch er halte es nicht für verantwortungsvoll, nun eigene Fahrer dorthin zu schicken, um die Maschinen abzuholen.

Es gebe mittlerweile aber neue, teils eher ungewöhnliche Anfragen für die Anmietung von Geräten. Etwa von Lieferanten für Supermärkte, die für ihre Logistik dringenden Bedarf an Gabelstaplern oder Hubwagen haben. "Auch die Handwerker brauchen Material, um weiter zu arbeiten", sagt Heinrich. Und kürzlich habe die Bundeswehr Container gemietet. "Ich denke mir: Wenn die Bundeswehr anruft, dann hast du besser geöffnet. Zugemacht ist schnell."

Branche ist in der Krise gefragt

Das mag scherzhaft gemeint sein, aber tatsächlich hat der Unternehmer den Eindruck, dass seine Branche in dieser Krise eine besondere Bedeutung bekommt.

"Wir haben noch Arbeit und dürfen noch arbeiten", darüber ist er froh. Bei den Übernahmeverhandlungen sei ihm wichtig gewesen, dass die knapp 90 Mitarbeiter übernommen werden, "das Firmenwissen soll in Buseck bleiben". Zurzeit würden auch Überstunden abgebaut, die Planung sei nicht einfach.

Doch Heinrich ist optimistisch, dass der Betrieb die Krise gut überstehen wird. Er will beratend tätig bleiben, doch die Entscheidungen werden in der Zeit nach Corona wohl andere Treffen.

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