Bilder von Urlaubern, die ihr Gepäck im Reisebus verstauen, wird es mindestens bis zum 19. April nicht geben. Bis dahin gilt ein Verbot für sämtliche Busreisen. SYMBOLFOTO: DPA
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Bilder von Urlaubern, die ihr Gepäck im Reisebus verstauen, wird es mindestens bis zum 19. April nicht geben. Bis dahin gilt ein Verbot für sämtliche Busreisen. SYMBOLFOTO: DPA

Reiseverbot

Für Busunternehmen hagelt es Stornierungen

  • Armin Pfannmüller
    vonArmin Pfannmüller
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Bis vor einigen Wochen waren die Auftragsbücher von Busunternehmen aus der Region voll. Das hat sich durch Corona geändert. Für Reisen hagelt es Stornierungen.

Die Bandansage lässt kaum Fragen offen: "Durch die Corona-Pandemie erlebt die Tourismusbranche gerade eine beispiellose Krise. Vorsorglich haben wir alle Reisen bis zum 30. April 2020 abgesagt." Das bekommen alle Kunden zu hören, die beim Reisebüro Gimmler in Wetzlar anrufen.

Das Unternehmen im Nachbarkreis ist kein Einzelfall. "Das Frühjahr ist verloren", erklärt Dieter Walter von Schwalb-Reisen resigniert. Das Busecker Unternehmen hat in den vergangen Tagen fast seine komplette Flotte von gut einem Dutzend Reisebussen abgemeldet. Der Bund hat vom 17. März bis mindestens zum 19. April ein Reiseverbot für Busse ausgesprochen. Bis zum 30. April gilt ein inter- nationales Reiseverbot.

Dass danach wieder der normale Reiseverkehr aufgenommen wird, glaubt Walter nicht. "Uns hat eine unglaubliche Storno-Welle erreicht, ein regelrechter Tsunami." Busreisen seien vor allem Seniorenfahrten. Damit sei genau die Gruppe betroffen, die bei einer Infektion mit dem Virus besonders gefährdet sei. "Bis Juni wird hier nichts passieren", ist Walter sicher. Da die Menschen insgesamt sehr verunsichert seien, hätten einige sogar bereits ihre für September oder Oktober gebuchte Reise abgesagt.

Betroffen ist das Unternehmen auch von der durch das Kultusministerium angeordneten Absage sämtlicher Klassenfahrten und Exkursionen bis zum Schuljahresende. Etwaige Storno-Kosten würden in diesen Fällen vom Ministerium und nicht von den Schulen oder Eltern übernommen.

Wie hoch diese Kosten sind, hänge zum einen vom Termin ab und zum anderen davon, welche Art von Reise gebucht wurde. "Das ist von Fall zu Fall zu prüfen." Die Storno-Gebühren lägen zwischen 10 und 80 Prozent und gelten nur für Zeiten, in denen Reisen nicht verboten ist. "Wenn das Reiseverbot verlängert wird, ist so manche Berechnung hinfällig, dann müssen wir kostenfrei stornieren", sagt Walter.

Nicht gerade zufrieden ist man bei Schwalb mit der in dieser Situation vom Staat angebotenen Unterstützung. "Für mittelständische Unternehmen bis 249 Mitarbeitern gibt es Kredite von der KfW. "Das hilft uns nicht viel", sagt Walter. Schließlich könnten in der Reisebranche viele Verluste nicht später im Jahr ausgeglichen werden. "Ein Verein, der seine für Mai geplante Reise absagt, fährt nicht einfach im September."

Zum Glück, sagt Walter, habe das Unternehmen mit dem Linienverkehr ein weiteres Standbein. Hier seien die Auswirkungen "nicht ganz so dramatisch". Schwalb ist im Busverkehr zwischen Schotten und Wetzlar unterwegs und kooperiert auch mit den Gießener Stadtwerken. Derzeit gilt der Ferienfahrplan.

Während Walter für den Reiseverkehr "tiefgreifende Änderungen" befürchtet, werde sich die Lage im Linienverkehr hoffentlich bald wieder normalisieren. Deshalb sind auch nur wenige der 40 Linienbusse abgemeldet worden. Für einen Teil der etwa 70 Beschäftigten hat Schwalb Kurzarbeit angemeldet. Und damit ist er nicht alleine.

Das Thema Kurzarbeit ist auch bei Philippi-Reisen angesagt. "Wir haben 80 Fahrzeuge, von denen in den vorvergangenen Woche 50 nicht bewegt wurden. Diese Woche sind es fast alle", sagt Mark Philippi.

Der Inhaber des Reiseunternehmens mit Sitz in Groß- Eichen hofft, dass nach dem Ablauf des derzeit gültigen Reiseverbots ab dem 20. April wieder ein "normales Fahr- geschäft" möglich sein wird. "Eine seriöse Prognose kann ich aber nicht abgeben."

Für das Reiseunternehmen, in dem knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt sind, rechnet er mit einem Umsatzrückgang von 60 Prozent für dieses Jahr. "Viele Kunden sind entspannt und haben ihre für den Sommer gebuchte Reise nicht storniert", sagt er und hofft auf eine Normalisierung in den kommenden Monaten.

Als hilfreich bezeichnet er auch die Tatsache, dass etliche Kunden nicht ihr Geld zurückfordern, sondern sich den Betrag als Gutschrift verrechnen lassen. "Wir lassen das von uns eingezahlte Geld dann bei den Hotels", sagt Philippi. "Schließlich haben wir Vertragspartner, mit denen wir super zusammenarbeiten."

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