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Den Blick nach oben werfen Revierförster Stefan Schreiber (mit Schirm) und die Teilnehmer der Waldbegehung in Beuern.

Klimawandel

Im Busecker Wald ist ein ganzer Quadratkilometer kahl

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Förster nennen es die größte Katastrophe in 300 Jahren Forstwirtschaft: Ganze Waldstücke sind vertrocknet oder von Käfern befallen - auch im Busecker Wald.

Seit 300 Jahren gibt es eine geordnete Forstwirtschaft in Deutschland. In den 1980er Jahren wurden Kahlschläge geächtet. Im Zuge von Zertifizierungen erhielt der Naturschutz mehr Raum. Zuvor galten etwa abgestorbene Altbuchen als unordentlich, heute bleiben die stehen. Im deutschen Forst schien alles geregelt, er hatte sogar den sauren Regen der 1980er Jahre überlebt. Dann wurde 2018 zum Schicksalsjahr mit einem extrem heißen Sommer und Winter der keiner war. Temperaturrekorde und Niederschlagsdefizite trafen aufeinander, setzen sich dieses Jahr nahtlos fort, wie nun bei der Waldbegehung in Buseck deutlich wurde.

Der neue Feind des Waldes heißt Klimawandel. Pilzsporen und Insekten nutzen die Gunst der Stunde zur Massenvermehrung und befallen vorgeschädigte Bäume. Ein solches Gesamtschadensbild sei die größte Katastrophe in den 300 Jahren Forstwirtschaft, sagte Revierförster Stefan Schreiber. Einige Biologen erweiterten diese Einschätzung sogar auf 500 Jahre.

Förderung für Neubepflanzung

Die zweistündige Waldbegehung der Gemeinde Buseck widmet sich den sichtbaren Klimaschäden. Am Waldsportplatz Beuern begrüßt Norbert Weigelt, Vorsitzender der Gemeindevertretung, 20 Teilnehmer. Schreiber konfrontiert seine Zuhörer mit der vollen Wahrheit. Der dicke Sack mit schwerwiegenden Details ist unbequem. Es sind Horrormeldungen, doch der Forstmann wirft sich dem Unheil Entschlossenheit entgegen.

Schreiber analysiert gründlich ohne Schönfärberei. Er brauche wesentliche Finanzmittel. Die seien von der hohen Politik in Aussicht gestellt. Neuanpflanzung von Laubholz etwa werde zu 85 Prozent gefördert. Er sondiere momentan, wie man Förderpakete von Land und Bund anzapfen könne und wo geeignetes Pflanzgut zu bestellen sei. Das bisherige Wirtschaftsziel, Nachhaltigkeit und multifunktionaler Wald, behalte er im Auge. Die Kommunalpolitik möge ihn weiterhin unterstützen, hoffte er.

Fichte geht nahezu vollständig verloren

"Die Fichte werden wir nahezu vollständig verlieren", sagte er. "Das sind 15 Prozent der Bestandsfläche". Für das Buchen-Altholz sagte er "massive Verluste" voraus. 100 Hektar Kahlfläche (ein Quadratkilometer) müssten neu bepflanzt werden. Rund 40 000 Euro Überschuss habe der Wald lange Zeit gebracht. Für die nächsten zwei Jahrzehnte rechnet Schreiber mit keinem positiven Ergebnis mehr. Der kommende Wintereinschlag werde ausschließlich Schadholz (Fichte, Buche) berücksichtigen.

Einen hoffentlich klimastabilen Wald stellt der Förster sich baumartenreich vor: Douglasie statt Fichte, Erle zusammen mit Weißtanne, Elsbeere, Spitzahorn, Vogelkirsche, Linde, Roteiche, Traubeneiche und Edelkastanie. Wie das ohne intensive Bejagung des Rehwilds gelingen solle, wisse er nicht. Mehr noch als bisher schon sieht Schreiber im Jagdwesen künftig eine gesellschaftliche Verantwortung.

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