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Diese alte Fotoaufnahme - das genaue Jahr ist nicht bekannt - zeigt die Kirche vor dem Umzug der Orgel aus dem Chor in das nördliche Querschiff. FOTO: ARCHIV HEIMATKUNDLICHER ARBEITSKREIS

Busecker Orgel 150 Jahre alt

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Vor 150 Jahren wurde die Orgel in der evangelischen Kirche Großen-Buseck gebaut. In dieser Zeit hat sie nicht nur zahlreiche Konzerte erlebt, sondern auch einen Umzug.

Die Orgel gilt als die Königin der Instrumente. Sie steigert die Feierlichkeit der Liturgie, symbolisiert mit ihrem vielstimmigen Klang das Zusammenspiel der kosmischen Sphären. Sie ist in fast jeder Kirche zu finden und ersetzt ein ganzes Orchester. Die Orgel in der evangelischen Kirche Großen-Buseck wurde im Sommer 1870 eingeweiht, feiert in diesem Jahr 150-jähriges Jubiläum. In dieser Zeit hat sie zahlreiche Konzerte und Gottesdienste, aber auch Kriegszeiten erlebt, die ihre Spuren in dem Instrument hinterließen.

Am 25. Juni 1870 war die Orgel fertig

Mit der Geschichte der Großen-Busecker Orgel haben sich intensiv die Hobby-Historiker Herbert Lied und Sven Schepp befasst. Erbauer war der damals in der Region häufig beauftragte Johann Georg Förster aus Lich. Dem Kontrakt nach sollte das prächtige Instrument bis August 1868 fertiggestellt sein. Mit dem Aufbau der Orgel wurde jedoch erst im Mai 1870 begonnen. Am 25. Juni 1870 waren die Arbeiten beendet und das Instrument konnte einen Tag später von Kapellmeister Lux aus Mainz geprüft werden.

Der Prospekt ist dreiteilig in neugotischen Formen mit steil aufragenden Spitzgiebeln, Fialen und Kreuzblumen gestaltet. An den Chor wurde seinerzeit ein Balghaus angebaut, in dem die Konfirmanden für den richtigen Orgelwind zu sorgen hatten. Ab 1936 übernahm dies ein elektrisches Gebläse. 1955 wurde die Orgel überholt und gleichzeitig der Holzwurm bekämpft.

Zinkpfeifen im Krieg eingeschmolzen

Im Ersten Weltkrieg musste 1917 der zinnerne Prinzipal 8’ (ein Register der Orgel) an die Rüstungsindustrie abgeliefert werden. Erst 1920 wurde er durch Zinkpfeifen ersetzt. Auch die Trompete 8’ ging verloren.

1974 erfolgte eine Rekonstruktion der beiden Register durch Förster & Nicolaus Orgelbau, nachdem sie die Orgel im Zuge einer größeren Kirchenrenovierung in den Jahren 1969 bis 1973 vom ursprünglichen Standort im Chor ins nördliche Querschiff umgesetzt hatten. Es wird vermutet, dass die vorhergehende Barockorgel aus 1753 ebenfalls dort gestanden hatte.

Die Umplatzierung war nötig geworden, weil bei den Renovierungsarbeiten im Chor Fresken (sechs Apostel und zwei Frauengestalten) freigelegt worden waren. Die seitenspielige Orgel ist noch original erhalten, einschließlich der seltenen Physharmonika.

Wie das Foto aus der Zeit vor dem Umbau aus der Sammlung des Heimatkundlichen Arbeitskreises beweist, bekam 1973 nicht nur die Orgel, sondern auch die Kanzel einen neuen Platz. Heute befindet sie sich auf der linken Seite.

Erstmals ist die Kirchengemeinde vermutlich schon im Jahr 1659 in den Genuss von Orgelmusik gekommen. Dafür spricht die Aufzeichnung über eine Entnahme aus dem Kirchenkasten von vier Gulden als Zuschuss zum neuen Orgelwerk.

Über das Aussehen und Standort dieser und der in 1753 angeschafften Orgel ist nichts bekannt.

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