Die bisherigen Frilich-Geschäftsführer Stefan Gömmer (l.) und Michael Gömmer sind nun Angestellte und sehen den Verkauf ihres Unternehmens auch als Chance.	FOTO: JWR
+
Die bisherigen Frilich-Geschäftsführer Stefan Gömmer (l.) und Michael Gömmer sind nun Angestellte und sehen den Verkauf ihres Unternehmens auch als Chance. FOTO: JWR

Insolvenz

Busecker Firma Frilich ist verkauft - bekannte Marke bleibt erhalten

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
    schließen

Die Großen-Busecker Traditionsfirma Frilich ist verkauft, Standort und Markenname bleiben aber erhalten. Die bisherigen Geschäftsführer des Herstellers von Buffetprodukten sehen den Neustart auch als Chance.

Die Situation ist für die beiden Brüder noch neu, an manches müssen sie sich erst gewöhnen. »Das ist schon eine Umstellung«, sagt Michael Gömmer, »ich hatte noch nie einen Chef«. Das hat sich nun geändert: Michael und Stefan Gömmer, bisher beide Geschäftsführer der Busecker Traditionsfirma Frilich mit 20 Mitarbeitern, sind nun selbst Angestellte der Contacto Bander GmbH in Erkrath. Der Markenname Frilich und damit auch eigene Produkte bleiben erhalten, doch die Firma ist Geschichte. Das Insolvenzverfahren wurde Ende Dezember eröffnet. »Wir sind jetzt verkauft«, sagt Stefan Gömmmer. Er ist nun für Vertrieb und Vermarktung der Marke Frilich zuständig, sein Bruder für Produktion und Einkauf.

Seit den 1980ern stand der Begriff Frilich für innovative Produkte im Buffet-Bereich (siehe Kasten), die die Branche mit prägten und weltweit Absatz fanden - manchmal sogar zur Überraschung der Geschäftsführer. Michael Gömmer berichtet von seiner Hochzeitsreise auf die Malediven. »Wir sind mit einem Speedboot über das offene Meer auf eine kleine Insel gefahren. Und dort wartete am Frühstücksbuffet schon die Saftkanne auf uns, ein alter Bekannter.«

Firma Frilich verkauft: Von Pandemie kalt erwischt

Die Frilich-Produkte wird es weiter geben, doch das 1986 gegründete Unternehmen wurde von der pandemiebedingten Krise kalt erwischt. »Das Corona-Jahr war der Auslöser«, sagt Stefan Gömmer. »Die Hotelerie ist sehr stark eingebrochen«, die Buffets wurden abgeräumt. Man habe, soweit möglich, auch staatliche Hilfen in Anspruch genommen, frühzeitig auf Kurzarbeit umgestellt. Die »erste Welle« im Frühjahr habe man auch deshalb noch »sehr gut überstanden«, sagt er. Doch die verschärften Beschränkungen ab dem Spätherbst haben den mittelständischen Betrieb voll getroffen. «Unsere Liquidität liegt im Lager, das muss sich drehen. Der Staat kauft keine Ware ab, wir sind darauf sitzen geblieben. Das Kapital hat gefehlt.«

Schließlich ging Frilich in die vorläufige Insolvenz, die Gömmers blieben Geschäftsführer, bekamen aber einen Sachwalter zur Seite gestellt. »Wir hatten die Aufgabe, einen Insolvenzplan aufzustellen«, so Stefan Gömmer, »aber wir haben schnell gemerkt, dass man den Wert der Marke Frilich erkannt hat«. So kam es zu dem Übernahmeangebot aus Erkrath. »Wir sind jetzt Contacto Bander in Buseck.«

Die beiden Brüder wollen nun das Beste aus der Situation machen, sehen auch Chancen. »Das neue Unternehmen unsterstützt uns, wir wollen künftig wieder Innovationen bringen«, unterstreicht Stefan Gömmer. Er ist froh, dass die Marke weiter existiert und vor allem fast alle Mitarbeiter weiter an Bord sind: Von ursprünglich 20 Angestellten hätten zwei im vergangenen Jahr gekündigt, zwei habe man nicht übernehmen können. 16 Mitarbeiter bleiben also beschäftigt - ohne Übernahme wäre das laut den Brüdern kaum möglich gewesen. Viele Kollegen seien schon seit etlichen Jahren in der Firma.

Firma Frilich verkauft: Zeit des Umbruchs

Zurzeit durchleben die Gömmers und die Belegschaft eine Zeit des Umbruchs. Die tägliche Zusammenarbeit mit dem neuen Eigner muss sich erst noch einspielen, Software und mehr angepasst werden. »Die Aufgabenteilung muss sich noch herauskristallisieren«, so Stefan Gömmer, »das ist noch recht aufregend«. Jetzt, während des erneuten Lockdowns, sei »wenig los«, das könne während des Umbruchs ein Vorteil sein. Nun gehe es darum, »nach außen zu zeigen, dass wir arbeitsfähig bleiben, das gelingt uns ganz gut«.

Über die Zukunft des Buffets und damit auch der Marke Frilich haben sich die Gömmers viele Gedanken gemacht. »Das Buffet in der Hotelerie ist sehr individuell geworden, früher war die Funktionalität wichtiger«, sagt Stefan Gömmer. Bei Frilich habe man immer versucht zu kombinieren. »Es soll ansprechend aussehen, aber auch funktional und hygienisch sein.« Er gehe davon aus, dass gegenüber dem modischen Aspekt nach Corona Funktionalität und gerade Hygiene wieder wichtiger werden. Wieder einmal ein Wandel in der Branche, den die Gömmers mitgestalten wollen - nun eben als Angestellte.

Info: Stationen eines Familienunternehmens

Die Grundlagen legte der Großvater der Gömmer-Brüder, Karl Lich, in den 1960ern. Er wollte Kindern Milch schmackhaft machen, entwickelte einen Druckzapfverschluss, um das Zapfen zum Erlebnis zu machen. Für Erwachsene kreierte er »Biermilch«.

Nach dem Tod des Großvaters übernahm seine Tochter den Betrieb: Ingeborg Lich-Gömmer gründete Mitte der 1980er eine GmbH, schließlich wurde der Name in Frilich (Frische-Zapfsysteme Lich) geändert. Anfangs waren dort laut den Brüdern nur Lich-Gömmer und eine Sekretärin beschäftigt. Die Unternehmerin brachte die ersten Milch- und Saftdispenser auf den Markt, damals eine Weltneuheit. Sie entwickelte unter anderem auch die »Frilich-Saftkanne« und die »stählerne Kuh« als Kühl- und Zapfsystem für Milch.

Lich-Gömmer stellte ihre Produkte auf Messen vor, machte sich einen Namen in der Systemgastronomie. Die Firma Frilich belieferte unter anderem die Bundeswehr und wurde zum Innovationstreiber vor allem für Frühstücksbuffets in der Hotelerie. Anfragen für die Servier- und Präsentierelemente kamen schließlich aus aller Welt, noch heute geht ein Großteil der Produkte in den Export. Die Produktpalette wuchs.

Die Gießenerin erarbeitete sich auch auf anderen Feldern viel Respekt: Sie saß für die SPD im Stadtparlament, gründete die Initiative »Wohin mit dem Kind?«, aus der schließlich »Eltern helfen Eltern« wurde, und initiierte das »Kinder- und Jugendtelefon«. Für diese und weitere Verdienste wurde Lich-Gömmer 2009 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Seit ihrem Tod 2011 führten ihre Söhne Michael und Stefan Gömmer die Frillich GmbH. jwr

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare