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Anders als bei der Landrats- und der Bundestagswahl konnte bei der Busecker Bürgermeisterwahl am Sonntag von sozialdemokratischem Auftrieb keine Rede sein. »Es war eine persönliche Geschichte«, sagt der scheidende Bürgermeister Haas. F.: JWR

Nach Bürgermeisterwahl

Busecker Bürgermeister Haas nach Wahlniederlage: »Für mich ist es okay«

  • Jonas Wissner
    VonJonas Wissner
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Der überraschend deutliche Wahlsieg von Michael Ranft wirkt in Buseck nach. Während Ranft nun viel organisieren muss, will Bürgermeister Dirk Haas Abstand von der Kommunalpolitik nehmen - und zeigt sich auch erleichtert.

Die Nacht auf Montag war für Michael Ranft sehr kurz. Bis nachts um vier habe er den Wahlsieg mit Unterstützern gefeiert, verrät er am Tag nach jenem Votum, das ihn ab 1. Januar zum neuen Busecker Bürgermeister macht. »Ich muss erst mal realisieren, dass es wirklich geklappt hat - so langsam wird's«, sagt Ranft. »Ich hatte ein super Team, es war sicher keine Einzelleistung.«

In den kommenden Wochen gibt es für den in Wieseck niedergelassenen Anwalt viel zu organisieren: »Die laufenden Mandate werde ich so weit wie möglich abarbeiten, aber es gibt auch schon Termine für nächstes Jahr, das muss ich mit den Mandanten besprechen.« Womöglich wird Ranfts Triumpf anderen Verteidigern ein paar mehr Aufträge bescheren. Auch mit Blick auf den Machtwechsel in Buseck besteht Gesprächsbedarf. Etwa zum Haushalt, dessen Entwurf nun von der Verwaltung unter Amtsinhaber Dirk Haas aufgestellt wird, mit dem aber Ranft wird arbeiten müssen. »Ich hoffe, dass da nichts drin ist, wo ich den Haushalt noch mal komplett umstellen müsste - das glaube ich aber nicht«, sagt der 45-Jährige. Gerade den Stellenplan werde er sich genau ansehen.

Nicht ganz so drängend ist für »den Neuen« dagegen der mittelfristig angestrebte Umzug von Gießen nach Buseck: »Das lassen wir auf uns zukommen - so viele Bauplätze gibt es ja auch nicht. Wir werden sehen, wo es ein schönes Plätzchen für uns gibt.«

Nach Bürgermeisterwahl in Buseck: »Ich verstehe auch, dass die SPD jetzt erst mal Wunden lecken muss«.

Außer Haas habe ihm am Sonntag kein Sozialdemokrat persönlich gratuliert, »das finde ich schade«. Allerdings hat SPD-Fraktionschef Norbert Weigelt ihm via Presse eine »konstruktive Zusammenarbeit« zugesagt. Ranft will zeitnah auch mit der SPD das Gespräch suchen - »aber klar: Ich verstehe auch, dass die SPD jetzt erst mal Wunden lecken muss«.

Auch für Haas war der Tag nach der Wahl ein besonderer. Allzu viel Zeit, sich über den Wahlausgang den Kopf zu zerbrechen, hatte er am Montag jedoch nicht. »Für mich ist es okay. Man schläft in so einer Nacht nicht gut, aber am Tag habe ich Aufgaben zu erledigen«, äußert sich Haas am Montag. Am Morgen stand die Besprechung mit den Fachbereichen an, »dann habe ich meine Großplakate eingesammelt«. Später ging es noch in den Kreistag, wo Haas die SPD-Fraktion führt - und dies, wie er bekräftigt, auch weiter tun will. Wie geht es für ihn ab 2022 vom Kreistag abgesehen weiter? Sich wie sein Amtsvorgänger Erhard Reinl als »Elder Statesman« weiter kommunalpolitisch zu engagieren, schließt Haas aus: »Ich habe vor meiner Amtszeit in der Busecker Kommunalpolitik nichts gemacht, werde auch danach nichts machen. Für mich ist das Thema beendet. Man muss auch wissen, wenn es fertig ist.« Er werde sich die Parlamentssitzungen auch nicht als Zuschauer antun. »Gerade die Arbeit in der Gemeindevertretung war in den letzten Monaten mehr als belastend«, sagt Haas, und schiebt hinterher: »Ich bin froh, wenn ich Frank Müller in seiner Funktion als CDU-Fraktionsvorsitzendem nicht mehr begegnen muss.«

Die vergangenen Monate, die Debatten um die Betrugsfälle und die chronisch angespannte Atmosphäre im Parlament haben Haas zugesetzt - und nicht nur ihm. »Meine Familie ist zwiegespalten: Sie wäre auch froh gewesen, wenn ich noch eine Amtszeit bekommen hätte. Aber vor dem Hintergrund der letzten Monate ist sie auch froh, dass es nun vorüber ist.« Trotz verständlicher Enttäuschung wirkt Haas nun ein Stück weit gelöst, empfindet das auch selbst so: »Ich bin auch erleichtert und froh, dass ich manchen Ballast nicht mehr habe.«

Nach Bürgermeisterwahl in Buseck: Haushalt steht an

Immerhin: Als Sozialdemokrat hat dem 59-Jährigen am XXL-Wahlsonntag das Abschneiden anderer Genossen Freude bereitet. Er habe sich »unheimlich gefreut«, dass Felix Döring das Bundestags-Direktmandat geholt hat. Hatte Haas angesichts des jüngsten SPD-Umfragehochs gehofft, dass auch er davon profitieren könnte? »Es war eine persönliche Geschichte, das hatte mit dem Gesamttrend der SPD nichts zu tun«, versichert er. »Ich wusste schon nach der Kommunalwahl: SPD und Grüne zusammen kriegen vielleicht 40 Prozent. Alles weitere hätte ich persönlich bringen müssen - das habe ich nicht abgeliefert.«

Nun geht sein Blick nach vorn. »Alles stehen und liegen lassen - das ist nicht meine Art«, sagt Haas. Der Haushalt 2022 steht an. Dieser werde nun »aus der Verwaltung heraus, ohne persönliche Anliegen« aufgestellt - »es macht ja keinen Sinn, noch eigene Ideen in die Verwaltung zu geben, wenn Herr Ranft andere Ideen hat«. Umso wichtiger findet der Amtsinhaber, dass er und Ranft sich bald zusammensetzen, nötige Absprachen treffen - das habe er vor seinem Amtsantritt vermisst. Einen Termin dafür gebe es aber noch nicht.

Sein Büro im Schloss, erzählt Haas augenzwinkernd, sei für die Wahlauszählung schon teils ausgeräumt worden, das erspare ihm nun Arbeit. »Die Studio-Lautsprecher brauche ich jetzt nicht mehr aufzubauen.« In den letzten drei Monaten im Amt verzichtet Haas auf guten Sound.

Info: Noch keine neuen Jobpläne

Bürgermeister Dirk Haas (59) will sich weiter ehrenamtlich sozial engagieren, »aber beruflich habe ich noch überhaupt keine Ideen, ich bin jetzt nicht dringend auf der Suche nach einem neuen Job«. Seine Ehefrau Heike habe aber schon prognostiziert, dass »ich wahrscheinlich nicht länger ruhig zu Hause sitzen kann«. jwr

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