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Als Einbruchopfer hinter Gittern: Petra Schmidt hat aufgerüstet, die Spuren der Taten aber täglich vor Augen.

Rohe Gewalt

Einbruchsserie in Busecker Tankstelle: Die Diebe flüchten, die Angst bleibt

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Viermal ist in Petra Schmidts Tankstelle in Großen-Buseck seit 2012 nachts eingebrochen worden. Zwar wurde niemand verletzt, doch die Angst vor weiteren Taten hat die Inhaberin verändert.

Tag für Tag wird Petra Schmidt an jene Schreckensnächte erinnert, die sie noch immer beschäftigen. Die große Glasscheibe neben der Eingangstür ihrer Tankstelle hält zwar noch, ist aber in unzählige Teile zersplittert. Sie zeugen von roher Gewalt.

Seit Schmidt den Familienbetrieb 2012 übernommen hat, wurde viermal nachts in der Tankstelle eingebrochen. Die Täter gingen jeweils wenig zimperlich vor. "Die haben alle Hemmungen verloren, einmal wurde die Scheibe mit einem Gullideckel eingeworfen", sagt sie.

Die 52-Jährige ist noch immer fassungslos, wenn sie von den Taten berichtet. "Es ist ein schreckliches Gefühl. Da vergreifen sich Fremde am Eigentum anderer, das ist denen egal." Sie sei ein "Emotionsmensch", sagt sie, "und persönlich beleidigt".

Tankstelle wird mittlerweile nachts beleuchtet

Der Tank-Shop mitten in Großen-Buseck ist nachts geschlossen - und im Schutz der Dunkelheit, wenn in Buseck auch die Straßenlampen ausgehen, fühlten sich Diebe wohl besonders sicher, meint Schmidt. Die Tankstelle lässt sie inzwischen nachts beleuchten. Sie wohnt direkt nebenan, könnte im Einbruchsfall schnell vor Ort sein. Doch wenn sie den schrillen Alarmton hört, verharrt sie im Wohnhaus, in sicherer Entfernung.

"Die Polizei hat gesagt: ›Bitte warten Sie, bis wir da sind!‹" Zwar ist bei keinem der Einbrüche jemand verletzt worden - "Gott sei Dank!". Doch die Gefahr sei einfach zu groß, dass Einbrecher auch bewaffnet sein könnten.

Täter von Kopf bis Fuß vermummt

Wie routiniert die Täter vorgehen, habe sie auf Überwachungsvideos gesehen: "Die gehen da rein, sind von Kopf bis Fuß vermummt, haben teilweise sogar Klebeband über den Handschuhen am Handgelenk, damit sie ja keine Spuren hinterlassen. Dann breitet einer einen Bettbezug aus, der andere wirft die Ware hinein." Meist dauern die nächtlichen Raubzüge nur wenige Minuten.

In ihrer Zerstörungswut sind die Einbrecher offenbar wahllos, bei der Auswahl des Diebesguts aber wählerisch: Laut Schmidt werden vor allem Zigaretten gestohlen. Das sei für die Täter attraktiv, weil sie sich an Hehler weiterverkaufen ließen, vermutet die Inhaberin. "Und manche freuen sich dann, wenn sie auf irgendeinem Markt eine Stange Zigaretten billig bekommen."

Ein Täter festgenommen

Die Polizei sei zwar im Notfall schnell da, doch bisher hat sie nur einmal den Täter ermitteln und festnehmen können. Hinter den Einbrüchen steckten professionelle kriminelle Banden, habe die Polizei gesagt - mit eben einer Ausnahme: Der jüngste Einbruch liegt erst drei Wochen zurück. Diesmal war offenbar ein Einzeltäter am Werk.

"Es war ein Chaot, der sich ausgetobt hat, mit brachialer Gewalt." Doch die Nachbarn reagierten schnell, sie setzten beim ersten Klirren der Scheibe den Notruf ab, so war die Polizei rechtzeitig zur Stelle.

Der Tank-Shop ist direkt mit einer Bäckerei verbunden, Schmidt hat diesen Raum seit einigen Jahren verpachtet. Die Folgen des jüngsten Einbruchs sind teils bis heute sichtbar. Einige zerstörte Stühle stehen noch im Verkaufsraum. Der Täter habe Lampen und die Theke zertrümmert, erzählt Schmidt.

"Man bekommt keine Routine"

Nach jedem Einbruch hat sie weiter aufgerüstet; das Glas verstärkt, ein Gitter eingezogen. "Wenn man sich im eigenen Laden so verbarrikadieren muss - das ist nicht schön." Kann man sich an die Gefahr gewöhnen, dass das eigene Geschäft jederzeit wieder ausgeraubt werden könnte? "Daran werde ich mich niemals gewöhnen. Das macht auch körperlich betroffen, es tut weh. Da kriegt man keine Routine."

Um die sichtbaren Schäden, die die Täter verursachen, kümmern sich Versicherungen. Doch die Einbrüche haben bei der Besitzerin tiefere Spuren hinterlassen. Ein Stück weit haben die Taten auch ihren Blick auf manche Kunden verändert: "Die Diebe kommen vorher schon mal und spionieren den Laden aus", sagt sie. "Und bei einem Täter bin ich überzeugt, dass er am nächsten Tag vor mir stand." Es war nur ein Gefühl - doch sicherheitshalber hat sie sein Kennzeichen zur Überprüfung der Polizei gemeldet. Ihr Misstrauen ist gewachsen - ob sie will oder nicht. "Wir dokumentieren mittlerweile sehr viel, auch mal Personenbeschreibungen, und geben das teilweise weiter. Denn die Angst ist immer drin."

In Petra Schmidts Tank-Stop geben sich viele Stammkunden die Klinke in die Hand. Manche haben schon bei ihrem Großvater getankt. "Ich an einer Autobahntankstelle? Um Gottes Willen!" Hier dagegen kennt man sich. Schmidt arbeitet gern in ihrem Laden, auch, weil sie mit vielen vertrauten Gesichtern zutun hat. Das will sie sich von ein paar Vermummten nicht zerstören lassen.

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