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Bürgermeister Dirk Haas bei der Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof. FOTO: JWR

Buseck erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus

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Buseck(jwr). Die Ausgrenzung, Entrechtung und Verschleppung von Juden, die schließlich in NS-Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden, hat auch in Buseck stattgefunden. Am zentralen Holocaust-Gedenktag, der an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch sowjetische Truppen vor 75 Jahren erinnert, haben etwa zwei Dutzend Menschen auf dem jüdischen Friedhof nahe Großen-Buseck der Opfer der nationalsozialistischen Diktatur gedacht.

Bürgermeister Dirk Haas legte einen Kranz auf dem Friedhof nieder. "Die Erinnerung darf nie enden", sagte Haas. In Zeiten zunehmender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland sei es wichtig, ein Zeichen zu setzen. Er rief auch Übergriffe auf Juden in Deutschland in Erinnerung. Vor wenigen Monaten hatte es einen Anschlag auf die Synagoge in Halle gegeben. "Der Kranz soll eine Mahnung sein, sich gegen aufkommende Menschenverachtung zu stellen", äußerte sich der Bürgermeister bei der Gedenkveranstaltung am Montag. "Eine Gesellschaft kann nur durch Vielfalt erfolgreich sein, nicht durch Einfalt. Wehret den Anfängen."

Am Gedenken auf dem jüdischen Friedhof war auch der Verein "Freundeskreis Anger 10" beteiligt, der sich um den Erhalt der ehemaligen Synagoge in Großen-Buseck kümmert. Die aktuellen Sanierungsarbeiten an dem Gebäude gingen gut voran, äußerten sich Aktive des Vereins am Rande der Veranstaltung.

Vor der Judenverfolgung während der NS-Herrschaft gab es sowohl in Beuern als auch in Großen-Buseck eine jüdische Gemeinde, letztere betreute auch Menschen jüdischen Glaubens aus Alten-Buseck. Allein die Großen- Busecker Gemeinde hat dem Verein zufolge damals etwa 80 bis 100 Mitglieder gezählt. Im Zuge der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 war auch in Großen-Buseck die Synagoge zerstört worden, ebenso Wohnhäuser und Geschäfte von Juden. Schon einen Tag darauf, berichten die Vereinsaktiven, seien die ersten Busecker deportiert und später nach Buchenwald gebracht worden. Weitere fanden in den folgenden Jahren den Tod - etwa in Theresienstadt und Auschwitz. 30 sogenannte "Stolpersteine" sind laut Bürgermeister mittlerweile in Buseck verlegt, sie erinnerten "nur an einen Bruchteil derer, die Opfer des NS-Regimes wurden".

In dieser Form gedachte Buseck am Montag erstmals der Verfolgung und Ermordung von Juden. In den Vorjahren habe es zwar ein stilles Gedenken am Volkstrauertag gegeben, allerdings ohne öffentliche Beteiligung, erläuterte Haas.

Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust findet jährlich am 27. Januar statt. In Deutschland ist er seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. 2005, 60 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, erhoben die Vereinten Nationen den 27. Januar zu einem Internationalen Gedenktag, um an die Holocaust-Opfer zu erinnern.

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