Im "Corona-Jahr 2020" eine Szene mit Seltenheitswert: Kirmesumzug - natürlich mit dem gebotenen Abstand. FOTO: SIW
+
Im "Corona-Jahr 2020" eine Szene mit Seltenheitswert: Kirmesumzug - natürlich mit dem gebotenen Abstand. FOTO: SIW

Burschen trotzen dem Virus

  • vonSiglinde Wagner
    schließen

Buseck(siw). Am letzten Wochenende im August wird in Großen-Buseck traditionell eine mehrtägige Kirmes gefeiert. Auch während der Pandemie sollte das beliebte Volksfest nicht ganz und gar unter den Tisch fallen. Darum hat sich die Burschenschaft "Teutonia" eine kleine Ersatzveranstaltung ausgedacht. Beim Kirmesumzug am Sonntag galten die mit der Gemeinde Buseck abgesprochenen Hygieneregeln. Alle marschierten auf Abstand, auch das Blasorchester der TSG Steinbach war dabei. Ansonsten waren beim Umzug ausnahmslos Vereinsmitglieder der beiden Burschenschaften "Teutonia" (genannt die Grünen) und "Frohsinn" (die Roten) erlaubt.

"Trauerrede" am Schlossteich

Die "Vorhut" in durchsichtigen weißen Schutzanzügen, mit Masken und mit umgehängten Kanistern mit angeblichen Desinfektionsmitteln darin, standen symbolisch für diese besondere Zeit. Die drei Burschen hatten ihren Spaß daran, mal hier, mal dort die am Straßenrand stehenden Passanten mit einem Wassernebel einzusprühen.

Etliche Hoftore der prächtigen alten Häuser im Schützenweg waren mit Luftballons in den Farben der "Teutonia" (grün, weiß, rot) geschmückt. Bevor der Umzug im Schlosspark seinen Abschluss fand, wurde noch fröhlich eine Runde "gekreiselt". Im Park klinkten sich die Musiker aus, um sich auf ihren späteren Auftritt im Atrium vorzubereiten. Die Kirmesburschen zogen mit der aufgebahrten Kirmespuppe samt großem Gefolge an den Schlossteich weiter. Dort hielt Dominik Panz die obligatorische "Trauerrede". Er sagte: "Zunächst sah es nach einer ganz normalen Kirmespuppenschwestern-Kindheit aus. Doch im März kam alles ganz anders. Nach Hoffen und Bangen folgten intensive Beratungen wie die Kirmes zu retten sei. So erlangte unsere ›Covid Lina XIX.‹ innerhalb kürzester Zeit Abschlüsse in Virologie, Epidemiologie und Immunologie. Neben den normalen Kirmesvorbereitungen schrieb sie Hygienekonzepte, entwickelte Medikamente und forschte an Impfstoffen."

Dennoch: Der legendäre Impfstoff Asbach Uralt und die innovative Infektionsprophylaxe durch einen Mindestverzehr in der Sektbar für jeden Besucher konnte das vorher Undenkbare nicht verhindern: Die übliche Kirmes musste abgesagt werden. Die Kirmes-puppe wurde nach einem viel zu kurzen Leben erstmals nicht den Flammen übergeben, sondern im "Desinfektionsmittelsee" (Schlossteich) versenkt. Fast zumindest. Sie drehte ihre Runden, während sich die Burschen durch Winken oder Ziehen der Kappen von ihr verabschiedeten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare