Michael Ranft, hier in seiner Gießener Anwaltskanzlei, will im Wahlkampf seinen Namen in Buseck bekannter machen. Ein genauer Wahltermin steht noch nicht fest. FOTO: JWR
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Michael Ranft, hier in seiner Gießener Anwaltskanzlei, will im Wahlkampf seinen Namen in Buseck bekannter machen. Ein genauer Wahltermin steht noch nicht fest. FOTO: JWR

Interview

Bürgermeisterkandidat Michael Ranft: "Ich bin in Buseck kein Fremder"

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Michael Ranft, Anwalt und Beigeordneter in Reiskirchen, tritt 2021 als Bürgermeisterkandidat für FW und CDU in Buseck an. Im Interview verrät er, wie seine Kandidatur zustande kam und wie er in Buseck bekannter werden will.

Herr Ranft, Sie wollen Bürgermeister in Buseck werden. Wollte kein Busecker aus den Reihen von FW und CDU den Job machen?

Naja, ich bin in Beuern aufgewachsen und in den Kindergarten gegangen, meine Schulzeit habe ich in Großen-Buseck auf der Goetheschule und der IGS Busecker Tal verbracht und habe viele Freunde, die in der Gemeinde Buseck wohnen. Meine Kandidatur ist auch darüber entstanden. Insofern stellte sich die Frage nicht.

Aber in der Busecker Kommunalpolitik sind Sie ja nicht zu Hause.

Im Vorfeld hat es wohl eine interne Kandidatensuche bei der CDU und den Freien Wählern in Buseck gegeben. Diese wurde aber nach den ersten Gesprächen mit mir eingestellt.

Wie kam es zu Ihrer Kandidatur?

Der Sohn des früheren Bürgermeisters Erhard Reinl ist einer meiner besten Schulfreunde. Wir treffen uns mit dem alten Freundeskreis regelmäßig. Anfang Januar - wir waren im Kino - sagte er zu mir: "Ruf doch mal meinen Vater an, der will irgendwas von dir." Ich dachte: Das wird etwas Juristisches sein. Er sagte dann: "Wie sieht es aus, könntest du dir vorstellen, Bürgermeister von Buseck zu werden?"

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe spontan gesagt: Grundsätzlich schon, ich muss das mit meiner Frau besprechen und darüber nachdenken. Meine Frau Karin meinte: "Ich fände es sehr gut, wenn Du antrittst. Ich werde Dich unterstützen." Im April haben wir ein Kind bekommen. Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, ob wir das schaffen. Aber gemeinsam und mit der richtigen Organisation ist das zu machen.

Kandidat Michael Ranft: "Die Fronten sind verhärtet"

Was reizt Sie an dem Amt?

Gestalten zu können, Lösungen zu finden und die Kommunikation mit den Leuten. Das mache ich als Jurist auf einem anderen Weg auch. Buseck ist eine Gemeinde mit viel Potential, aber im Moment läuft es nicht so gut: Die Fronten sind verhärtet, man beharkt sich auch persönlich. Und das ist für das Vorankommen einer Gemeinde nicht gut.

Wie würden Sie als Bürgermeister mit einer solchen Situation umgehen?

Ich möchte zusammenführen und will für die Bürger da sein. Ich würde manches anders angehen. Man muss rausgehen, auf die Leute zugehen, vermitteln und nach klugen Lösungen suchen.

Sie sind also der Ansicht, dass dem Amtsinhaber das fehlt?

Darüber muss sich jeder selbst sein Bild machen. Ich will keinen bösen Wahlkampf führen. Es können in der Sache harte Auseinandersetzungen werden, aber keine Schlammschlachten, das will auch der Wähler nicht. Jeder hat seinen Stil und ich bin von meiner Person her sicher ein ganz anderer Typ. Ich würde auf die Leute zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen.

Inwieweit denken Sie, dass Sie in Buseck bekannt sind?

Meine Mutter stammt aus Beuern, sie hat 21 Cousins und Cousinen. In Großen-Buseck und auch in den anderen Ortsteilen habe ich viele Schulkameraden, Bekannte und gute Freunde. Ich bin in Buseck kein Fremder. In einer Kommune, die mir fremd ist, wäre ich nicht angetreten. Und darüber hinaus ist ja noch ein wenig Zeit, um bekannter zu werden.

Wie wollen Sie das anstellen?

Na ja, mit einem engagierten Wahlkampf, Präsenz vor Ort, Hausbesuchen, soweit das unter den besonderen Umständen möglich ist. Ich werde die neuen Medien nutzen, natürlich wird es auch Plakate und Broschüren geben. Seit der Bekanntgabe meiner Kandidatur habe ich schon viel Zustimmung erfahren. Ich wurde von vielen Menschen angesprochen, die mich dabei unterstützen werden.

Kandidat Michael Ranft: "Breitbandversorgung noch nicht perfekt"

Was sind denn Ihre Ziele? Welche Themen wollen Sie im Wahlkampf herausstellen?

Die Straßen sind nicht überall im besten Zustand und die Infrastruktur der Sportstätten war schon einmal besser. Im Bereich der Ärzteversorgung müssen wir mindestens so gut bleiben, wie wir sind. Bei der Kinderbetreuung gibt es aufgrund der guten Generationenstruktur noch gute Ideen, wie die Gemeinde für junge Familien attraktiver werden kann. Und natürlich ist auch das Freibad ein wichtiges Thema.

Wie ist Ihre Haltung zur möglichen Reaktivierung ?

Da ist immer die Frage: Ist es für alle anderen Ortsteile auch so wichtig? In Ettingshausen war die Diskussion ähnlich. Ich habe früher gesagt: Das sind viele Ausgaben und es dient eigentlich nur einem Ortsteil. Aber ich bin mittlerweile der festen Überzeugung, dass die Reaktivierung sinnvoll ist. Und ich glaube, wer sich bewusst für das Dorfleben entscheidet, der möchte auch so etwas haben. Es ist schade, dass das Bad in Großen-Buseck schon seit 2012 zu ist. Wir sind als Kinder und Jugendliche früher dort immer ins Schwimmbad gegangen, das war eine sehr schöne Zeit.

Haben Sie noch ein weiteres Themenbeispiel?

Ja, nehmen Sie den Bereich Digitalisierung in der Verwaltung. Die Breitbandversorgung ist noch nicht perfekt. Und wir müssen uns mit Priorität um den Busecker Wald kümmern. Die Gemeinde ist Eigentümerin von circa 1000 Hektar Waldfläche, die teilweise stark geschädigt ist. Für mich ist unser Wald mehr als eine reine forstliche Nutzung, unser Wald hat für mich vor allem eine Schutz- und Erholungsfunktion.

Wie würden Sie als Bürgermeister in Sachen Gewerbeentwicklung agieren?

Handwerksbetriebe, die vor Ort sind, brauchen eine Entwicklungsmöglichkeit. Ich bin dafür, den Mittelstand zu fördern - alle, die hier ihre Wurzeln haben, größere und kleinere Firmen. Wir müssen die Betriebe vor Ort halten. Die Frage ist dann: Muss man Großansiedlungen machen? Die günstige Lage an den Autobahnen und die Nähe zu Reiskirchen ist zwar immer wieder angesprochen, aber vielleicht noch nie richtig angegangen worden.

Kandidat Michael Ranft: "Gestalter und Moderator"

Sie haben sich in 400 Stunden zum Mediator ausbilden lassen. Denken Sie, dass Ihnen das hilft, wenn es zum Beispiel in der Gemeindevertretung Grabenkämpfe gibt, oder braucht es da jemanden, der einfach vorangeht?

Der klassische Mediator zeichnet sich ja nicht dadurch aus, dass er immer nur da sitzt und passiv ist, sondern dadurch, dass er in der Lage ist, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, mal andere Sichtweisen zu verdeutlichen. Als Bürgermeister sehe ich mich als Gestalter und Moderator zugleich. Häufig geht es in einer Kommune auch darum, Konflikte beizulegen.

Und das würde aus Ihrer Sicht in Buseck klappen?

Zurzeit sind die Fronten sehr verhärtet. Fast der halbe Gemeindevorstand ist zurückgetreten, weil offenbar Vertrauen verlorengegangen ist und diejenigen, die zurückgetreten sind, bestimmte Entscheidungen mit ihrem Gewissen nicht hätten vereinbaren können. Als Bürgermeister muss man Ideen entwickeln und dann um Mehrheiten kämpfen. Dabei sehe ich mich nicht nur auf einer Parteilinie, sondern der Gemeinde verpflichtet. Deshalb habe ich mich auch gefreut, dass ich von CDU und Freien Wählern gemeinsam vorgeschlagen wurde. Das soll natürlich nicht heißen, dass ich passiv bin. Natürlich werde ich Ideen und Projekte vorantreiben und versuchen, diese gemeinsam mit den Fraktionen umzusetzen. Es ist aber eine Frage des Stils, wie man das macht. Man kann mit- oder gegeneinander Politik machen. Und wenn man es gegeneinander macht und die Mehrheit nicht hat, sieht es schlecht aus.

Ist Ihr Eindruck, dass es in Buseck zurzeit so läuft?

Der Zustand, den ich anstrebe, ist, dass in der Sache hart gerungen wird um den besten Weg. Aber auf kommunaler Ebene sollte es so sein, dass man sich noch in die Augen sehen kann, ein Grundvertrauen vorhanden ist und man gelegentlich nach der Sitzung auch noch einmal ein Bier miteinander trinken geht. Das scheint in Buseck zurzeit nicht mehr der Fall.

Wie viele Sitzungen haben Sie denn dort schon erlebt?

Seit meiner Nominierung habe ich an mehreren Sitzungen der Gemeindevertretung teilgenommen. In Zukunft werde ich natürlich an den Sitzungen der gemeindlichen Gremien regelmäßig teilnehmen.

Wie geht es mit Ihrer Kanzlei weiter, falls Sie die Wahl gewinnen?

Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten. Es wäre ein Verkauf der Kanzlei denkbar oder aber eine Weiterführung durch einen Kollegen. Je nachdem, wann die Wahl stattfindet, bleiben noch ein paar Monate, in denen sich eine Lösung finden wird, das hat es ja schon oft gegeben. Weitermachen kann und werde ich jedenfalls nicht, das lässt sich zeitlich nicht vereinbaren und ist auch rechtlich nicht zulässig.

Würden Sie als Bürgermeister nach Buseck ziehen?

Ja. Natürlich geht so etwas nicht von heute auf morgen. Ein Bürgermeister muss auf jeden Fall jederzeit ansprechbar sein und wenn man vor Ort wohnt, ist das natürlich ideal.

In einem Satz: Warum sollten die Busecker Sie wählen?

Weil ich die bessere Alternative bin.

Zur Person: Michael Ranft

Der 44-Jährige wuchs zunächst in Beuern auf, bevor seine Familie nach Bersrod zog. Heute lebt er in Bersrod und Gießen.

Ranft ist verheiratet und seit April Vater. Der Jurist arbeitet als Rechtsanwalt und Mediator in seiner eigenen Kanzlei in Gießen.

Der Kandidat war Vorstandsmitglied der Reiskirchener CDU und auch deren Vorsitzender sowie Mitglied des CDU-Kreisvorstands. Zurzeit ist Ranft Beigeordneter der Gemeinde Reiskirchen.jwr

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