Brandsburgscheune

Brandsburgscheune in Alten-Buseck: Nur erhalten oder aufwerten?

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Die Brandsburgscheune verfällt zusehends. Die Kommunalpolitik aber ist uneins, inwieweit und zu welchen Kosten sie saniert werden soll. An Ideen mangelt es nicht, eher schon am Geld.

Dieses alte Gebäude hat schon bessere Tage gesehen: Die Gefache zwischen den Balken liegen teils offen, Schieferschindeln sind abgefallen, im mit Ziegeln gedeckten Dach tun sich Lücken auf. Drinnen ist es kalt und dunkel. Ein Denkmal, das nicht gerade zum Verweilen einlädt.

Jürgen Herfurth und seine Mitstreiter wollen das ändern: Der 2014 gegründete Förderverein Brandsburgscheune möchte dem Bau in Gemeindebesitz zu neuer Blüte verhelfen: unten ein Sanitärbereich und in der alten "Tenne" Raum für Lesungen, Weinverkostungen, kleine Konzerte; daneben ein Café und im Obergeschoss flexibel nutzbare Veranstaltungsräume.

Doch zwischen dem Ist-Zustand und den ehrgeizigen Plänen des Vereins für eine "Kulturscheune" liegen rund 680 000 Euro. Diesen Investitionsbedarf hat ein beauftragter Architekt errechnet, die gleiche Summe findet sich in einem Antrag der SPD-Fraktion.

Die Genossen hatten im Zuge der Haushaltsberatungen vor wenigen Wochen beantragt, die Gemeinde möge 250 000 Euro in die Sanierung der Scheune investieren, sofern Zuschüsse für die Restsumme abgerufen werden können. Freie Wähler und vor allem CDU hegten allerdings Bedenken, die Kosten könnten ausufern. Schließlich zog die SPD den Antrag zurück. Ist also die Zukunft des Baudenkmals weiter offen?

Kein Beschluss, aber auch kein klares Nein

Zwar habe die Gemeindevertretung nicht für eine Sanierung über den Erhalt hinaus votiert, aber eben auch nicht dagegen. "Insofern war es ein richtiger Zug, den Antrag wieder zurückzunehmen", findet Fördervereinsvorsitzender Herfurth. Aus seiner Sicht ist kein Beschluss besser als ein klares Nein.

Ich möchte das Gebäude erhalten, aber auch einer künftigen Nutzung zuführen

Bürgermeister Dirk Haas

Im Büro von Bürgermeister Dirk Haas (SPD) hängt eine Skizze der Brandsburgscheune. Haas hat sie selbst gezeichnet und vom Schreibtisch aus im Blick. "Meine Haltung ist relativ klar: Ich möchte das Gebäude erhalten, aber auch einer künftigen Nutzung zuführen", sagt er.

Nach Gesprächen mit der Spitze des Fördervereins erarbeite er zurzeit ein Konzept, das Perspektiven für bauliche Maßnahmen und die künftige Nutzung aufzeigen soll. "Da wird es eine Lösung geben, die zwischen den Vorstellungen des Vereins und der ablehnenden Haltung des Parlaments liegt", vermutet Haas.

Denkbar sei, Fördergelder im Rahmen des EU-Programms "Leader" für die Entwicklung des ländlichen Raums abzurufen. Über mögliche Fördersummen und die Höhe der Sanierungskosten könne er zurzeit aber noch keine Aussagen treffen. Für die Erhaltung der Gebäudesubstanz ist die Kommune ohnehin verantwortlich.

Viele Ideen

An Ideen, dem alten Gemäuer auch im Verbund mit externen Partnern Leben einzuhauchen, mangelt es dem Verein nicht: Unter anderem ist angedacht, die Lebenshilfe als Café-Betreiber ins Boot zu holen. In diesem Punkt ist Haas skeptisch: Er sieht bauliche Hindernisse, etwa die wenigen Fenster im Erdgeschoss. "Die Scheune selbst umzubauen, um dort Gastronomie anzubieten, ist finanziell nicht darstellbar."

Allerdings sei ihm an einer Nutzung durch die Gemeinde gelegen. Auch die Einbindung weiterer Anbieter sei wünschenswert, mit der Kreisvolkshochschule stünden Gespräche an. Bis ein Nutzungs- und Sanierungskonzept vorliegt, das in der Gemeindevertretung mehrheitsfähig ist, dürfte noch die eine oder andere Sitzungsrunde vergehen. Wenn es nach ihm gehe, könne noch im Laufe des Jahres ein "belastbares Konzept" erarbeitet werden, sagt Haas. "Ziel muss sein, dass das Design der Funktion folgt. Die Brandsburgscheune sollte zum Ortszentrum werden".

Dorftreffpunkt und Begegnungsstätte – in diese Richtung möchte auch Herfurth die Scheune entwickeln. Spätestens im Juni will der Bürgermeister sein Konzept mit der Vereinsspitze diskutieren. "Ich bin der letzte, der sagt: Auf Teufel komm raus sanieren!", fügt Herfurth noch an. Das Konzept mit geschätzten Kosten von 680 000 Euro sei solide, aber natürlich könne man an einzelnen Stellschrauben drehen.

Der Verein erhofft sich Klarheit, wie es mit dem geschichtsträchtigen Bau weitergeht. Das Gebälk sei stabil, doch mit Blick auf die bröckelnde Fassade sagt Herfurth: "Man muss langsam mal anfangen, sonst wird es zu teuer."

Info

Gebäude mit Geschichte

Die unter Denkmalschutz stehende Brandsburgscheune wurde um 1740 erbaut und war der Brandsburg (errichtet um 1490) angegliedert. Damals residierte dort ein Zweig des Adelsgeschlechts von Buseck. Die Brandsburg war eine von zwei Wasserburgen in Alten-Buseck, heute wird das Gebäude von der Gemeinde genutzt.

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