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Der Bahnhaltepunkt in Großen-Buseck.

Bahnhof Großen-Buseck wird ausgebaut

Früher der stolz einer Gemeinde, fristen die Bahnhöfe nun häufig ein Schattendasein als marode Bauruinen oder von Privatleuten liebevoll gepflegten Kleinoden. Die Bahnsteige und damit die Nutzung für Reisende soll ab 2018 in Großen-Buseck dank Sanierungen und Baumaßnahmen attraktiver werden.

Buseck (siw). In Großen-Buseck spricht man immer noch landläufig vom Bahnhof. Doch ein Bahnhof ist es – da ohne ein Gebäude mit Empfangshalle – schon lange nicht mehr. Die richtige Bezeichnung im Fachjargon lautet Verkehrsstation. Doch das dürfte den Nutzern ziemlich egal sein. Von Interesse ist vielmehr die geplante Umgestaltung mit Bahnsteigen beiderseits der Trasse. Bei einer Informationsveranstaltung am Mittwoch im Kulturzentrum stand Roland Meuschke als zuständiger Leiter des Bahnhofsmanagements Gießen dem Auditorium Rede und Antwort. Der Einladung von Bürgermeister Dirk Haas waren zahlreiche Interessierte gefolgt. Haas hat sich bekanntlich auf die Fahnen geschrieben, die Bevölkerung über anstehende Bau- und Gestaltungsmaßnahmen zeitnah zu informieren und in einer frühen Planungsphase einzubinden.

Unterführung nicht vorgesehen

Eine zunehmend alternde Bevölkerung benötigt barrierefreie Verkehrsstationen. Und Bauen macht Lärm. In diesem Punkt war man sich einig. Ebenso, dass die aktuelle Situation nicht mehr den gesetzlichen Sicherheitsvorschriften entspricht. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Bahnsteige beiderseits des Schienennetzes für die Bahnkunden mit Nachteilen und eventuell sogar mit Umwegen verbunden sind. Wichtig ist vor allem, dass auf beiden Seiten ein Fahrkartenautomat vorgehalten wird. Dies konnte Meuschke nicht zusichern, da eine solche Installation nicht ausschließlich in den "Hoheitsbereich" der Deutschen Bundesbahn fällt. "Von unserer Seite werden wir auf jeden Fall Vorsorge treffen und eine entsprechende Kabeltrasse einbauen. Die Aufstellung eines Fahrkartenautomaten fällt aber in den Zuständigkeitsbereich des RMV und von DB-Vertrieb."

Kurz wurde über die Möglichkeit einer Unterführung gesprochen, die im Sinne der Barrierefreiheit mit dem Einbau von zwei Aufzügen einhergehen müsste und locker ein Investitionsvolumen von einer Million Euro erreichen würde. Bei dieser Alternative stünde die Gemeinde Buseck mit einer 20- bis 30-prozentigen Mitfinanzierung in der Pflicht. Doch nicht nur aufgrund der reinen Wirtschaftlichkeitsberechnung wurde diese Alternative schnell verworfen, sondern auch aus der Tatsache heraus, dass auf diesem Wege keine 100-prozentige barrierefreie Erreichbarkeit der Züge gewährleistet ist. "Technische Defekte bei Aufzügen sind zwar seltener als allgemein angenommen wird, aber sie sind halt nicht auszuschließen", erklärte Meuschke. Er verwies außerdem auf das unschöne Bild, das sich oftmals in Unterführungen breitmacht.

Die Bahnsteige werden auf 55 Zentimeter über Schienenoberkante ausgebaut, sodass ein ebenerdiger Einstieg möglich ist. Der Mittelbahnsteig wird zurückgebaut. Ein beleuchtetes Wartehäuschen soll es auf beiden Seiten geben, ebenfalls ein Blindenleitsystem mit Aufmerksamkeitsfeld. Angeregt wurde der Zukauf eines schmalen Grundstücksstreifens oberhalb der Bahnlinie, um dort neben einem Fahrradunterstand auch PKW-Parkplätze einzurichten.

"Auf jeden Fall wird bei der Anbindung an den Mollnbornsweg für eine Haltebucht zum Be- und Entladen gesorgt", betonte Haas. Die Antwort auf die Frage, ob die Abfahrt in Richtung Gießen bzw. Fulda grundsätzlich auf jeweils dem gleichen Gleis erfolgen kann, musste zunächst offen bleiben.

Zehn Wochen Totalsperrung

2018 soll die Maßnahme umgesetzt werden. Die Bauzeit wird nach derzeitigen Planungen etwa ein halbes Jahr betragen. Eine Totalsperrung von zirka zehn Wochen in der dritten Bauphase und dann nochmals sechs Wochen in der fünften Bauphase lässt sich allerdings nicht vermeiden. In dieser Zeit wird ein Schienenersatzverkehr eingerichtet. Auch ist die Bahn bemüht, die Totalsperrung möglichst in die Zeit der Sommer- und Herbstferien zu legen.

Die Anregungen sollen in die Planungen aufgenommen werden. Danach sollen sie – so war es der Wunsch von Ortsvorsteher Lothar Pfeiffer – nochmals in einer öffentlichen Sitzung im Ortsbeirat diskutiert werden.

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