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Für den kleinen Pilgerweg bringen Vikar Adrian Schleifenbaum (l.) und Holger Lorenz vom Kirchenvorstand insgesamt sieben Tafeln an.

»Amazing Grace« im Ohr

  • vonSiglinde Wagner
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Buseck (siw). Not macht erfinderisch - Corona auch. Adrian Schleifenbaum, derzeit Vikar der evangelischen Kirchengemeinde Alten-Buseck/Trohe, hat sich für einen vorösterlichen Spaziergang etwas Besonderes einfallen lassen. Sieben kreative und nachdenklich stimmende Stationen laden ab sofort bis zum Ostermontag zu einem Spaziergang entlang des Climbacher Wegs ein.

An dem kleinen Pilgerweg am Waldesrand befinden sich bebilderte und beschriftete Tafeln, an denen Musikspiele befestigt sind. Betätigt man die Kurbeln der Mini-Drehorgeln, erklingt die wunderbare Melodie von »Amazing Grace« (»Erstaunliche Gnade«). Warum hat sich Schleifenbaum gerade diese Musik ausgesucht? - »Weil in diesem geistlichen Lied alles steckt, was das Leben bis zum Sterben ausmacht«, sagt er.

Nachdenken, meditieren, beten

»Amazing Grace« zählt zu den beliebtesten Kirchenliedern der Welt und hat es 1972 in einer Version der Royal Scots Dragoon Guards an die Spitze der britischen Charts geschafft. Weitere bekannte Interpreten haben es in unterschiedlichen Versionen zu einer wahren Hymne gemacht. Mitsummen und vielleicht auch Singen dürfte daher nicht schwerfallen und ist durchaus erwünscht. Auf der ersten Tafel heißt es: »Wer es singt, stimmt ein in einen Chor aus Mutigen und Verzweifelten, Getragenen und Getrösteten«. Weitere kurze Texte sollen zum Nachdenken, Meditieren und Beten animieren, wobei auch die Pandemie thematisiert wird. Welche Dinge, die als normal und unbedeutend galten, werden nach einem Jahr voller Entbehrungen anders angesehen?

Eine Tafel lädt zum Gedenken an die Erkrankten und Verstorbenen ein. Eine Sorgenbox und ein Gästebuch dürfen rege genutzt werden.

Nach dem Montieren stellte Schleifenbaum fest, dass der Klang der Spieluhren durch Holzbretter (Flammkuchentabletts) verstärkt wird. Gemeinsam mit Holger Lorenz vom Kirchenvorstand hat der Vikar die Tafeln an den Bäumen befestigt. Der Abstand wurde so gewählt, dass auch kleine oder kranke Füße den Pilgerweg gut bewältigen können. Dies soll natürlich coronakonform auf Abstand geschehen.

Während seines Vikariats war Schleifenbaum zunächst bis zum September 2020 in der Grundschule in Reiskirchen eingesetzt, nach seiner Zeit bei der Kirchengemeinde Alten-Buseck/Trohe wird er im August zur »Jungen Kirche« und Evangelischen Studierendengemeinde Gießen wechseln. Der 31-Jährige hat Theologie in Marburg und Heidelberg studiert, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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