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50 Jahre liegen die Ursprünge der Hobby-Fußballmannschaft zurück, die Woche für Woche in Alten-Buseck spielt.

Hobby-Fußballmannschaft

Alten-Busecker Hobbymannschaft hält den Ball seit 50 Jahren am Laufen

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Hobby-Fußballmannschaften sind keine Seltenheit. Dass sie 50 Jahre bestehen und sich ständig verjüngen, ist allerdings besonders. Wie haben die Alten-Busecker Freitagskicker es geschafft, als Team zu überdauern?

Hier Jungs, bringt mal euer Tor ein Stück weiter zu uns", ruft ein Spieler mit gelbem Shirt quer über den Platz. "Bringt doch eures", hallt es ihm aus einiger Entfernung entgegen. Wie groß das Spielfeld ist, wer mit wem spielt und was als Foul gilt - all das wird freitagabends auf dem Waldsportplatz in Alten-Buseck auf dem kurzen Dienstweg geklärt, ohne viel Aufhebens.

Zwar sind die Freitagskicker mittlerweile an die TSG Alten-Buseck angedockt (Abteilung Hobbyfußball) und einige von ihnen Vereinsmitglieder - das ermöglicht die Nutzung des Platzes. Doch diesen Spielern geht es nicht um Tabellenplätze und auch nur am Rande um das Endergebnis. Manche gehen auf die 30 zu, andere sind fast 80 Jahren alt. Sie alle verbindet der Spaß am gemeinsamen Kicken ohne Leistungsdruck.

Hobbymannschaft feiert 50. Geburtstag: Auf einem Parkplatz angefangen

Mannschaften wie diese gibt es auch im Kreis Gießen zuhauf. Das Besondere an dieser Gruppe ist, dass ihre Ursprünge 50 Jahre zurückliegen. Angefangen hat es damals auf einem Parkplatz an der Gießener Südanlage. Kurz darauf trafen sich die Freizeitsportler in Heuchelheim, auf einem heute bebauten Platz. "Anfangs waren es drei Leute", berichtet Bernd d’Amour, der seit 1971 mit von der Partie ist. "Einer ist heute noch dabei, der Zweite kommt zu unserer Feier - und beim Dritten wissen wir leider nicht, wo er ist."

Der harte Kern von damals bestand aus Studenten und jungen Akademikern, unter anderem Wirtschaftswissenschaftler, Psychologen, Mediziner und Ingenieure. Einige kamen Anfang der 1970er dazu und sind bis heute freitags am Start. Schon damals habe es zahlreiche Hobby-Teams fernab des organisierten Vereinsfußballs gegeben, erzählt der Torwart des gelben Teams. Sich mit Gleichgesinnten selbst zu organisieren, statt sich vorgegebenen Strukturen unterzuordnen - das habe damals dem Zeitgeist entsprochen. Einige Jahre lang spielten die Busecker Hobbykicker in einer freien Liga mit anderen Mannschaften aus der Region. Von diesen Teams sei aber nur die Busecker Truppe übrig geblieben, heißt es hier.

Und die jungen Mitspieler? "Die sind uns zugelaufen", sagt Wolfgang Löffler und lacht. Er ist 1973 dazugestoßen, hat früher bei den Amateuren von Mainz 05 gespielt. Einige Jüngere sind über Freunde dazugekommen, andere haben einfach freitags vorbeigeschaut und mitgemacht. Hier ist im Grunde jeder willkommen.

Hobbymannschaft feiert 50. Geburtstag: Teils lange Anfahrt

Wie unterschiedlich die Männer auch vom Alter abgesehen sind, lässt sich ein Stück weit an ihren Fahrzeugen ablesen. Auf dem kleinen Parkplatz neben dem Waldsportplatz stehen sowohl ein in die Jahre gekommener, kantiger VW Golf als auch ein schicker Benz. Während die Hobbykicker sich in aller Ruhe die Stollenschuhe schnüren, rollt ein E-Motorrad heran. Der Fahrer kommt gerade aus Oberursel. Auch andere nehmen jeden oder fast jeden Freitag weitere Strecken auf sich, um hier in Alten-Buseck für anderthalb Stunden Fußball zu spielen. Punkt 19.15 Uhr ist Schluss. Das habe sich bewährt, sagt einer, denn ansonsten trudelten alle erst nach und nach ein. Mit der Zeit sind auch Freundschaften entstanden, die über den Fußballplatz hinausreichen. Aber das ist natürlich kein Muss. Fixpunkt ist der Termin am Freitagabend. Die Gruppe ist stets im Wandel begriffen. Nicht jeder weiß um die Namen aller Mitspieler - und viele kennen sich nur im Sportdress. "Wenn man die Leute im Seltersweg trifft und sie keine kurzen Hosen tragen - da muss man erstmal überlegen", sagt ein Freizeitkicker lächelnd.

In all den Jahren hat sich die Umgebung des Waldsportplatzes verändert. Früher, erzählt einer, habe man vom Rasen aus noch den weiten Blick auf den Dünsberg genießen können, heute umranden hohe Bäume den Platz. Auch die Akustik hat sich gewandelt - nicht unbedingt zum Besseren: Jenseits eines Zaunes und der Bäume ist unentwegtes Rauschen zu hören, dort verläuft die A 480. Bevor es den Zaun und die Autobahn gab, mussten die Hobbykicker öfter rüberlaufen und verschossene Bälle einsammeln.

Hobbymannschaft feiert 50. Geburtstag: Keine Blutgrätschen

Unter den erfahreneren Spielern ist auch ein Mediziner, "ich bin der Vereinsarzt", sagt Hans-Werner ("Felix") Schmidt. Zwar hat er hier schon ausgekugelte Schultern eingerenkt, schwere Verletzungen sind bisher aber ausgeblieben. Das dürfte nicht zuletzt der umsichtigen Spielweise geschuldet sein: Hier setzt keiner zur Blutgrätsche an. Das Tempo ist nicht allzu hoch, Fairness wichtig. Hier ist man nicht um jeden Preis ehrgeizig. In Sachen Wetter sind die Alten-Busecker Freizeitfußballer aber hart im Nehmen. "Fritz-Walter-Wetter ist okay", sagt einer, ebenso große Hitze. Einmal haben sie dieses Jahr nicht gespielt - 40 Grad waren dann doch zu viel.

Der Ruf des Torwarts mischt sich unter das Grollen von der Autobahn nebenan. "Zu den Leuten, enger bitte! Ganz links, links!" Die Mitspieler nehmen den Aufruf mehr oder weniger ernst. Hier geht es um entspanntes Kicken, um den Spaß. Ein Konzept, das seit 50 Jahren trägt.

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