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Ein Gruppenfoto aus der Anfangszeit mit Chorleiterin Renate Schygulla (r.). FOTO: BF

Abschied vom Frohsinn

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33 Jahre sind ein närrisches Jubiläum. Doch genau zu diesem machen die Frohsinnsänger Schluss. Bei der Fastnachtssitzung am 7. Februar in Großen- Buseck stehen sie letztmals auf der Bühne.

Nach 33 Jahren werden die Frohsinnsänger am Freitag, den 7. Februar, bei der ersten von drei ausverkauften Sitzungen des Katholischen Fastnachtsclubs zum letzten Mal auftreten. Bei den beiden anderen Sitzungen werden andere Gastgruppen die Lücke zu schließen versuchen.

Der Name Frohsinnsänger ist eng verknüpft mit dem karnevalistischen Treiben. Dennoch war der Gedanke, der zur Gründung dieser Formation im Jahr 1987 geführt hatte, ein anderer. Bei Veranstaltungen wie Kirmes oder Burschenschaftstreffen konnten die meisten nur den Refrain oder die erste Strophe mitsingen. Das sollte sich ändern. Darum regte ein Mitglied der 1950 gegründeten Burschenschaft "Frohsinn Großen-Buseck" an, dass man einige Trink- und Stimmungslieder richtig erlernen sollte. Unter der Leitung des Gitarristen Kurt Kosch und Karl-Heinz Kusterer übten anfangs 30 Burschen das Liedgut ein. Später kamen noch Schlager dazu.

Der erste Auftritt erfolgte 1987 anlässlich der Hochzeit des damaligen Vereinsvorsitzenden Eckhard Neumann. Da man mit einstimmigem Gesang keinen großen Staat machen kann, wurde noch im gleichen Jahr Musikdirektor Rudolf Nicolai verpflichtet.

Nach Ständchen zu Familienfeiern und Altennachmittagen wagten die Burschen 1988 den Sprung auf die Bühne. Bei den Prunksitzungen der Freiwilligen Feuerwehr (heute ist der Ausrichter der Karnevalverein Großen-Buseck) und des Katholischen Fastnachtsclubs von "Sankt Marien" feierten sie die ersten großen Erfolge. 1990 reisten die singenden Burschen nach Gospenroda zur dortigen Faschingssitzung. Eine sehr emotionale Begegnung, drei Monate nach Öffnung der Grenze zur DDR.

Stammgäste im Gießener Karneval

Im Sommer 1995 gab Nicolai aus gesundheitlichen Gründen die Formation ab, seine Nachfolge trat die Musikpädagogin und studierte Kirchenmusikern Renate Schygulla an. Der damit verbundene musikalische Entwicklungsschub sprach sich herum. Die Frohsinnsänger wurden von 1996 bis 1998 für alle Veranstaltungen des Gießener Fastnachtsvereins gebucht - egal ob Kampagneeröffnung, Inthronisierung oder Prunksitzungen. Da hatten die Sänger und auch die Dirigentinnen (1998 war Juliane Koch für Schygulla eingesprungen) erstmals so richtig Lampenfieber. Die Auftritte wurden mit Bravour gemeistert.

2000 sangen die Stimmungsgaranten aus Großen-Buseck sogar beim Frankfurter Karnevalverein "Fidele Eckenheimer" und erstmals beim Carnevalverein Alten-Buseck.

Bevor Schygulla nach kindersegenbedingten Auszeiten den Dirigentenstab wieder übernahm, hatte Stefen Haus zwei Jahre das Ensemble geleitet. Ohne Gage wurde jahrelang bei den Faschingssitzungen des "Club 68" (Verein für Behinderte und ihre Freunde) in Gießen gesungen.

Ihrem Namen machten die Frohsinnsänger alle Ehre bei den Feierlichkeiten zur offiziellen Gründung der Dreier-Partnerschaft Buseck - Tát - Molln" in 1996 im ungarischen Tát und 1997 in Molln in Oberösterreich sowie bei deren Gegenbesuchen. Recht emotional gestaltete sich der Auftritt im Dezember 2015 zur Verabschiedung von Erhard Reinl und Amtseinführung von Dirk Haas. Ehrenbürgermeister Reinl steht seit 33 Jahren in den Reihen der Frohsinnsänger.

Mit fortgeschrittenem Alter hat die einst stimmgewaltige Man-Power nachgelassen, die Gruppe ist auf ein Dutzend Sänger geschrumpft. Von den Männern der ersten Stunde sind neben Reinl noch Willibald Schepp, Matthias Haupt, Manfred Scheld und Martin Horn dabei.

Dass der Schlussstrich nach 33 Jahren gezogen wird, ist indes Zufall und hat mit der närrischen Schnapszahl nichts zu tun. "Alles hat halt seine Zeit", sagen die Sänger. Augenzwinkernd betonen sie: "Wir haben sehr gerne unter der Fuchtel einer Frau gesungen."

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