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"Die Büttenredner sterben aus"

Rote Haare, dicke Nase und verrückte Kostüme: Das sind die Markenzeichen der "Doof Nuss". Hinter der Figur steckt Helmut Schad. Seit 37 Jahren ist er Büttenredner. Er weiß, worauf es bei einer guten Rede ankommt. Am Wochenende ist er in Hungen und Londorf zu Gast.

Glück und Pech ist uns beschert, doch das Leben ist trotzdem lebenswert." Das ist das Motto der Wetterauer "Doof Nuss" alias Helmut Schad. Mit Witzen und seinem leicht trotteligen Auftreten bringt der Büttenredner sein närrisches Publikum seit vielen Jahren zum Lachen.

Herr Schad, woher kommen die Ideen für Ihre Büttenreden?

Als erstes suche ich mir aus, wie ich auftreten möchte. Die "Doof Nuss" war schon ein Kellner, eine Primaballerina und ein Feuerwehrmann. Dieses Mal bin ich ein Ortspolizist. Das ganze Jahr über suche ich in Zeitungen und Zeitschriften nach Witzen, die mir gefallen. Die schneide ich aus und sammele sie, als Inspiration. Im August oder September, wenn es mit den Vorbereitungen losgeht und ich mein Motiv habe, suche ich mir passende Witze zusammen und baue damit meine Rede.

Wie lange dauert das?

An meiner Büttenrede sitze ich zehn bis zwölf Wochen. Manchmal schmeiße ich Witze wieder raus, ändere die Reihenfolge oder passe sie an meine Figuren an.

Worum geht es in Ihren Büttenreden?

Um Erlebnisse aus dem täglichen Leben. Der Ortspolizist zum Beispiel erzählt von Kontrollen oder Einbrüchen, also von dem, was er im Ort macht. Aber es geht auch um sein Familienleben. Figuren wie die Ehefrau Erna sind über die Jahre entstanden.

Vielen Leuten fällt es schwer, lustig zu sein oder einen Witz gut zu erzählen. Wie schaffen Sie es, auf Anhieb lustig zu sein?

Da kommt es zum einen auf die Mimik an, wie man den Witz rüberbringt. Das muss passen. Man darf nicht schon selbst anfangen zu lachen, bevor man zu Ende erzählt hat. Zum anderen braucht jeder Witz eine Pointe. Die muss genau sitzen. Das ist ganz wichtig. Nur so bringt man die Leute zum Lachen. Ich stelle mir die Situationen, von denen ich erzähle, immer bildlich vor. Zum Beispiel erzähle ich, wie ich an einem Schwimmbad vorbeikomme mit einer Litfaßsäule. In meinem Kopf stelle ich mir die Situation ganz genau vor und erzähle das dann auch so.

Was macht eine gute Büttenrede aus?

Ein gute Büttenrede bringt die Leute zum Lachen, das ist das Wichtigste. Es nützt nichts, wenn ich mich da oben hinstelle und einen Witz nach dem anderen erzähle und keiner lacht. Wenn die Leute lachen, bin ich zufrieden. Wenn bei einer neuen Rede die ersten zwei oder drei Witze ankommen, weiß ich, es läuft.

Wer ist, neben Namensgeber Hans Hachenberg, der als "Doof Nuss" im Kölner Karneval unterwegs war, Ihr Vorbild?

Mein größtes Vorbild ist Hans Süper vom Colonia Duett. Der ist in der Bütt unerreicht.

Sie waren von 2005 bis 2017 auch im Hessischen Rundfunk bei "Hessen lacht zur Fassenacht" zu sehen. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe mich viele Jahre beim Hessischen Rundfunk beworben. 2001 wurde die Sendung in Herborn im Lahn-Dill-Kreis aufgezeichnet. Dort war ich wieder beim Casting, und da hat es endlich geklappt.

Was ist der Unterschied zwischen Auftritten im Fernsehen und denen beim kleinen Verein?

Im Sendesaal sitzen viel mehr Menschen, überall hängen Kameras. Da muss alles klappen. Das ist ein riesiger Unterschied. Ich war immer nervös bis zum Ende.

Sind Sie auch heute noch nervös vor den Auftritten?

Ja. Wer sagt, er sei nicht nervös vor einem Auftritt, der lügt! Dieses Jahr bin ich sogar noch etwas aufgeregter, weil ich auch noch singe.

Jedes Jahr überraschen Sie das Publikum mit neuen Kostümen. Entstehen die alle in Handarbeit?

Ja, die machen meine Schwiegertochter und ich selbst.

Wie viel von Ihnen steckt in der "Doof Nuss"?

100 Prozent! (lacht)

Wie steht es um den Nachwuchs unter den Büttenrednern?

Da sieht es schlecht aus. Viele Vereine haben Probleme, Büttenredner zu finden. Gerade von den Jüngeren will sich kaum noch jemand an den Schreibtisch setzen und eine Büttenrede schreiben. Denn das ist viel Arbeit. Die meisten gehen lieber ins Showballett oder machen Musik. Die Büttenredner sterben aus. Das finde ich sehr schade. Es ist ein tolles Gefühl, auf der Bühne zu stehen und das Publikum mit der eigenen Rede zum Lachen zu bringen.

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